Beim Material nicht höchstes Niveau

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Fr, 04. Dezember 2020

Biathlon

Die Biathleten Benedikt Doll und Roman Rees verlieren beim zweiten Weltcupsprint in Kontiolahti massiv Zeit auf der ersten Runde.

. "Biathlon ist ein schwieriger Sport", sagt der Norweger Tarjei Boe angesprochen auf den 15. Platz im ersten Weltcupsprint von Kontiolahti (Finnland) und seinen Sieg im zweiten Sprint über zehn Kilometer an gleicher Stelle. Wie weit das Leistungsspektrum bei ein und derselben Person in diesem Sport auseinanderklappen kann, zeigt sich auch bei Benedikt Doll. In den ersten beiden Weltcuprennen blieb er hinter seinen Möglichkeiten zurück (29./32.), gestern im Sprint demonstrierte er jedoch wieder, zu welchen Leistungen er fähig ist: Rang acht im Weltcup-Weltklassefeld und zweitbester Deutscher hinter Arnd Peiffer (WSV Clausthal-Zellerfeld), der sich keinen Schießfehler leistete und mit 13,9 Sekunden Rückstand auf Tarjei Boe Zweiter wurde.

Benedikt Doll: "Irgendwie war der Anfang komisch"

Nach dem Weltcupauftakt hatte Benedikt Doll mit sich, seinem Skimaterial und den tiefen Streckenverhältnissen gehadert. Zusammen mit den Technikern widmete er sich noch einmal dem Ski. "Wir haben Strukturtests gemacht, wir haben da viel Zeit reingesteckt", sagt der 30-Jährige, "ich glaube, wir sind auf einem guten Weg". Der Biathlet der Ski-Zunft Breitnau ist es auch. "Die Null beim Stehendschießen hat mich gepusht, auf der Schlussrunde konnte ich mich richtig auspowern. Ich bin glücklich, dass es dieses Mal für eine Topplatzierung gereicht hat", sagt Doll, der beim Liegendschießen eine Scheibe verfehlt hatte. Knackpunkt war jedoch die erste Laufrunde: "Irgendwie war der Anfang komisch, ich habe gemerkt, dass ich Sekunden verliere". Sein Gefühl trog ihn nicht: Auf den ersten 3,3 Kilometern läuft er nur die 28. Zeit. Erst in der dritten Runde war er dann mit der 4. Zeit in jener Region unterwegs, in der man ihn vermutet.

Er wähnt sich auf einem guten Weg, am Ziel ist Benedikt Doll aber noch nicht. Die 17. Skatingzeit zeigt, dass er auch in seine Laufform noch Arbeit reinstecken muss. Der Laufschnellste an diesem Tag, der Schwede Martin Ponsiluoma, verfehlte beim Schießen drei Scheiben, musste in der Strafrunde 300 Meter mehr zurücklegen als der Schwarzwälder, und liegt im Schlussklassement als Neunter nur 1,1 Sekunden zurück.

Roman Rees vom SV Schauinsland muss in den Weltcuprennen über das Schießen kommen, das bedeutet, er muss die Grundlage für ein gutes Biathlon-Gesamtresultat am Schießstand legen, weil er im Laufen nicht zu den Schnellsten zählt. "Es ist ein bisschen schade, dass ich bisher in jedem Wettkampf einen Fehler zu viel geschossen habe", sagt Rees, "mein Stehendanschlag ist momentan etwas unruhig, beim Fehler heute hatte ich so einen Zucker drin." Von zehn Scheiben räumte der 27-Jährige im zweiten Sprint von Kontiolahti neun ab. Der dritte Schuss stehend verfehlte das Ziel, er musste eine Strafrunde absolvieren. In Addition mit der 38. Laufzeit ergab das den 27. Platz, von den sechs deutschen Startern ist er der viertbeste. "Eigentlich fühle ich mich beim Laufen gut, ich kann eine konstante Geschwindigkeit laufen. Es ist aber einfach unfassbar, wie viel Zeit ich zu Beginn des Rennens gegenüber den Besten verliere", sagt Rees. Er läuft beim Ski das gleiche Fabrikat wie Benedikt Doll, auch der hat anfangs viel Zeit verloren. "Mal davon abgesehen, dass die Strecke unterirdisch präpariert ist, haben wir beim Material ein Strukturproblem, da sind wir derzeit nicht auf dem allerhöchsten Niveau", sagt Rees.

Er hat sich als 27. des Sprints für die Verfolgung der besten 60 qualifiziert (Samstag, 13.20 Uhr) und geht mit einem Rückstand von 1:23,9 Minuten ins Rennen. 50,9 Sekunden sind es bei Benedikt Doll. Spannend ist die Frage, ob Rees von den Trainern für das erste Weltcup-Staffelrennen der Saison am Sonntag (12.45 Uhr) nominiert wird. Aufgrund der bisherigen Leistungen dürften Eric Lesser (Eintracht Frankenhain), Arnd Peiffer und Benedikt Doll gesetzt sein. Wer ist der vierte Mann: Johannes Kühn (Reit im Winkl) oder Roman Rees? Für Rees spricht seine Zuverlässigkeit beim Schießen, gegen ihn, dass er beim Skaten Zeit auf die Besten verliert. Für Kühn spricht seine Laufstärke, allerdings hat er gelegentlich ein Problem beim Stehendschießen, das jederzeit akut auftreten kann.

Wird Janina Hettich in der Frauenstaffel eingesetzt?

Bei leichtem Schneefall und etwas Wind wurde gestern Abend in Kontiolahti auch der Weltcupsprint der Frauen ausgetragen. Janina Hettich vom SC Schönwald ging mit der hohen Startnummer 78 ins Rennen über 7,5 Kilometer mit einer Liegend- und Stehend-Schießeinlage. Auch bei ihr summierten sich von Anfang die Zeitrückstände. Beim Liegendschießen schaffte sie die Null, das Zeithandicap betrug jedoch schon eine Minute auf die Schnellsten. Stehend verfehlte sie eine Scheibe, musste 150 Extrameter in der Strafrunde absolvieren und ging als 36. auf die Schlussrunde. Auf den letzten 2,5 Kilometern gab sie drei Plätze ab und reihte sich als 39. ins Klassement ein. Bei der 24-jährigen Schwarzwälderin stellt sich dieselbe Frage wie bei Rees: Wird sie in der Staffel (Samstag, 15.15 Uhr) eingesetzt? Hettich oder Maren Hammerschmidt (SK Winterberg) – das ist wohl die Frage.