Baumfällungen der DB

Bäume "wegrasiert": Stadt beschwert sich, Landratsamt sieht keine Verstöße

Sylvia Sredniawa

Von Sylvia Sredniawa

Do, 05. März 2020 um 17:54 Uhr

Waldkirch

Die Stadtverwaltung Waldkirch beschwert sich bei Bahn und Landratsamt – und verteidigt eigene Baumfällungen. Das Landratsamt sieht keine Verstöße gegen den Naturschutz.

WALDKIRCH. "Einzelne Fällungen von Bäumen entlang der gesamten Strecke lassen sich nicht ausschließen": So hatte es die Deutsche Bahn vor Beginn der Bauvorbereitung an der Elztalbahn öffentlich mitgeteilt. Nicht nur Bürger, sondern auch die Stadtverwaltung Waldkirch sind nun erschüttert über das Ausmaß an "wegrasierten" Bäumen und Sträuchern. Am Donnerstagnachmittag fand ein Vor-Ort-Termin mit dem Landratsamt statt. Das Ergebnis wird nicht allen gefallen: "Es gibt keine Anhaltspunkte für Verstöße gegen das Naturschutzgesetz."

Bahn verweist auf die Notwendigkeit

Nicht nur zwischen dem Bahnhofsgebäude von Waldkirch und dem Bahnübergang Heitere Weg steht kein einziger Baum mehr – dafür türmt sich dort jetzt Abrissmaterial. Im ganzen Elztal wurden rechts und links der Bahn zahlreiche Bäume und Sträucher abgesägt. Die DB begründet dies mit notwendigen Flächen für die Oberleitungsmasten, Sicherheitsabständen zur künftigen Oberleitung und dem Um- und Neubau von Bahnsteigen. Zwischen dem bisherigen Haltepunkt Batzenhäusle und dem Bahnhof Waldkirch wird dieses Jahr auch das komplette Gleis samt Unterbau ausgetauscht. Die Bahn, so hieß es gegenüber der BZ, habe die Maßnahmen mit den zuständigen Behörden und mit der umweltfachlichen Bauüberwachung abgestimmt. Unter anderem sei "mit der Stadt Waldkirch eine Ortsbegehung durchgeführt" und "quasi jeder Baum im Detail" betrachtet worden, heißt es von der DB Netz, Karlsruhe. Auch bezüglich der Arbeiten nach dem 1. März habe "eine Abstimmung/Genehmigung mit dem Landratsamt Emmendingen stattgefunden". "Wir verstehen, dass solche Eingriffe bei vielen Anwohnern eine große Betroffenheit auslösen können und natürlich auch Bedenken zur Notwendigkeit geäußert werden. Keinesfalls möchten wir aber, dass bei den Anwohnern der Eindruck entsteht, wir würden hier nicht mit entsprechender Sorgfalt und Sensibilität agieren beziehungsweise uns über rechtliche Bestimmungen hinwegsetzen."

Im Waldkircher Rathaus ist man sauer

Das sieht man im Waldkircher Rathaus ganz anders und hat sich beim Landratsamt Emmendingen – der Unteren Naturschutzbehörde – beschwert. "Entgegen anderslautender Behauptungen sind diese Maßnahmen nicht mit der Stadt abgestimmt", heißt es auf BZ-Anfrage. "Seitens der Stadt wurde die Genehmigung für die Fällung einzelner Bäume, vorwiegend im Bereich Haltepunkt Buchholz, erteilt. Alle anderen Fällungen sind nicht abgesprochen". Die DB beziehe sich hierbei auf den Planfeststellungsbeschluss. Die flächendeckenden Rodungsmaßnahmen sowie die Entfernung sämtlicher Sträucher bis auf Bodenniveau seien nicht nachvollziehbar.

"Keine Anhaltspunkte" für Verstöße gegen Naturschutz

Aufgrund der Beschwerde der Stadt beim Landratsamt fand am Donnerstagnachmittag eine Ortsbegehung mit der DB, Landratsamt, dem ökologischen Baubegleiter, Stadt und ZRF statt. Das Ergebnis teilte das Landratsamt im Anschluss mit: "Uns liegen keine Anhaltspunkte für Verstöße gegen das Naturschutzgesetz vor". Oft handelt es sich bei den Flächen um DB-eigene Grundstücke. Die Maßnahmen seien in Zusammenhang mit den Bauarbeiten an der Elztalbahn, einschließlich Flächen für die Baustelleneinrichtung, erlaubt. Die Bahn dürfe wegen der Stürme im Februar, deren Schadensbeseitigung auch im Breisgau-S-Bahn-Gebiet zunächst Vorrang hatte, noch bis einschließlich Samstag, 7. März, Bäume und Sträucher schneiden oder entfernen.

Stadtverwaltung verwahrt sich gegen Vorwürfe

In einer zweiten Mitteilung am Donnerstag verwahrte sich die in Sachen Baumfällungen auch selbst angegriffene Stadtverwaltung Waldkirch gegen die Aussagen von Alexander Schoch (BZ vom Vortag). Aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht versuche man immer zuerst durch aufwändige Pflegemaßnahmen die Vitalität der Stadtbäume zu erhalten. "Erst wenn es an der Standsicherheit erhebliche Zweifel gibt oder Bruchgefahr besteht, wird ein Baum gefällt", teilt die Stadtverwaltung mit. "Oft ist die Gefährdung der Standsicherheit für den Laien nicht sichtbar – auch nicht am Schnittbild bei der Fällung, sondern es sich die Wurzeln, die beispielsweise durch Pilze zersetzt sind". Unterstellungen, ein Gutachter behaupte, ein Baum müsse gefällt werden, weil die Stadt ihn bezahle, seien schon vor dem Hintergrund nicht nachvollziehbar, dass ihm die Entfernung von Bäumen die Geschäftsgrundlage entzieht. "Falls die Stadt trotz Gefährdung der Verkehrssicherheit einen Baum nicht fällt, ist der zuständige Mitarbeiter beziehungsweise seine Vorgesetzten persönlich haftbar für entstehende Sach- oder Personenschäden. Diese Verantwortung kann leider nicht an Leserbriefschreiber oder andere Interessenten abgegeben werden, sondern ist alleinige Zuständigkeit der Verwaltung", teilt das Rathaus mit.