Neuerscheinung

Auszug aus Wolfgang Prosingers erzählendem Sachbuch über die Rente

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 15. Februar 2014

Kultur

Eine Geschichte zum Thema Rente: Wie Thomas Hecker alias Wolfgang Prosinger seinen letzten Tag im Büro erlebt.

ie einen können ihn kaum erwarten, den andern graut davor, die meisten haben gemischte Gefühle. Der Renteneintritt ist die Zäsur der zweiten Lebenshälfte. Die mit ihr verbundenen Irrungen und Wirrungen beschreibt Wolfgang Prosinger am Fall des Redakteurs Thomas Hecker, dem Protagonisten seines erzählenden Sachbuchs "In Rente. Der größte Einschnitt unseres Lebens". Wir drucken hier die gekürzte Fassung des Kapitels"Der letzte Tag". Das Buch erscheint am 7. März im Rowohlt Verlag.

DHecker saß zu Hause an seinem Schreibtisch, eine halbe Stunde schon, und hatte noch nicht einmal den ersten Satz zustande gebracht. Übermorgen war es so weit. Letzter Arbeitstag. Was für ein Wort: letzter Arbeitstag. Er hatte nachgerechnet. 40 Jahre Arbeit, minus Wochenenden und Urlaube, das machte an die 10 000 Tage, in denen er im Büro gesessen hatte. Vielleicht ein bisschen weniger, wenn er noch ein paar Krankheitstage abzog, aber er war nicht oft krank gewesen. Meniskus, Bandscheibe, Leistenbruch, ab und zu eine kleine Erkältung – viel war nicht zusammengekommen, jedenfalls auf die lange Strecke von 40 Jahren gesehen. Hecker war ein gesunder Mensch gewesen.
Morgen noch, übermorgen noch. Zwei Finger zum Zählen.
Hecker wusste, was er zu tun hatte. Die üblichen Rituale, ein kleines Abschiedsfest organisieren. So macht man das. Schließlich hatte er schon viele Kollegen in Rente gehen sehen. Er sagte in der Kantine Bescheid, ein kleines Buffet, Bier, Wein, Orangensaft, Wasser. Nichts Übertriebenes, Hecker wollte es möglichst einfach haben, kein rauschendes Fest. Es gab nichts zu feiern, fand er.
Zuerst hatte er deshalb daran gedacht, überhaupt kein Abschiedsfest zu geben. Weil er ahnte, dass er ohnehin nur mit einem Kloß im Hals herumstehen würde, die Rede seines Chefredakteurs anhören, selbst ein paar Worte sagen, Hände schütteln, späte Komplimente entgegennehmen. Unverzichtbar, unersetzlich, lass dich bald wieder blicken, wir werden dich vermissen, und wenn Not am Mann ist, dann rufen wir dich an, dann kommst du schnell und hilfst aus. Das Übliche, Hecker wollte es nicht hören, anlügen kann ich mich auch selbst, dachte er.
Aber ...

Jetzt diesen Artikel lesen!

Entscheiden Sie sich zwischen kostenloser Registrierung und unbegrenztem Zugang, um sofort weiterzulesen.

Gleich können Sie weiterlesen!

Exklusive Vorteile:

  • 5 Artikel/Monat lesen - inkl. BZ-Plus-Artikel und BZ-Archiv-Artikel
  • Redaktioneller Newsletter mit den wichtigsten Nachrichten aus Südbaden
  • Qualitätsjournalismus aus Ihrer Heimat von 150 Redakteuren und 1500 freien Journalisten. Verwurzelt in der Region. Kritisch. Unabhängig.

Registrieren

kostenlos

  • 5 Artikel pro Monat lesen

  • Redaktioneller Newsletter

  • Nutzung der Kommentarfunktion

Die eingegebene E-Mail Adresse ist bereits registriert.
Hier können Sie sich anmelden
Diese E-Mail-Adresse ist bereits registriert aber nicht aktiv.
Aktivierungslink erneut zuschicken

BZ-Digital Basis

12,40 € / Monat

  • Lesen Sie alle Artikel auf badische-zeitung.de
  • Unbegrenzter Zugang zur News-App mit optionalen Push-Benachrichtigungen
  • Entdecken Sie Südbadens kulinarische Welt mit dem BZ-Straußenführer, BZ-Restaurantführer und BZ-Vesper
  • Abonnenten der gedruckten Zeitung erhalten BZ-Digital Basis zum exklusiven Vorteilspreis

Anmeldung