Kolonialismus

Benin-Bronzen: Baden-Württemberg macht Weg für Rückgaben frei

dpa

Von dpa

Mi, 21. Juli 2021 um 17:14 Uhr

Kunst

Das Stuttgarter Linden-Museum erhält den Auftrag, Skulpturen und Reliefs für eine Rückgabe zu identifizieren und mit Nigeria zu sprechen. Damit sieht sich das Land als Vorreiter in Deutschland.

Baden-Württemberg will aus dem ehemaligen Königreich Benin geraubte Bronzen an Nigeria zurückgeben. Das Stuttgarter Linden-Museum erhält den Auftrag, konkrete Skulpturen und Reliefs für eine Rückgabe zu identifizieren und in Gespräche mit der nigerianischen Seite einzutreten. Das Kunstministerium teilte am Mittwoch mit, Baden-Württemberg habe damit als erstes Bundesland den Weg für die Rückgaben frei gemacht und setze die in der Benin-Erklärung getroffene Verabredung zum Umgang mit den Bronzen in deutschen Museen um.

"Die Spuren des Kolonialismus finden sich in den musealen Sammlungen des Landes, hier gibt es zahlreiche Kulturgüter, die in kolonialem Kontext zu Unrecht erworben wurden", sagte Kunstministerin Theresia Bauer am Mittwoch (Grüne). Vor kurzem hatte das Land auch Objekte an Namibia zurückgegeben.

Auch die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen besitzen etwa 30 Objekte, die wahrscheinlich aus Benin stammen. Im Bestand des Linden-Museums befinden sich 78 Objekte aus dem ehemaligen Königreich Benin, darunter 64 Bronzen. Die Herkunft dieser Objekte ist laut Ministerium nicht in allen Fällen vollumfänglich aufklärbar. Aber man müsse davon ausgehen, dass diese zumindest weit überwiegend im Jahr 1897 während einer britischen Strafexpedition aus dem Palast des Königshauses Benin geraubt und anschließend zur Refinanzierung der Militäraktion versteigert wurden. Das Linden-Museum hat den größten Teil seiner Objekte aus Benin bereits 1899 in Berlin erworben.

In Mannheim gehören zu den fraglichen Objekten Skulpturenköpfe, Reliefplatten, Glocken, Gefäße und Waffen. Elfenbeinstoßzähne und Holzobjekte seien ebenso im Kontext der Plünderungen zu sehen, so das Museum. Die Objekte gelangten größtenteils in den 1920er Jahren durch Ankauf nach Mannheim, einige auch durch den staatlich angeordneten Ringtausch mit Karlsruhe von 1935. Um die Provenienz ihrer Bestände zum Königtum Benin erforschen zu können, haben die Reiss-Engelhorn-Museen beim Deutschen Zentrum Kulturgutverluste einen Forschungsantrag gestellt – auch, um mehr Personal zu bekommen.