Bei Pfarrfasnet geht’s majestätisch zu

Rahel Schneider

Von Rahel Schneider

Di, 18. Februar 2020

Freiburg

In Hochdorfs Pfarrer-Meybrunn-Haus sorgt Pfarrer Joachim Koffler erst als Schulmädchen für Stimmung und dann als Queen Elisabeth II.

FREIBURG-HOCHDORF. Hochrangigen Besuch hatte die Festgemeinde der Hochdorfer Pfarrfasnet: Die Queen alias Pfarrer Joachim Koffler traf in den heiligen Hallen des Pfarrer-Meybrunn-Hauses ein und versetzte das Publikum in majestätische Euphorie. Auch vor seinem Auftritt als Elisabeth II. hatte Koffler seine weibliche Seite nicht verleugnet: Im ersten Teil der Party war er nämlich Teil eines Schulmädchen-Quintetts. Zwischen den närrischen Beiträgen wurde viel geschunkelt und getanzt zur Musik von Keyboardspieler und Sänger "Holger van den Tasten".

"Irgendwann sind wir da reingeschlittert – und da kommt man nicht mehr so schnell raus", sagt Andreas Gut im Kuhkostüm hinter der Theke. Er ist Teil des fünfköpfigen Küchenteams, das traditionell für die Versorgung der rund 100 Gäste sorgt. Ihm gefällt sein Ehrenamt, denn hinter der Theke hat man den besten Ausblick auf die Bühne und den gesamten Festsaal. Tatkräftig zur Seite stehen ihm zwei Kellnerinnen im Sportlerlook: mit Handtuch über den Schultern und Turnschuhen balancieren sie die vollen Tabletts durch die tanzfreudige Menge. Die Speisekarte hat das Orga-Team zusammengestellt – samt selbst zubereiteter Suppe und Dip. Hinter den Kulissen wirbelt Organisatorin Margit Maiwald, die in den vergangenen fünf Jahren nebenbei meist noch einen närrischen Beitrag geleistet hat. Diesmal steht sie dem Moderator im Clownskostüm, Ludger Strump, zur Seite und schickt die Schausteller pünktlich auf das Parkett. Für Stimmung sorgt dort unter anderem ein grießgrämiger Hausmeister, gespielt vom Vorsitzenden des Musikvereins Markus Bourquin. Er nennt sich lieber "Facility Manager" und folgt gerne dem Rat seines Doktors: Er solle doch mal 14 Tage in die Sonne gehen. Das habe er auch gemacht, außer montags: "Da hat die Sonne zu, da bin ich dann zum Hirschen gegangen". Und wie es sich für eine zünftige Pfarrfasnet gehört, hebt er sein Glas in die Höhe und fordert die Gäste auf: "Trinke fest und arbeitsscheu, aber bleib der Kirche treu!" Die sechs "schrillen Hochdorfer Frauen", allesamt frühere Sandkastenfreundinnen, bringen ein aktuell heiß diskutiertes Thema zu dem Songtext von "Seasons in the Sun" auf den Punkt. Dort heißt es in einer Strophe: "Du bist als Mann echt ein Granat, aber zwischen uns steht’s Zölibat". Damit ernten sie den bisher größten Applaus des Abends.

Doch auch regionale Nahverkehrsthemen werden angesprochen. So erzählt Monika Pastore mit viel Sarkasmus aus dem Leben einer älteren Dame – etwa über die Fahrscheinkontrolle im Zug, als sie der Schaffner auf ihren Kinderfahrschein anspricht. Dem entgegnet sie nur trocken: "Da sehn sie ja, wie lange ich auf den Zug gewartet habe!"

Zwischen den Beiträgen füllt sich die Tanzfläche und ganze Bienenschwärme tanzen mit Cowboys, Piraten und Indianern um die Wette. Team-Outfits stehen bei den Hochdorfern in diesem Jahr hoch im Kurs. So weiß man schon von Weitem, wo der Partner sich gerade aufhält. Die 65-jährige Susan Schmid und ihr Mann kommen als japanisches Pärchen – traditionell bekleidet mit Bambus-Kegelhut und Kimono.

Lauter als der Applaus für den Pfarrer ist nur die Droli-Band

Den krönenden Abschluss bildet dann Pfarrer Koffler, der mit Kleidchen und Handtasche zu den Klängen der britischen Nationalhymne erscheint. In feinstem Deutsch-Englisch reimt die Queen of Hochdorf: "I came here von ganz weit draußen, in German language nach Hochdorf-Benzhausen". Schuld sei der Brexit, denn "der Boris Johnson hat ’ne Meise, drum mach ich ’ne Europa-Reise". Lauter als sein Applaus ist nur noch die Droli-Band, die im Anschluss als Überraschungsbesuch auch noch die letzten Quadratzentimeter des Saals füllt. Mit der Guggenmusik und den vielen Einlagen des Allround-Musikers "Holger van den Tasten" wird es ein langer Abend für die muntere Festgesellschaft. Andreas Gut vom Küchenteam weiß: "Zwischen drei und vier Uhr gehen die letzten Gäste – aber ganz zum Schluss gehen wir".