Wärmenetz für Dietenbach

Badenova erhält die Konzession für Freiburgs neuen Stadtteil

Jens Kitzler

Von Jens Kitzler

Di, 27. September 2022 um 20:30 Uhr

Dietenbach

Neun Monate nach der Ausschreibung steht fest: Die Wärmeversorgung des neuen Stadtteils Dietenbach wird die Badenova-Tochter Wärmeplus übernehmen. Sie investiert 34 Millionen Euro.

Einen großen Teil des geplanten und umstrittenen Energiekonzepts für den Stadtteil benötigt sie gar nicht, weil sie Dietenbach an ihren geplanten Wärmeverbund Freiburg-West hängen will, rund 34 Millionen Euro will die Gesellschaft investieren.

Für 20 Jahre, ab 1.1.2027 gerechnet, hat Badenova jetzt die Konzession für die Wärmeversorgung des neuen Stadtteils. Auch wenn der kommunale Energieversorger dem Freiburger Rathaus nahesteht, sei es nicht selbstverständlich gewesen, dass er den Zuschlag bekommt, hieß es am Dienstag. "Es war ein knallharter Wettbewerb", sagt Klaus von Zahn, Chef des zuständigen Umweltschutzamts. Insgesamt hatten sieben Bewerber ihren Hut in den Ring geworfen. Sie mussten zahlreiche Parameter erfüllen, darunter den Wärmepreis für die künftigen Bewohner: Der sollte maximal bei zwölf Euro pro Quadratmeter und Jahr liegen. Und natürlich galt die Vorgabe, dass der Stadtteil klimaneutral wird.

Ein Netz für viele Stadtteile

Das will die Wärmeplus GmbH alles einhalten, indem sie Dietenbach an ihr sowieso geplantes Wärmeverbundnetz West anschließt. "Die Wärmeversorgung Dietenbachs geht dann in einem größeren Zusammenhang auf", so drückt es Umweltschutzamt-Chef von Zahn aus. In dem Verbund sollen bestehende Netze aus dem Industriegebiet Nord, aus Landwasser, Betzenhausen und Mooswald zusammengeführt und auf anliegende Stadtteile und tausende Haushalte ausgedehnt werden.

Die Wärme im Netz liefern, so der Plan, unter anderem die bestehende Energiezentrale Landwasser, die über Bio- und Deponiegas läuft, und das Kraftwerk von Cerdia im Industriegebiet Nord, dessen Abwärme schon jetzt das SC-Stadion beheizt. Auch Dietenbach soll künftig von diesen beiden Versorgern gewärmt werden – verbunden über eine Leitung, die über Lehen und das geplante Baugebiet Zinklern bis nach Dietenbach führt. Mit 48 Grad liefert Cerdia dafür zwar noch zu wenig Wärme, mittels Wärmepumpen will man das auf die geforderten 90 Grad hochschrauben. Bis 2026 und damit rechtzeitig zum Einzug der ersten Bewohner muss das Netz am Start sein. "Das wird eine Herausforderung", sagt Geschäftsführer Klaus Preiser.

Zentrale Bestandteile des ursprünglichen Energiekonzepts werden nicht benötigt

Die Wärmeplus-Lösung bedeutet, dass zentrale Bestandteile aus dem ursprünglichen Energiekonzept für Dietenbach gar nicht benötigt werden – und sie soll auch weniger Strom verbrauchen. Die umstrittene Wasserstoffproduktion aus dem Energiekonzept gehörte ohnehin nicht zur Ausschreibung.

Die im Energiekonzept vorgesehenen Grundwasser-Wärmepumpen wiederum will Wärmeplus trotzdem realisieren – nur sollen die fortan dazu beitragen, die Wärmeversorgung des benachbarten Rieselfeld von Gas und Öl zu befreien. Da geht es dann um die Klimaziele der Badenova AG: "Wir wollen bis 2035 klimaneutral sein", sagt Preiser. Für den Bau der Dietenbach-Wärmeversorgung rechnet er mit Investitionen in Höhe von 34 Millionen Euro.

Wärmepreis von 8,48 Euro je Quadratmeter und Jahr

Nach Berechnungen von Wärmeplus werden dann alle Kriterien aus der Ausschreibung erfüllt. Die mittleren CO2-Emissionen beispielsweise betrügen sogar nur 18,2 statt der geforderten maximal 74,1 Gramm pro Kilowattstunde. Und der Jahreswärmepreis liege bei 8,48 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche und damit ebenfalls niedriger als das von der Stadt gesetzte Limit von zwölf Euro.