Österlich

Beim Weiler Erzählforum drehte sich alles ums Ei

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Sa, 20. April 2019 um 07:00 Uhr

Weil am Rhein

Berührende Märchen und Ostergeschichten: Die Weiler Erzähler widmen ihr jüngstes Forum dem universalen Fruchtbarkeitssymbol – dem Ei.

Alles drehte sich ums Ei beim jüngsten Erzählforum im Kesselhaus. Passend zur Osterzeit hatten sich die Weiler Erzähler Geschichten über goldene Eier, Hühner, Hähne und bunte Küken ausgesucht. Auch über Osterbräuche wurde einiges erzählt. Da es in dieser Jubiläumsreihe zum 20-jährigen Bestehen der Gruppe immer Kulinarisches passend zu den Themen gibt, konnten die Besucher in der Pause leckere Eierspeisen genießen.

Zunächst hatte Brigitte Wittkämper Wissenswertes über die Symbolik von Ei, Huhn und Hahn zusammengetragen, vom mythischen Weltenei bis zum Ei des Kolumbus. Schon in frühen Kulturen, etwa bei den Indern und Ägyptern, habe das Ei als Quelle des Lebens und Sinnbild der Schöpfung gegolten. In der Mythologie gelte es auch als Symbol für Fruchtbarkeit. Die Frage, was zuerst war, das Ei oder das Huhn, werde wohl nie ganz geklärt.

Eier gefärbt, um sie auseinanderzuhalten

Aber vom Huhn sei im Mythos viel seltener die Rede als vom Ei, so Wittkämper. Der Hahn wurde in manchen Kulturen als heiliges Tier verehrt, das vor bösen Mächten und Unheil schützen sollte. In der Fastenzeit, so Wittkämper, durften keine Eier gegessen werden. So wurden in der Karwoche Eier gekocht und gefärbt, um sie haltbar zu machen und von frischen Eiern unterscheiden zu können.

Susanna Döring, die im Wechsel mit Wittkämper den Abend gestaltete, trug ein Märchen aus dem Kaukasus vor. Darin ging es um zwei arme Leute, deren einziger Besitz eine Henne war. Als sie diese schlachten wollten, legte die Henne ein goldenes Ei und verschwand. Auf der Suche nach der Henne gelangte der Mann zu einer alten Frau in einer Hütte, die ihm einen klapprigen Gaul mitgab, der die leckersten Speisen herbeizaubern konnte, dann eine Ziege, die Goldstücke hervorbrachte. Ein anderes Märchen, das Döring erzählte, stammte aus Tirol. In dieser rätselhaften Fabel durfte sich ein armes Pflegekind in einer Hütte drei Eier aussuchen, aus denen ein Krug, ein Wagen mit Kutsche und ein Kästchen mit Gold herauskamen, als Lohn für die Herzensgüte des Mädchens.

Regula brütet bunte Küken aus

Mit historischen Fabeln über goldene Eier zog Brigitte Wittkämper in lebhaftem schauspielerischem Erzählstil in Bann. In einer Geschichte ging es sogar um einen Hahn, der in seinem Stall jede Nacht ein goldglänzendes Ei legte. Der Hahn wurde an einen Bankdirektor verkauft, der ihn in einen Tresor sperrte, dann an einen Millionär, der ihn in einem goldenen Käfig gefangen hielt. Doch der eingesperrte Wunderhahn brachte keine goldenen Eier mehr hervor. Wer immer gieriger wird, verliert am Ende das, was er hat, war die Moral dieser lehrreichen Geschichten. Auch die Tierfabel aus einem fernen Land über die Küken in den Eiern, die durch Tanzen aus den Schalen schlüpfen, hatte einen eigenen Zauber.

Besonders humorvoll und anrührend war die Ostergeschichte "Die Henne Regula und ihre Küken" der aus Weil am Rhein stammenden Kinder- und Jugendbuchautorin Bettina Obrecht, die Wittkämper am Schluss des ersten Teils vorstellte. Besagte Henne Regula, die keine Eier legen kann, bittet eines Tages den Osterhasen, der gerade am Eierfärben ist, um ein paar Eier, um diese auszubrüten. Sie brütet rote, gelbe, blaue und grüne Küken aus, die auf dem Hühnerhof großes Aufsehen erregen. Regula und ihre bunten Küken bilden schließlich eine glückliche Familie.

Im zweiten Teil ermunterte Ute Delatorre die Zuhörerinnen, eigene Erfahrungen, Erlebnisse und Erinnerungen zum Thema Ostern, Eier, Hühner beizutragen. Delatorre wusste aus eigener Erfahrung, dass das Hühnerhalten gar nicht so leicht ist.

Das Ei im Schrank sollte Glück bringen

Eine Besucherin erinnerte sich, dass früher bei ihr zu Hause an Karfreitag ein Ei in den Schrank gelegt wurde, das dann das ganze Jahr dort blieb, um Glück zu bringen. Brigitte Wittkämper erinnerte sich mit Schaudern daran, wie sie schon als Kind lernen musste, wie man ein Huhn rupft und ausnimmt. Eine auf dem Land lebende Zuhörerin berichtete von einem Hahn, der früh um fünf so laut krähte, dass ein Nachbar einen Anwalt einschaltete. Eine Frau, deren Mutter aus Schlesien stammt, erzählte vom traditionellen Rezept der Soleier, die immer zu Ostern zubereitet werden in einem Sud mit Salz, Kümmel, Zwiebeln. Eine andere Besucherin, die aus Ostfriesland kommt, wusste von dortigen Osterfeuern zu berichten. Eine Besucherin aus Franken verwies auf den schönen Brauch der Osterbrunnen, bei dem die Brunnen aufwendig geschmückt werden. Auch auf den Brauch des Eierspringens am Eichener See wurde hingewiesen, wo Teilnehmer mit Schuhcreme und Saubloodere die Eier bewachen und verteidigen.

Zur Erheiterung wurde noch Loriots köstlicher Sketch gespielt, bei dem sich ein Ehepaar am Tisch um das Viereinhalb-Minuten-Frühstücksei zankt: "Bertha, das Ei ist hart". Also ein wunderbar buntes Allerlei ums Ei.