Deutscher Alpenverein

Berghütten haben ein Problem mit Bettwanzen

dpa

Von dpa

Fr, 12. Juli 2019 um 20:30 Uhr

Panorama

Sie sind nur Millimeter groß aber fiese Plagegeister – Bettwanzen werden weltweit zum Problem. Auch Berghütten sind betroffen und die Hüttenwirte suchen nach kreativen Lösungen.

Ein lustiger Käfer? Nein. Bettwanzen sind fiese Plagegeister, die sich immer mehr auch in Deutschland ausbreiten. Betroffen sind unter anderem auch Berghütten des Deutschen Alpenvereins. Die Hüttenwirte gehen mit kreativen Methoden gegen die Krabbler vor.
Erklär’s mir: Was sind Bettwanzen?

Erst mal Mikrowelle. Wer auf dem Weg zur Zugspitze an der Knorrhütte ankommt und dort vor dem Anstieg auf Deutschlands höchsten Berg übernachten möchte, muss seinen Hüttenschlafsack am Eingang in das Küchengerät stecken: 30 Sekunden bei 600 Watt. Denn im Schlafsack reisen gelegentlich ungebetene Gäste mit: Bettwanzen. Auch Nachbarhütten haben solche Geräte angeschafft. Nicht nur im Zugspitzgebiet, sondern auch im Kaisergebirge, im Allgäu und in Österreich hatten sich die Plagegeister in der Vergangenheit in einigen Unterkünften des Deutschen Alpenvereins (DAV) eingenistet. Nun verstärken die Wirte ihre Maßnahmen.

"Der Bergwandertourismus hat zugenommen – und damit die Möglichkeit der Verbreitung von Bettwanzen", sagt Thomas Gesell, Hüttenreferent der DAV-Sektion München. Der Hüttenschlafsack sei der Übertragungsweg Nummer eins; zu 70 Prozent würden die Tiere darüber eingeschleppt. Die Mikrowelle habe sich bewährt. Das sei sinnvoll und gut zu handhaben, "und die Gäste nehmen das an."

Teils basteln Wirte an Bettgestellen Fallen aus Doppelklebestreifen, damit die Blutsauger hängen bleiben, wenn sie nächtens aus ihren Verstecken krabbeln, um sich an die Schlafenden heranzumachen. Manche Wirte lassen Wanzenspürhunde durch die Schlafräume schnüffeln.

Ein Hund inspizierte gerade die Jamtalhütte bei Galtür in Österreich. "Wir haben letzten Sommer Wanzen bekommen", sagt Hüttenwirt Gottlieb Lorenz. Eingeschleppt aus einer Nachbarhütte. "Wir haben das ganze Haus behandelt und dann Ruhe gehabt den ganzen Winter – und haben jetzt festgestellt, dass wir in zwei Zimmern schon wieder Wanzen haben."

Erst am 30. Juni hat Lorenz für die Sommersaison eröffnet. Nun heißt es wieder: "Fußleisten weg, Löcher in Holzwände bohren, Steckdosen wegschrauben." Damit der Kammerjäger die Tiere in Ritzen und unter Leisten erwischt. Dreimal wird der Experte kommen: Einmal gleich, dann nach zwei Wochen und nochmals nach weiteren zwei Wochen.

Alexander Egger, Wirt des Anton-Karg-Hauses im Kaiser-Gebiet schwört auf "Bug Bags", Säcke, in denen Rucksäcke samt Schlafsack und Kleidung außerhalb der Schlafräume bleiben. Gerade in gebrauchter Wäsche sitzen Wanzen gern. "Was sie anlockt, ist Schweiß." Er verheißt die Nähe eines Menschen – und sein Blut. Gäste bekommen von Egger einen frischen Hüttenschlafsack. "Wir haben große Waschmaschinen, in denen wir die Schlafsäcke jeden Tag waschen." Auf abgelegenen Hütten wäre dieser Aufwand freilich undenkbar.

Die DAV-Sektion Garmisch-Partenkirchen hat gerade teilweise ihre Decken ausgewechselt: statt Braun oder rötlich jetzt hellblau. "Blutflecken sieht man da besser", sagt Toni Bräckle, zuständig für Hütten bei der Sektion. Auch die ein bis acht Millimeter großen Tiere sind besser zu erkennen, die Decken sind zu 50 Prozent aus Polyester und werden bei bis zu 60 Grad gewaschen. Den 30-Grad-Waschgang einer Wolldecke kann eine Wanze schon mal überleben. Diese Decken seien zwar wärmer, aber auch kratzig, sagt Bräckle. "Das mag heutzutage sowieso niemand mehr."

Unterkünfte weltweit kämpfen mit der Plage. "Seit den 1990er Jahren beobachtet man weltweit eine Zunahme dieser Wanzen", sagt die Biologin und Schädlingsexpertin beim Umweltbundesamt, Carola Kuhn. "Die wesentliche Ursache für die Zunahme wird darin gesehen, dass sie resistent gegen Wirkstoffe und deshalb schwerer zu bekämpfen sind "

Bettwanzen hätten nichts mit Hygienemängeln zu tun, so Kuhn. Günstige Absteigen seien genauso betroffen wie teure Hotels. "Das Problem ist, dass sie häufig gar nicht in Decken sitzen, sondern hinter Leisten oder in Ritzen. Da können Sie putzen, wie sie wollen – da kommen Sie gar nicht dran." Dennoch gebe es eine gute Nachricht: Bislang gebe es keine Hinweise, dass sie Krankheiten übertragen.