Umweltbelastung

Bergbaukonzern saniert "Kalimandscharo" in Buggingen

Sophia Hesser und Max Schuler

Von Sophia Hesser & Max Schuler

Mi, 09. Dezember 2020 um 20:00 Uhr

Buggingen

Regnet es, werden Salze aus der Kali-Abraumhalde ausgeschwemmt und belasten das Grundwasser. Jetzt muss sie der Besitzer sanieren. Die Arbeiten müssen in den nächsten acht Jahren fertig sein.

Die im Volksmund als "Kalimandscharo" bezeichnete Abraumhalde bei Buggingen muss saniert werden – und zwar vom Bergbaukonzern K+S. Nach jahrelangen Diskussionen, einem Rechtsstreit und viel Protest von Umweltschützern wurde eine Vereinbarung unterzeichnet. Die Kosten werden auf drei bis vier Millionen Euro geschätzt. In Buggingen wurde einst Kalisalz abgebaut. Von der Abraumhalde des Bergwerks sickert jetzt Salz ins Grundwasser. "Der Salzberg ist eines der größten südbadischen Grundwasserprobleme", teilt der BUND mit.

"Das Bergbauunternehmen K+S wird die Kalihalde in Buggingen zur Verhinderung weiterer Salzeinträge in das Grundwasser mit einer vollständigen Abdeckung sanieren", heißt es in einer Pressemitteilung. Darauf hätten sich das Unternehmen und das Land Baden-Württemberg, vertreten durch das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald, in einer Vereinbarung geeinigt. K+S geht derzeit davon aus, dass im nächsten Jahr mit der Sanierung begonnen werden kann. Durch die vollständige Abdeckung der Halde solle verhindert werden, dass bei Regenfällen Salz aus der Halde geschwemmt werde. Die Kosten trage der Konzern komplett allein.

Acht Jahre hat der Konzern für Sanierung maximal Zeit

Bei der Sanierung soll die Kalihalde mit meterdicken erdähnlichen Schichten abgedeckt werden. Diese werden dann begrünt, erklärt Ulrich Göbel, Sprecher von K+S auf BZ-Anfrage. Bei ähnlichen Projekten habe man zunächst dafür gesorgt, dass Gras auf den Halden wächst und einige Pflanzen anwachsen. Auch durch Samenflug und Tiere, die Samen anschleppen, soll so eine standortangepasste Vegetation mit Stauden, niedrigen Gehölzen und Büschen entstehen. Diese Pflanzen sollen dafür sorgen, dass Regenwasser gar nicht erst bis zum Steinsalz vordringen kann, sondern vorher von ihnen aufgenommen wird, erklärt Göbel. "Der Berg sieht dann nicht anders aus als bisher, nur grüner", stellt er klar.

Ein Ausflugsziel wird die Halde nicht

Wann die Sanierung beendet sein wird und wie es dann mit der Halde, die noch im Besitz von K+S ist, weitergeht, könne man noch nicht klar sagen. Klar sei aber, dass die Kalihalde nicht zum Ausflugsziel werden würde, sondern ein naturnaher Rückzugsort für Tier und Pflanzen sein soll. Das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald teilt mit, dass die Sanierung nach Vertragsunterzeichnung innerhalb der nächsten acht Jahre abgeschlossen sein müsse.

"Wichtig ist die Entlastung des Grundwassers, die jetzt in greifbare Nähe gerückt ist", ergänzt Gereon Jochmaring, der bei K+S für die Betreuung der Altstandorte zuständig ist. Das Unternehmen ist die Rechtsnachfolgerin der einstigen Bergwerksbetreiber in Buggingen und wurde darum zur Sanierung herangezogen. K+S betont, dass die Sanierung auf freiwilliger Basis geschehe, um weitere Diskussionen zu vermeiden."Die jetzige Unterzeichnung der Vereinbarung ist ein großer Fortschritt für den Grundwasserschutz", sagt Landrätin Dorothea Störr-Ritter. Auch Buggingens Bürgermeister Johannes Ackermann begrüßt das Vorgehen.

BUND hatte bereits 1997 Anzeige erstattet

Der BUND Südlicher Oberrhein hatte nach eigenen Angaben bereits 1997 Anzeige gegen K+S erstattet aufgrund der Grundwasserproblematik. "Das jetzige Übereinkommen ist ein viel zu später Teilerfolg und ein Erfolg kontinuierlichen Drucks", sagt Axel Mayer, der früher Geschäftsführer beim BUND war. Seit 2008 sei klar, dass der Bergbaukonzern K+S auf eigene Kosten sanieren müsse. Doch seither habe es Dauerverhandlungen gegeben. Zwischenzeitlich seien pro Tag 2,5 Tonnen Salz in das Grundwasser gelangt. "Wenn es jetzt heißt: K+S übernimmt mit der Vereinbarung freiwillig die Verantwortung für die Folgen des mehr als 50 Jahre dauernden Abbaubetriebs, dann ist das doch mehr als beschönigend", sagt Mayer. Er freue sich, betont aber, dass ein Fortschritt für das Grundwasser erst erzielt sei, wenn die Sanierung abgeschlossen ist.
Kalihalde Buggingen

Zwischen 1922 bis zur Stilllegung am 30. April 1973 wurden in Buggingen in einem Bergwerk über drei Schächte aus einer Tiefe von rund 800 Metern flächenhaft Kalisalze abgebaut. Die bei der Produktion anfallenden salzhaltigen Reststoffe wurden über Tage auf einer Halde des Betriebsgeländes abgelagert und blieben nach Auflösung und Nachnutzung des Betriebsgeländes am Rande des heutigen Gewerbegebiets von Buggingen als markanter Hügel zurück. Die Halde bedecke eine Fläche von drei Hektar und habe eine Höhe von etwa 40 Metern. Das Umweltamt im Regierungspräsidium Freiburg teilt mit, dass täglich 1,6 Tonnen an Salz, genauer gesagt Natriumchlorid, von dieser Halde ins Grundwasser gelangen. Der BUND geht sogar von 2,5 Tonnen pro Tag aus. Damit werden die gesetzlichen Grenzwerte laut Umweltamt deutlich überschritten. "Dieser Austrag ins Grundwasser würde sich in den nächsten Jahrzehnten, wenn die Halde nicht abgedeckt werden würde, nur sehr langsam reduzieren",sagt Sprecherin Heike Spannagel vom Regierungspräsidium. Die Kiese und Sande des südlichen Oberrheingrabens, zu denen auch der Grundwasserleiter im Umfeld der Halde Buggingen gehört, stellen allerdings einen Trinkwasserspeicher von überregionaler Bedeutung dar. Dieser sei daher besonders schützenswert.