Abendmahl mit Hummer

Rolf Müller (Text und Fotos)

Von Rolf Müller (Text und Fotos)

Sa, 07. April 2012

Ausland

Passionsspiele gibt es nicht nur in Oberammergau – auch in den Heiligen Bergen Oberitaliens wird das Leiden Jesu dargestellt.

Karfreitagmorgen, 4.30 Uhr. In den engen Gassen von Romagnano Sesia erklingt dumpfer Trommelwirbel: Tag zwei der "Sacra Rappresentazione del Venerdi Santo". Drei Tage lang wird die Passion Christi auf den Straßen und Plätzen der kleinen piemontesischen Stadt, 20 Kilometer südlich des Orta-Sees, gespielt – in Echtzeit, von Gründonnerstag bis Karsamstag. Von der "Cospirazione", der Verschwörung der Hohen Priester am Gründonnerstag auf der Piazza Cavour, auf der die Tempel-Bühne steht, bis zur Auferstehung im Parco della Rimembranza, der mal als Garten Gethsemane, mal als Golgatha mitsamt dem Grab Jesu dient. 300 Laienschauspieler und Statisten spielen seit 1729 Jahr für Jahr mit bei der Passion, in der heutigen Form alle zwei Jahre, im kommenden Jahr zum 257. Mal. Diese Laienspiele im Umfeld der Sacri Monti, der neun heiligen Berge des Piemont und der Lombardei, haben Tradition; einige der frühesten italienischen Filmaufnahmen, im Filmmuseum von Turin aufbewahrt, haben solche Aufführungen festgehalten. Das Besondere an der Passion von Romagnano Sesia ist der unübersehbare Einfluss der Darstellung auf dem Sacro Monte di Varallo, bei den Kostümen, etwa der Kleidung der Hohenpriester, ebenso wie bei der Komposition der Szenen.

Der Karfreitag ist der Höhepunkt der dreitägigen Passionsspiele. Am Vormittag ziehen die Mitwirkenden in zwei Prozessionen durch die Stadt. Erst wird die Bahre, auf der der Leichnam Jesu am späten Abend durch die Stadt getragen wird, von der Kirche Madonna del Popolo zur Abteikirche gebracht. Anschließend zieht eine Prozession mit der Statue der Madonna Addolorata durch die Straßen. Beim Aufmarsch der römischen Kohorten mit den kleinen, krummbeinigen Soldaten in klappernden Rüstungen fühlt sich der aufgeklärte Mitteleuropäer noch eher ...

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