Finanzdesaster

Bad Säckingens Stadtwerke-Chef Udo Engel geht

Annemarie Rösch

Von Annemarie Rösch

Fr, 12. August 2022 um 18:00 Uhr

Bad Säckingen

An der Spitze der Stadtwerke in Bad Säckingen kommt es zu einem Wechsel: Udo Engel kündigte seinen Weggang für Ende Dezember an. Das städtische Unternehmen ist in eine Schieflage geraten.

Die in die Krise geratenen Stadtwerke von Bad Säckingen kommen nicht zur Ruhe. Jetzt kündigte Geschäftsführer Udo Engel an, sein Amt zum 31. Dezember 2022 niederzulegen. Für seinen Weggang nannte er persönliche Gründe. Ob es auch einen Zusammenhang zu der finanziellen Schieflage gibt, in die die Stadtwerke wegen steigender Gaspreise und riskanter Geschäfte geraten sind, war nicht zu ermitteln. Für ein Gespräch war Udo Engel am Freitag nicht zu erreichen.

Bürgermeister Guhl bedauert Weggang

Bürgermeister Alexander Guhl, Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens, drückte sein Bedauern aus. "Gerade jetzt wäre Kontinuität gefragt gewesen, um die Stadtwerke gut aus ihrer aktuell finanziell schwierigen Situation zu führen", hieß es in einer Pressemitteilung. Der Gemeinderat hatte im Juli zugestimmt, dass die ohnehin hoch verschuldete Stadt einen Kredit in Höhe von 13 Millionen Euro aufnimmt. Elf Millionen davon erhalten die Stadtwerke. Mitgesellschafter Energiedienst, der 26 Prozent der Anteile an den Stadtwerken hält, schießt weitere 3,9 Millionen Euro zu, damit das Unternehmen nicht in die Pleite geht. "Udo Engel hat das Unternehmen auch in dieser angespannten Phase besonnen geführt und den Mitarbeitenden Sicherheit vermittelt", so Guhl. Dieser Einschätzung schließe sich Energiedienst an. Die Stadt Bad Säckingen hält 73,7 Prozent der Anteile am Unternehmen.

Zwar spielen steigende Preise im Großhandel mit Gas eine Rolle, warum die Stadtwerke so in die Schieflage geraten sind. Nach Recherchen der Badischen Zeitung stünden die Stadtwerke aber nicht so schlecht da, hätten sie in Zeiten vergleichsweise niedriger Preise längerfristige Verträge für den Einkauf von Gas geschlossen. Laut des Geschäftsberichts der Stadtwerke war zum Jahresende 2020 der Gasbedarf für 2022 nur zu 28 Prozent bereits vertraglich gesichert. Obwohl die Stadtwerke offenbar damals schon die Risiken steigender Einkaufspreise sahen, haben sie nicht gehandelt. Udo Engel leitete das Unternehmen seit dem 1. Februar 2021.

Udo Engel betonte, dass er sich in Bad Säckingen wohl gefühlt habe. Das Vertrauen, das ihm die Gesellschafterinnen, die Belegschaft und Arbeitnehmervertretung von Anfang an entgegengebracht hätten, wisse er sehr zu schätzen. "Ich hoffe auf Verständnis für meine Entscheidung, auch zu diesem Zeitpunkt", ließ er in einer Pressemitteilung verlauten.

Der dritte Geschäftsführer, der geht

Udo Engel ist der dritte Geschäftsführer innerhalb von vier Jahren, der die Stadtwerke verlässt. Im Juli 2018 ging Siegfried Pflüger, nachdem ihm der Aufsichtsrat wegen "unterschiedlicher Auffassungen" gekündigt hatte. Gegen seinen Nachfolger läuft ein Strafverfahren. Er steht im Verdacht, in seiner Zeit bei den Stadtwerken Bad Säckingen "Vermögensstraftaten" begangen zu haben. Ob eine Verbindung zur aktuellen Schieflage besteht, lässt sich nicht klären. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Aufsichtsratschef Alexander Guhl schweigen zu diesem Thema mit Verweis auf das laufende Verfahren. Gegen Geschäftsführer Udo Engel laufen keine Ermittlungen, betont die Staatsanwaltschaft.