Bangen um die Buchmesse

Sandra Trauner

Von Sandra Trauner (dpa)

Mi, 20. Mai 2020

Literatur & Vorträge

Der Börsenverein will Ende Mai eine Entscheidung treffen.

Falls die Frankfurter Buchmesse überhaupt stattfindet, wird sie anders sein. Aber wie? Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat angekündigt, Ende Mai über die mögliche Ausgestaltung der Messe zu entscheiden. "Im Moment kämpfen wir aktiv um die Frankfurter Buchmesse", sagt Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann. Die Meinung bei den Verlagen ist gespalten: Die einen hoffen, dass die Messe in abgespeckter Form stattfindet. Die anderen glauben, wenn internationale Aussteller nicht anreisen können und wenig Publikum kommen darf, mache sie keinen Sinn.

Mehr als 300 000 Besucher waren in den Vorjahren regelmäßig nach Frankfurt geströmt, fast 7500 Aussteller aus über 100 Ländern angereist, die Liste der Veranstaltungen war so dick wie ein Buch. Das weltgrößte Event für Bücher soll in diesem Jahr am Abend des 13. Oktober eröffnet werden und bis 18. Oktober dauern. Kurz vor der Entscheidung will sich bei der Buchmesse oder dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels niemand mehr öffentlich aus dem Fenster lehnen.

Viele Marktteilnehmer wollen die Frankfurter Buchmesse

Die Veranstalter gehen davon aus, dass auf jeden Fall auch im Oktober noch eine ganze Reihe an Einschränkungen für Veranstaltungen bestehen werden. Möglicherweise findet die Messe teilweise in den Hallen und teils im Internet statt. Denkbar wäre eine "Virtualisierung" zum Beispiel beim Rechtehandel oder bei gesellschaftspolitischen Diskussionen.

Schwierig ist die Situation auch für den Ehrengast Kanada. Die Idee, die eingeladenen Gastländer je um ein Jahr nach hinten zu verschieben, wird diskutiert. "Wir werden natürlich mit Anrufen und E-Mails überhäuft", sagte Börsenvereins-Vorsteherin Karin Schmidt-Friderichs der Frankfurter Rundschau. Es gebe "einen wahnsinnigen Durst nach der Buchmesse. Viele Marktteilnehmer wollen sie." Klar sei schon jetzt: "Die übliche drangvolle Enge in den Messehallen wird es nicht geben." Oberbürgermeister Feldmann schlägt vor, mit zusätzlicher Fläche mehr Abstand zu ermöglichen. Diese Flächen würden der Buchmesse nicht zusätzlich in Rechnung gestellt. "Damit nehmen wir der Buchmesse ein Stück des Risikos ab." Für die Stadt ist die Buchmesse ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Laut des Hotel-Branchenblatts aghz lag 2019 der durchschnittliche Zimmerpreis bei 221 Euro, die Auslastung der Hotels bei 80 Prozent. Davon wird man 2020 nur träumen können.