Wärme aus dem Untergrund

Badenova hält an Geothermie-Plan für Region Freiburg fest

Bärbel Nückles und Max Schuler

Von Bärbel Nückles & Max Schuler

Di, 08. Dezember 2020 um 20:07 Uhr

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Bei Straßburg wird ein Geothermieprojekt nach mehreren kleineren Erdbeben durch die Behörden gestoppt. Doch in der Region Freiburg soll die Planung weitergehen.

Die Franzosen haben die Notbremse gezogen und ein Geothermie-Projekt in der Nähe von Straßburg gestoppt. Mehrere Erdbeben waren mit dem Geothermiekraftwerk in Verbindung gebracht worden – am vergangenen Freitag trat ein heftigeres auf. Das Ganze kommt für Badenova zur Unzeit. Denn gerade ist der Energie- und Wärmeversorger mit ersten Plänen für ein eigenes Geothermie-Projekt an die Öffentlichkeit getreten. An diesem will das Unternehmen auch festhalten.

Bürger zeigten sich besorgt

"Die in Straßburg angewandte Bohr- und Erkundungstechnik wäre bei uns gar nicht statthaft", sagt Badenova-Pressesprecher Roland Weis. Das in Straßburg angewandte Verfahren sei in Baden-Württemberg nicht zugelassen. "Insofern hat es für unser Vorhaben zunächst keine Relevanz, außer dass es natürlich die sachliche Information nicht leichter macht." Ein möglicher Standort wird zwischen Freiburg, Breisach und Müllheim gesucht. Das Thema Erdbeben wurde bei den Öffentlichkeitsbeteiligungen, die zuletzt zweimal in Form von Online-Formaten stattfanden, mehrfach von Bürgern angesprochen. Sie äußerten die Sorge, dass sich so etwas auch in Südbaden ereignen könnte, und stellten die Frage nach der Haftung für mögliche Schäden.

Badenova will andere Technik verwenden

Badenova betonte dabei stets, dass sich das eigene Projekt von der Technik her unterscheide – und man beispielsweise nicht so tief bohren müsse, wie das bei dem Werk in der Nähe von Straßburg der Fall sei. Dort werde Geothermie unter anderem auch zur Stromgewinnung eingesetzt. Bei dem Badenova-Projekt handle es sich um ein sogenanntes hydrothermales System. Dieses soll überwiegend das im Untergrund vorhandene warme bis heiße Wasser sowie die in Gesteinen gespeicherte Wärmeenergie nutzen. Im Anschluss werden über Wärmetauscher Nah- und Fernwärmenetze gespeist. Dies erklärte Birgit Müller vom Landesforschungszentrum für Geothermie (LFZG), die als Expertin bei den Bürgerbeteiligungen geladen war.

Für die nachhaltige Nutzung seien mindestens zwei Bohrungen erforderlich. Eine Förderbohrung, um das heiße Wasser an die Erdoberfläche zu bekommen, und eine sogenannte Injektionsbohrung, in der das abgekühlte Thermalwasser wieder in die Tiefe transportiert wird, so Müller. Bis zu drei Kilometer in die Tiefe könnten die Bohrungen gehen.

Experte schätzt Erdbebenrisiko weiter als gering ein

Frank Schilling, der Leiter des LFZG, schätzt das Erdbebenrisiko bei solchen hydrothermalen Systemen, wie sie der Energieversorger Badenova anstrebt, weiterhin als gering ein. Das teilte er der BZ am Dienstag auf Nachfrage mit. "Ich halte das baden-württembergische Vorgehen für zielführend, bei dem schon seit vielen Jahren vor Beginn des Bohrens zum seismischen Risiko eine gutachterliche Begleitung von Tiefbohrprojekten gefordert wird", sagt er. Aus diesem Grund seien in den vergangenen Jahren keine Bohrungen zur Geothermie ins Grundgebirge zugelassen worden. Um die drei leichteren Erdbeben bei Straßburg bewerten zu können, benötige es noch mehr Daten, teilt das LFZG mit.

In Bayern seien derzeit 18 Anlagen zur hydrothermalen Wärmegewinnung in Betrieb, die mit dem Badenova-Vorhaben vergleichbar seien. Weitere seien in Bau beziehungsweise in Planung. Gemäß der Energiestrategie der dortigen Stadtwerke solle München bis 2040 die erste deutsche Großstadt werden, in der Fernwärme zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gewonnen werde. Da es im städtischen Umfeld wenig regenerative Alternativen gebe, solle hierbei die tiefe Geothermie die Hauptlast übernehmen, teilt das LFZG mit.



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