Passende E-Busse gibt es noch nicht zu kaufen

Bad Krozingens Bürgerbus schon 15 Jahre erfolgreich unterwegs

Hans-Peter Müller

Von Hans-Peter Müller

Di, 01. Oktober 2019 um 18:15 Uhr

Bad Krozingen

Bad Krozingens Gemeinderat kauft ein weiteres Fahrzeug für den ehrenamtlichen ÖPNV-Verein, der mit 51 Fahrern zur innerstädtischen Mobilität beiträgt. Passende E-Busse gibt es noch nicht zu kaufen.

Es sind Geschichten wie die von Leonhard Hohler-Becker, die den Erfolg des Bad Krozinger Bürgerbusses auch im 15. Jahr seines Bestehens beschreiben. Seit acht Jahren dreht er seine Runden, neulich absolvierte er seine 200. Fahrt. 12 000 Kilometer und 15 000 transportierte Bürger dürften zusammengekommen sein – alles im Ehrenamt. Angesichts des Engagements von ihm und seiner 50 Mitstreiter im Fahrerlager war es für den Bad Krozinger Gemeinderat am Montag keine Frage, das Geld für einen neuen Bürgerbus einstimmig zu bewilligen.

Die Initiative geht zurück auf die "Lokale Agenda 21" im Jahr 2003. Der Fahrbetrieb mit einem ersten gebrauchten Bus wurde im Juli 2004 aufgenommen. Die Verkehrsbetriebe Bad Krozingen, die Gemeindeverwaltung und der Bürgerbus-Verein ziehen seither an einem Strang und konnten den Betrieb auf inzwischen drei Linien im kompletten Gebiet der Kernstadt und Fahrzeiten von 8 bis 18.20 Uhr montags bis freitags und 8.30 bis 13.50 Uhr samstags ausweiten. Mit sage und schreibe rund 100 000 beförderten Passagieren pro Jahr zählt man zu den erfolgreichsten Initiativen dieser Art und ist ein wesentlicher Bestandteil des ÖPNV in der Kurstadt. Ohne die Ehrenamtlichen des Bürgerbusvereins wäre es um die Mobilität gerade für Ältere und mobil Eingeschränkte schlecht bestellt.

Bei der Stadt ist Stephanie von Detten zuständig für den ÖPNV. Sie gab den Gemeinderäten, die in der Quellenhalle in Schlatt tagten, einen Überblick über den Stand der Dinge in Sachen Bürgerbus.

Drei Busse wurden im Lauf der Jahre bereits verschlissen. Aktuell umfasst der Fuhrpark vier Busse. Diese verfügen jeweils über acht Sitzplätze und sind voll niederflurig ausgelegt. Man gelangt also ohne Stufe ins Fahrzeug und zu allen Sitzplätzen. Außerdem haben alle Busse ausreichend Stellfläche für mehrere Rollatoren oder auch einen Rollstuhl.

Drei der aktuellen Fahrzeuge laufen mit einem Diesel-Motor, einer mit einem Hybrid aus Benzin und LPG-Gasantrieb. Die Suche nach einem weiteren Fahrzeug, das im derzeitigen Quartett ein altersschwaches Fahrzeug ersetzen soll, gestaltete sich allerdings schwierig, da der Markt für die recht spezialisierten Bürgerbusse sehr klein ist. Die Busse müssen inklusive Passagiere weniger als 3,5 Tonnen wiegen, damit sie mit normalem Führerschein plus Personenbeförderungsschein gefahren werden dürfen.

Auf eine erste Ausschreibung Anfang des Jahres kam überhaupt kein Angebot, auf eine zweite beschränkte Ausschreibung an drei Anbieter nur eines. Dieses stammt von der Firma FIBE Bus GmbH. Der neue Bus wird demnach 127 330 Euro kosten und im Mai/Juni 2020 ausgeliefert werden. Immerhin 35 000 Euro kommen aus Fördertöpfen des Landes.

Das Fahrzeug wird wieder einen Dieselmotor haben, da es am Markt bislang keinen Elektro-Bus gibt, das voll niederflurig ist und den in Bad Krozingen benötigten Platz im Innenraum bietet. Auch die umweltfreundliche Variante mit Gasantrieb ist aus dem Rennen: Diese bislang eher im Prototypenstatus vertriebenen Modelle werden nicht mehr gebaut.

Der Bürgerbusverein hat derzeit 51 aktive Fahrerinnen und Fahrer und 85 Fördermitglieder. Neue Fahrer sind in dem sehr geselligen Verein gern gesehen. Informationen über die Anforderungen gibt es bei der Vorsitzenden Jutta Brückner, Tel. 07633/10 17 91

Infos über Verein, Strecken- und Fahrpläne: buergerbus-bad-krozingen.de

Kurzkommentar:

KEIN ANGEBOT AM MARKT

Trauerspiel E-Mobilität

Da sollten eigentlich bis nächstes Jahr eine Million Elektroautos auf den Straßen sein. Da gibt es Zuschüsse beim Kauf, da gibt das Land für Pilotprojekte und Studien Millionen aus und selbst drei Gemeinden wie Bad Krozingen, Neuenburg und Heitersheim schustern der Badenova den Auftrag für ein 100 000 Euro teures Elektromobilitätskonzept zu. Alles Pläne aus Wolkenkuckucksheim. Denn so sieht die Praxis aus: Die Sozialstation kann nicht so viele E-Mobile betreiben, wie sie gerne wollte, weil in der Straße nicht genug Stromkapazität zum Laden vorhanden ist. Das neue kleine Reinigungsfahrzeug der Stadt Bad Krozingen ist wieder ein Benziner, weil das vorherige E-Mobil zu früh am Tag schlapp machte. Und einen Bürgerbus mit E-Antrieb, der alle Anforderungen erfüllen würde und zu allen Jahreszeiten die täglich 120 Kilometer schafft, gibt es auch für Geld und gute Worte schlicht nicht zu kaufen.