EU-Außengrenze

Besuch in Bulgarien: Wo Europa neue Mauern baut

Norbert Mappes-Niediek

Von Norbert Mappes-Niediek

Di, 09. Juni 2015 um 00:00 Uhr

Ausland

Willkommen in Europa, willkommen im Gelobten Land? Davon können Flüchtlinge an der türkisch-bulgarischen Grenze nur träumen – Besichtigung einer Demarkationslinie.

Dass Hunde eine frische Leiche aufstöbern, noch dazu die eines ganz jungen Mannes, sorgt in einem kleinen türkischen Dorf normalerweise ein Jahrhundert lang für Gesprächsstoff. Aber in Uzgaç gelten jetzt die Maßstäbe der Weltnachrichten. Bürgermeister Nazmi Usta kann sich kaum beruhigen. Seit Monaten kommen in dem einst so verschlafenen Ort täglich Busse aus der nahen Großstadt Edirne an, voller ängstlicher, scheuer Menschen mit kleinen Rucksäcken und abgelaufenen Schuhen. Meistens kommen sie zweimal an einem Tag, erst hin, dann zurück. "Erst heute Morgen um sieben haben sie 75 Leute hierher zurückgeschoben", sagt Usta. "Wo soll das hinführen?" Drei Tote sind in diesem Frühjahr schon gefunden worden, hier und im Nachbarort Kemalköy.

Gleich hinter Uzgaç beginnt die Europäische Union. Aber das Wort vom Gelobten Land, das in europäischen Debatten über Flüchtlinge gern bemüht wird, kommt hier niemandem in den Sinn. "Bei uns in der Türkei haben wir alle Erbarmen mit diesen armen Menschen", sagt Alaattin Kestane, ein Maurer, der Wärmeisolierung an die Wand der Dorfmoschee nagelt, "aber die Bulgaren da drüben, die sind brutal."

Bulgarien ist kein Gelobtes Land. Für Flüchtlinge ist es nicht einmal eine Stufe auf dem Weg dorthin. Nur ein Hindernis. Schon wer ...

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