Müllvermeidung

Aus Kartoffelstärke und recyclebar – wie ein Vater eine Ökowindel entwickelt

Andreas Frey

Von Andreas Frey

So, 22. Dezember 2019 um 14:39 Uhr

Panorama

BZ-Plus Um große Müllberge zu vermeiden, sucht ein Familienvater nach Materialien für eine umweltverträgliche Windel – und wird bei Kartoffeln fündig.

Mit einer vollen Mülltonne fing alles an. Gerade hatte Dominic Frank eine Wohnung in Berlin-Pankow gegen ein Reihenhaus im Brandenburgischen getauscht, da bemerkte er erstmals, wie viel Müll in seiner Familie anfiel. Kaum war die Tonne vor dem Haus geleert, quoll sie wieder über. Bald wusste er, warum: Zwei Drittel des Hausmülls gingen auf die hygienischen Bedürfnisse seiner kleinen Töchter zurück, schätzt der Familienvater. Auf gebrauchte Wegwerfwindeln. Zwei Fragen beschäftigten ihn fortan: Lässt sich der Müllberg vermeiden? Und falls nicht, gäbe es eine umweltfreundliche Alternative zu dem aus Kunststoff gefertigten Massenprodukt?

Stoffwindeln sind keine Option
Die erste Frage konnte er schnell beantworten. Stoffwindeln im Retrostil kamen weder für ihn noch für seine Frau infrage. Berufstätige Eltern wie die Franks haben wichtigere Dinge zu tun, als sich um die Wiederaufbereitung durchtränkter Tücher mit den Hinterlassenschaften ihrer Kinder zu kümmern. Also widmete er sich der Suche nach einer umweltfreundlichen Windel. Als Chemiker ging Dominic Frank das Problem systematisch an. Zunächst zerlegte er eine handelsübliche Windel in ihre Bestandteile. Zum Vorschein kamen mehrere dünne Schichten, die meisten davon aus Plastik.

Sein größtes Interesse aber galt einer Schicht mit Kügelchen. Superabsorber wird dieses Granulat in der Branche genannt, weil es Urin aufsaugt und sich dabei in ein Gel verwandelt, sodass nichts nässt. Der Superabsorber steckt im Windel- oder Saugkern. Das ist der Ort, wo das Pipi am Ende bleiben soll. Damit es dort ankommt, wird es durch drei Schichten nach innen geleitet. Direkt auf der Haut liegt ein Innenvlies, das Flüssigkeit an das Aufnahmevlies abgibt – die Oberfläche soll trocken bleiben. ...

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