Villa Berberich

Ausstellung dokumentiert den Mythos Woodstock

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 24. Juni 2019 um 10:39 Uhr

Bad Säckingen

Erinnerungen an Hippies, Flowerpower, Rockmusik und Stars wie Jimi Hendrix und Janis Joplin kommen in der Ausstellung "50 Jahre Woodstock" auf, in der Villa Berberich in Bad Säckingen eröffnet wurde.

Erinnerungen an Hippies, Flowerpower, Rockmusik und Stars wie Jimi Hendrix und Janis Joplin kommen in der Ausstellung "50 Jahre Woodstock" auf, die am Sonntag in der Villa Berberich in Bad Säckingen eröffnet wurde. In 75 Fotografien lebt die Stimmung dieses legendären Festivals wieder auf. Ebenso dokumentiert werden aber auch die politischen Unruhen und die Anti-Kriegs-Bewegung in den späten 1960er Jahren.

Woodstock steht für Love, Peace and Music, für ein friedliches, gigantisches Happening, das im August 1969 auf einem Farmgelände im US-Bundesstaat New York 400 000 Fans anlockte. Der Kunstverein Hochrhein will den Mythos Woodstock, die "Mutter aller Festivals", die Ikonen von Rock, Pop, Folk und Country, das Lebensgefühl jener Zeit ins Bewusstsein rufen, aber nicht nur reine Nostalgie bedienen. Vielmehr legte Kunstvereins-Vorsitzender Frank van Veen den Fokus auf die Protestbewegung gegen den Vietnam-Krieg, die Ausdruck des politischen und gesellschaftlichen Aufbruchs war. Auch in der Musik von Woodstock spiegelte sich diese politische Antikriegs-Haltung, etwa im Auftritt von Jimi Hendrix mit "Star Spangled Banner".

Als Kurator hat Reinhard Schultz die Aufnahmen ausgesucht. Größtenteils hat er sie über Agenturen und öffentliche Sammlungen zusammengetragen. Mehr als die Hälfte der Fotografien zeigt Szenen vom Festival, von den Zuschauermassen, von der unglaublichen Atmosphäre, von den jungen Leuten, die auf dem Gelände campierten, von den gigantischen Licht- und Soundtürmen. Berühmt geworden ist das Foto eines Pärchens, das in eine Decke gewickelt da steht, umgeben von auf dem Boden liegenden erschöpften Festivalbesuchern. Man sieht ein Hippiemädchen mit langem Haar, Flatterkleid und bunten Ketten selbstvergessen tanzen, oder ein Hippiepärchen, er mit Wuschelmähne und nacktem Oberkörper, sie verträumt mit Band im Haar und luftigem Rock. Andere Fotos sind Momentaufnahmen von klatschenden Fans, von Hell‘s Angels, von einem Biker, der auf seinem Motorrad schläft.

Und natürlich sind die Woodstock-Stars in Konzertaufnahmen zu sehen: allen voran Gitarrenhexer Jimi Hendrix, der damals als Top Act gebucht war, zum Finale des Festivals auftrat und die höchste Gage kassierte. Mit Stirnband in der Mähne, Jeans und Fransenhemd steht der charismatische Musiker auf der Bühne. Auch Rockröhre Janis Joplin wirkt auf den Fotos elektrisierend. Ebenso wie der junge Carlos Santana. Reibeisenstimme Joe Cocker war schon in jüngeren Jahren am unverwechselbaren Stil und der Gestik der Hände zu erkennen. Von Grace Slick, der Leadsängerin von Jefferson Airplane, ist ein ausdrucksvolles Porträt zu sehen.

In einem Raum dokumentieren Fotos das Ende des Festivals, die Müllhalden, die Abreise der Besuchermassen, die verstopften Straßen, die jungen Musikfans, die auf Autodächern hocken und mitten im Stau lässig auf der Gitarre spielen.

Die Schau lenkt aber auch den Blick auf die Antikriegs-Bewegung, auf die Studentenunruhen, auf die Demonstrationen gegen den Vietnam-Krieg in New York und Washington. Auf einem Bild ist die Witwe von Martin Luther King bei einer dieser Protestbewegungen. Aufnahmen von Studentenführer Mark Rudd, von Zusammenstößen mit der Polizei, von der Nationalgarde, die auf die demonstrierenden Studenten geschossen hat, sind politische Zeitdokumente. Besonders eindrücklich sind Fotos, auf denen friedensbewegte junge Leute Blumen in den Lauf der Gewehre stecken.

Dass der Mythos Woodstock weiter lebt, zeigen Aufnahmen vom größten Woodstock-Revival-Festival in Polen, das jährlich Hunderttausende anlockt. Und auf zwei Monitoren können die Besucher je acht Musikfilme anschauen.

50 Jahre Woodstock: Die Ausstellung ist bis 21. Juli in der Bad Säckinger Villa Berberich zu sehen, geöffnet mittwochs 16 bis 18, samstags 14 bis 17, sonntags 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr .