BZ-Telefonaktion

Bei der Geldanlage ist die richtige Mischung entscheidend

Manfred Frank

Von Manfred Frank

Fr, 06. November 2020 um 19:22 Uhr

Wirtschaft

Corona-Pandemie und Niedrigzinsen – was sollen Anleger unter solchen Umständen tun? Bei einer BZ-Telefonaktion standen Experten des Bundesverbands deutscher Banken Rede und Antwort.

Aktien kaufen, in Immobilien investieren oder auf Gold setzen? Die Unsicherheit ist derzeit besonders groß. Bei einer Telefonaktion der Badischen Zeitung zum Thema Geldanlage beantworteten die Experten Kerstin Altendorf, Dirk Schiele, Pascal Sebastian und Kristof Staiger vom Bundesverband deutscher Banken Leserinnen und Lesern ihre Fragen.

Frage: Ich habe vor drei Jahren mein Geschäft verkauft und den Erlös in internationale Aktien und Fonds angelegt, außerdem habe ich offene Immobilienfonds und festverzinsliche Wertpapiere. Der Wert meines Aktien- und Fondsdepots sinkt. Soll ich lieber umschichten?
Das raten die Experten: Wichtig ist, breit gestreut und gut strukturiert anzulegen – das scheint bei Ihnen so zu sein. Schwankungen am Aktienmarkt sind normal, gerade auch in der Corona-Krise. Kleinere Verluste sollten kein Grund für einen frühzeitigen Verkauf sein, wenn das Geld weiterhin langfristig zur Verfügung steht. Prüfen Sie mit Ihrem Anlageberater die Qualität und Trends in Ihrem Depot. Wichtig ist, ob die Titel eine positive Entwicklung erwarten lassen. Klären Sie, ob Ihre Depotstruktur noch mit Ihrer Anlagestrategie übereinstimmt.

Frage: Für meinen fünfjährigen Enkel möchte ich einmalig etwa 18 000 Euro langfristig anlegen. Was raten Sie mir?
Das raten die Experten: Da Sie einen Anlagezeitraum von über zehn Jahren haben, kommen breit gestreute Aktienfonds in Frage. Aktienfonds investieren in viele Aktien, verteilen so das Risiko und haben auf lange Sicht bessere Renditechancen als Anlagen im festverzinslichen Bereich. Aktienfonds können allerdings im Wert stark schwanken, das sollten Sie aushalten können. Da es schwierig ist, den richtigen Zeitpunkt für den Einstieg zu finden, empfiehlt es sich, nach und nach Teilbeträge anzulegen: etwa drei Monatsraten zu je 6000 Euro oder über sechs Monate je 3000 Euro.

Frage: Ich möchte 100 000 Euro anlegen. Ich habe bereits Aktienfonds, Einzelaktien und einen Aktien-Fondssparplan, alles von deutschen Unternehmen. Weitere Rücklagen und ein abbezahltes Eigenheim sind vorhanden. Was meinen Sie?
Das raten die Experten: Wenn Sie das Geld mittel- bis langfristig anlegen können, scheint eine weitere Anlage in Wertpapiere sinnvoll. Da Sie stark in deutsche Werte angelegt haben, würde ich zusätzlich einen weltweit anlegenden Aktienfonds empfehlen. So streuen Sie breiter und erhöhen Ihre Chancen. Sprechen Sie mit Ihrem Berater vor Ort auch über die kostengünstigeren ETF ("Exchange Traded Funds" sind Investmentfonds, die beispielsweise einen Aktienindex wie den Dax nachbilden. d. Red.)

Frage: Ich habe mehr als 100 000 Euro bei einer Bank liegen. Ich benötige das Geld in absehbarer Zeit, daher kommt eine langfristige Anlage nicht infrage. Wie ist das mit der Einlagensicherung?
Das raten die Experten: Pro Einleger und Bank sind Einlagen bis 100 000 Euro in Deutschland durch die gesetzliche Einlagensicherung abgesichert. Darüber hinaus gehören etwa viele private Banken dem Einlagensicherungsfonds an, bei Sparkassen und Volksbanken sind durch die Institutssicherung höhere Beträge abgedeckt. Informieren Sie sich unter http://www.bankenverband.de/einlagensicherung und fragen Sie auch bei Ihrer Bank genau nach.

