Der Weg zum sauberen Diesel

Tom Nebe

Von Tom Nebe (dpa)

Sa, 21. September 2019

Auto & Mobilität

Ein Nachrüstfilter für den Euro 5 kann Autofahrer vor Fahrverboten in Innenstädten bewahren.

Fahrverbote sind ein Schreckgespenst für Besitzer vieler Dieselautos. Nachrüstungssysteme sollen Millionen dieser Fahrzeuge sauber genug machen, damit sie auch in die Verbotszonen einfahren dürfen. Zumindest für viele Euro-5-Wagen gibt es jetzt Nachrüstsysteme.

Bisher gelten Fahrverbote lediglich in einigen Städten: in Hamburg oder Darmstadt etwa für einzelne Straßenabschnitte, in Stuttgart für den Bereich der aktuellen Umweltzone. In der baden-württembergischen Hauptstadt sind bislang nur Euro-4-Diesel und schlechter betroffen – es wird allerdings über eine Ausweitung auf Euro 5 nachgedacht. In Hamburg und Darmstadt gilt das Verbot auch für Euro-5-Fahrzeuge. In weiteren Städten drohen in den kommenden Monaten und Jahren räumlich begrenzte Diesel-Fahrverbote. Voraussichtlich im Oktober sollen in Berlin erste Verbote gelten. Eine Übersicht zu Regelungen in einigen Städten hat der ADAC im Internet zusammengestellt.

Wer seinen Diesel nachrüstet, kann Fahrverboten entgehen. Nachrüstungssätze gibt es für Euro-5-Diesel-Modelle mehrerer Marken – etwa Volkswagen, Mercedes und Volvo. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat im Juli und August mehrere Systeme genehmigt und Listen mit Auto-Modellen veröffentlicht, die mit diesen ausgestattet werden können – darunter etwa Mercedes C 220 und C 250 CDI oder verschiedene VW-Modelle mit Motoren bestimmter Baujahre. Die ausführlichen Listen gibt es bei der Behörde online. Die Hersteller geben für die Nachrüstungssysteme und den Einbau Kosten für den Autobesitzer von 3000 Euro an aufwärts an. Hinzu kommen Folgekosten. Der Kraftstoffverbrauch nach Einbau des Systems steigt nach Angaben der Hersteller um fünf bis zehn Prozent.

Die wichtigste und zugleich schwierigste Frage ist, wer Nachrüstungen braucht. Denn wo bisher Euro-5-Verbote gelten, sind nur Straßenabschnitte betroffen. Die ließen sich in der Regel noch umfahren, sagt Constantin Hack vom Auto-Club Europa (ACE). "Momentan braucht es zwingend noch niemand", meint der Experte. Bei flächendeckenden Verboten könnte sich das aber ändern.

Generell sei der ACE für die Nachrüstungen: "Um die Luft sauberer zu halten – und weil das dann auch weiteren möglichen Verbotszonen vorbeugt." Diese könnten kommen, wenn die Schadstoff-Grenzwerte in den betroffenen Städten weiter nicht eingehalten werden. Geregelt ist die Garantie. Nach Angaben des ADAC müssen die Nachrüster die Funktionsfähigkeit ihrer Systeme für eine Laufleistung von 100 000 Kilometer oder fünf Jahre gewährleisten. Eine abgeschlossene Herstellergarantie des Autos bleibt laut ACE auch mit Dieselnachrüstung weiter gültig. Sie greife aber nicht bei Schäden am Auto, die durch Einbau oder Betrieb des Systems entstehen.