Bei "Didi Offensiv" in Basel wird Fußballkultur gepflegt

Kathrin Ganter

Von Kathrin Ganter

Mi, 19. Juni 2019 um 10:00 Uhr

Basel

Fußball gucken und fachsimpeln: "Didi Offensiv" im Kleinbasel ist ein Treffpunkt für alle Freunde der gepflegten Fußballkultur. Am Donnerstag startet dort ein kleines Festival.

Es ist ein kleiner Ort der Fußballglücksseligkeit, wo große philosophische Diskussionen geführt oder Spiele in familiäre Atmosphäre geschaut werden können. Seit fast fünf Jahren gib es "Didi Offensiv" am Erasmusplatz in Basel. Eine fußballbegeisterte Familie hat sich dort einen Traum erfüllt und startet nun die Kulturreihe "Das andere Sommermärchen".

Um zu wissen, was Didi Offensiv bedeutet, muss man schon ziemlich eingefleischter FC Basel-Fan sein: Claude "Didi" Andrey brachte den Club 1994 als Trainer zurück in die Nationalliga A – mit einer äußerst defensiven Spielweise. Die Fans bedankten sich mit dem liebevoll-ironischen Fangesang: "Didi offensiv, Shalalalala". Damit ist auch klar, für welchen Verein das Herz in der Fußballkneipe Didi Offensiv am heftigsten pocht. Doch es ist kein klassischer FCB-Treffpunkt. Bei "Didi Offensiv" sind Fans aller Vereine willkommen, erklärt Benedikt Pfister. Es ist eine Familienangelegenheit: Pfisters Brüder Lukas und Raphael sowie seine Lebensgefährtin Katherine Wildman sind Gesellschafter.

Weit weg vom tumben Klischeefußballfan

Nach ungefähr einem halben Jahr Suche wurden sie im "Restaurant zum Erasmus" fündig und eröffneten die Kneipe im Oktober 2014 als Quartiersbeiz und Fußballbar. "Das Quartier ist sehr wichtig für uns, wir sind hier in Kleinbasel aufgewachsen, passen hier her und fühlen uns sehr wohl", sagt Benedikt Pfister. Unter der Regie von Raphael Pfister als Wirt betrieben sie die Kneipe anfangs alleine, mittlerweile arbeiten zahlreiche Aushilfen mit. Während die Fußballkneipe unter der Woche erst ab abends geöffnet ist, bietet dort mittags ein Koch afghanische Tagesmenüs an. "Wir wollten den Raum optimal nutzen, etwas fürs Quartier anbieten und zeigen, dass wir offen sind für alle", erklärt Pfister.

Offenheit ist ein Wort, das öfter fällt, wenn man sich mit Benedikt Pfister unterhält. Mit dem tumben, bierwampigen Klischeefußballfan hat er nichts gemein. "Wir haben hier ein vielseitig interessiertes Publikum, das gerne über Fußball redet", nennt er das verbindende Element. Obwohl je nach Spielen das Publikum variiere. Da sind natürlich die Basel-Fans bei den Schweizer Liga-Matches. Die Bundesligaübertragungen schätzen viele Deutsche, die in Basel arbeiten. Und Champions League oder die Topspiele aus England und Spanien, die lassen sich echte Fußballbegeisterte ohnehin nicht entgehen. Wird mal nicht gekickt, gibt es Pub-Quiz oder Jass-Turniere.

Am Ende fiebert man doch wieder mit

Und Kultur: Mehrmals jährlich werden Vorträge, Lesungen und Talks angeboten. Das sei eigentlich der Ausgangspunkt der ganzen Idee gewesen, erklärt Benedikt Pfister. Aber von Fußballkultur allein kann man nicht leben, und so wurde gleich das ganze Paket geschnürt. Nun startet das erste Festival im "Didi Offensiv" unter dem Titel "Das andere Sommermärchen – Fußball, Minderheiten und Tabus" . "Wir wollten Themen, die nicht Mainstream sind."
Das andere Sommermärchen

Die Fußballkulturbar Didi Offensiv veranstaltet vom 20. bis 28. Juni das Festival "Das andere Sommermärchen – Fußball, Minderheiten und Tabus".
"Anpfiff in Kurdistan – Wie wir einmal fast Weltmeister wurden", Filmvorführung und Talk am Donnerstag, 20. Juni, 20 Uhr. Die Filmmacher Nicole Bruhin und Simon A. Keller begleiteten einige Bündner Kicker, den FA Raetia, an den Viva Worldcup 2012, die Weltmeisterschaft für Regions- und Volksauswahlen und Länder, die nicht Mitglied bei der FIFA sind.
"Hoppaud, Herr Jud! Von jüdischen Fußballvereinen, Juden im Fußball und Judenclubs", Vortrag von Professor Erik Petry, dem stellvertretenden Leiter des Zentrums für jüdische Studien an der Uni Basel, am Mittwoch, 26. Juni, 20 Uhr.
"Lara Dickenmann liebt Fußball und Frauen", Filmvorführung und Talk am Freitag, 28. Juni, 20 Uhr. Lara Dickenmann ist die erfolgreichste Nati-Spielerin der Schweiz und homosexuell.

Zur Fußballkultur gehört für Benedikt Pfister auch die Auseinandersetzung mit Themen wie der zunehmenden Kommerzialisierung im Fußball, Endspiele in Aserbaidschan oder Weltmeisterschaften in Katar oder die Entwicklung der Fankultur. Benedikt Pfister stellt ein verstärktes Interesse an hintergründigen Themen fest und kennt auch die kritischen Sichtweisen. Aber trotz allem: "Die Freude am Sport hält die Menschen dabei", sagt Pfister. "Wenn ein Spiel erstmal angepfiffen ist, dann fiebert man doch wieder mit."

Fußball, das heißt eben auch, sich kindliche Begeisterung zu bewahren. Und so überrascht es nicht, dass sich noch eine andere Veranstaltung im"Didi Offensiv" mittlerweile etabliert hat: Zum dritten Mal findet kommenden Sonntag die Fußballsammlerbörse statt. Zehn Standbetreiber bieten alles, was das Fanherz höher schlagen lässt – vom Bildli über den Schal bis zum Trikot.
Termin: Fußballsammlerbörse bei "Didi Offensiv", Sonntag, 23. Juni, 10 bis 16 Uhr. Alle weiteren Infos gibt es auf der Homepage von "Didi Offensiv".