Frage: Ich möchte gerne Geld anlegen – wie finde ich den richtigen Berater?
Das raten die Experten: Überlegen Sie sich gründlich, was Ihnen dabei wichtig ist und wie lange Sie das Geld anlegen wollen. Dann lassen Sie sich von verschiedenen Banken und Beratern unverbindlich beraten. Bei einer guten Beratung werden Sie nach Ihren Wünschen, Plänen und Zielen gefragt. Der Berater erarbeitet mit Ihnen eine Anlagestrategie, bei der es auch um Ihre Risikobereitschaft und Erfahrungen mit Wertpapieren geht. Sie sollten umfassend über Chancen, Risiken und Kosten informiert werden. Wenn Sie etwas nicht verstehen, fragen Sie nach. Sie bekommen eine Empfehlung, die Sie mitnehmen dürfen und so in aller Ruhe zu Hause entscheiden können. Nehmen Sie sich Zeit – Anlage und Berater müssen zu Ihnen passen.

Frage: Welchen Einfluss haben die Wahlen in Amerika auf die Aktienkurse?
Das raten die Experten: Wichtig ist, dass die Unsicherheit schnell weicht und wir bald ein klares Ergebnis haben. Unklarheit tut der Wirtschaft und den Finanzmärkten nicht gut. Der Amtsantritt ist im Januar, eine mögliche Belastung der Kurse würde sich also eher kurzfristig auswirken. Historisch betrachtet hat es für die Aktienkurse bislang langfristig kaum eine Rolle gespielt, ob der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten Republikaner oder Demokrat war.

Frage: Ich habe einen größeren Betrag auf dem Tagesgeldkonto, den ich zu besseren Konditionen für sechs bis zwölf Monate anlegen möchte. Danach brauche ich das Geld für eine neue Heizung.
Das raten die Experten: Die Zinsen bei den Banken unterscheiden sich kaum, daher könnten Sie das Geld einfach auf dem Tagesgeldkonto belassen. Alternativ könnten Sie bei Internet-Vergleichsportalen die Bank mit den besten Festgeld-Konditionen für Neukunden ermitteln. Erwarten Sie aber in Negativzins-Zeiten keine großen Zinssprünge.

Frage: Ich möchte gerne in Aktien anlegen. Was muss ich beachten?
Das raten die Experten: Sie sollten auf eine breite Streuung achten. Alles auf ein Unternehmen zu setzen, wäre hoch spekulativ und sehr riskant. Eine weltweite, branchenübergreifende Verteilung mindert das Verlustrisiko. Das lässt sich auch gut mit entsprechenden Aktienfonds oder ETF erreichen. Wenn Sie einen langfristigen Anlagehorizont und die nötige Risikobereitschaft haben, sollten Sie sich von Kursschwankungen nicht verunsichern lassen. Also nicht kurzfristig, sondern auf Jahre hinaus denken. Wichtig ist, dass Sie neben einer breit gestreuten Aktienanlage über weiteres liquides Vermögen verfügen.

Frage: Ich habe unerwartet eine große Summe geerbt. Welche Anlage ist die beste?
Das raten die Experten: Das hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Zunächst sollten Sie Schulden und Kredite tilgen. Für eine Anlage ist relevant, wie lange Sie das Geld anlegen können, wie risikobereit Sie sind und welche Ersparnisse Sie haben. Die richtige Mischung verschiedener Anlagen ist wichtig. Und wer Rendite erzielen möchte, kommt angesichts der anhaltenden Negativzinspolitik an einer Aktienbeimischung kaum vorbei. Zudem sollte für Notfälle aber immer ein schnell verfügbarer Notgroschen in Höhe mehrerer Monatseinkommen bereitstehen.