Wo Hass gelebt wird

Anja Reich

Von Anja Reich

Do, 25. Oktober 2018

Ausland

BZ-Plus Obwohl die UN-Hilfsorganisation UNRWA in Gaza den Palästinensern hilft, werden deren deutscher Chef und seine Mitarbeiter bedroht und verleumdet.

Neulich mussten sie sogar aus dem Hotel fliehen. Das Hotel, das zu ihrem Büro geworden war, weil sie ihre eigentlichen Büros nicht mehr betreten konnten. Es war Anfang Oktober, zwei Monate nach den Entlassungen bei der UN-Hilfsorganisation für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA). Die Gewerkschaft hatte zum Generalstreik aufgerufen. Vor dem Hauptquartier der UNRWA blockierten Demonstranten das Gelände. Die Geschäftsleitung zog sich ins Hotel Al Deira am Strand von Gaza City zurück. Sie wollten beraten, wie sie vorgehen sollen.

Aber die Demonstranten tauchten auch hier auf. "Ihr müsst raus hier, schnell!", riefen Sicherheitsleute. Die UN-Mitarbeiter rannten zum Ausgang, sprangen in ihre Autos, wollten losfahren, ein paar Männer warfen sich auf die Straße, um die Autos zu stoppen. Die ersten drei konnten gerade so ausweichen. Das vierte blieb in der Menge stecken, wurde eingekesselt. "Es war richtig brenzlig", sagt Matthias Schmale. "Meine Mitarbeiter hatten Angst. Direkt neben ihrem Auto stand ein Motorrad, auf dem Gepäckträger befand sich ein Benzinkanister. Sie dachten, dass sie gleich in die Luft fliegen."

Matthias Schmale, ein Deutscher, ist der Chef der UNRWA im Gazastreifen, und in diesen Stunden im Oktober traf er eine ungewöhnliche Entscheidung. Er beschloss, seine Mitarbeiter über die Grenze nach Israel zu schicken, in Sicherheit. Das kommt sonst nur in Kriegen vor, bei schweren Bombenangriffen. "Es war auch eine symbolische Entscheidung", sagt Matthias Schmale. "Wir wollten den Leuten hier zeigen, dass es so nicht geht, sie fragen: Ist das eure Botschaft? Wir sollen aus der Stadt gejagt werden, statt hier zu arbeiten?"

Schmale ist 56 Jahre alt, ein freundlicher Mann mit weißen Haaren, lila Hemd, dunkler Hose. Es ist zwei ...

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