Indien

Darjeeling ist eine Hochburg des Mädchen- und Frauenhandels

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Sa, 19. Dezember 2015 um 00:01 Uhr

Ausland

Die indische Provinz Darjeeling ist berühmt für ihren Tee. Hier arbeiten in den Teegärten Frauen für Hungerlöhne. Sie werden wie Sklaven behandelt. Die "Helpers of Mary" kümmern sich um sie.

Mit festen Schritten stapft Sanyaro den Weg in der steilen Plantage entlang. Die Morgenluft hier in den Bergen Indiens ist kalt, dichter Nebel hängt in den Hochtälern des Lava-Gebirges und versperrt die Sicht auf den majestätischen Kangchenjunga. Er ist mit seinen 8586 Metern der dritthöchste Berg der Welt. Seit 28 Jahren arbeitet Sanyaro in dem Teegarten. Hier, im indischen Bundesstaat Westbengalen, wurde sie geboren. Schon als kleines Mädchen begleitete sie täglich ihre Mutter zur Arbeit, zuerst im Tragetuch auf dem Rücken, dann an der Hand. Mit 14 wurde sie selbst vom Vorarbeiter in der Plantage angestellt. Eine Schule hat die heute 42 Jahre alte Frau nie besucht.

Die Provinz Darjeeling liegt im Norden Indiens, im Grenzgebiet zu Nepal und Bhutan. Hier, in Lagen zwischen 600 und 2000 Metern über dem Meeresspiegel, ließen die britischen Kolonialherren 1847 zum ersten Mal Tee anbauen. Sie rodeten den subtropischen Urwald und pflanzten den Teestrauch Camellia sinensis, den sie aus China mitgebracht hatten. An den südlichen Berghängen des Himalayas wachsen die edelsten und teuersten Tees der Welt. Die Hänge sind sehr steil, sodass die Pflanzen ein Maximum an Sonne abbekommen. Mindestens fünf Stunden am Tag sollten es schon sein. Auch der lockere, gehaltvolle Lehmboden ist für sie wie geschaffen. Geerntet wird der edle Schwarztee von indischen Teepflückerinnen wie Sanyaro.

Mit den Nägeln von Daumen und Zeigefinger knipst sie vorsichtig die Knospe und die oberen beiden Blätter der Teepflanze ab. ...

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