Bestens aufeinander abgestimmt

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

Di, 22. Oktober 2019

Staufen

Trio Willmann-Huber-Heidepriem bei "Jazz Kultur in der Zunftscheuer" in Staufen.

STAUFEN. Mit der Zunftscheuer im Jägergässle ist Staufen um einen tollen Konzertraum reicher. Und zur Fortsetzung der im Frühjahr begonnenen Konzertreihe "Jazz Kultur in der Zunftscheuer" begeisterte das Trio Willmann-Huber-Heidepriem die Zuhörer mit sensiblen polyphonen Klängen, filigranen und packenden Rhythmen und überraschenden Soli.

Für den Saxophonisten Fabian Willmann war es bereits das zweite Konzert in der Zunftscheuer, beim Eröffnungskonzert des großen Konzertraums im Obergeschoss im Mai war er bereits zusammen mit Matthias Stich und Nico Hutter im Bassklarinettentrio "Bois Noirs" aufgetreten. Jetzt zeigte der vielseitige Musiker, der erst am Vortag von einer Musikreise aus Uganda zurückgekommen war, dass er im Alter von 27 Jahren schon ein wahrhaftiger Meister seines Instrumentes ist. Der aus Gundelfingen stammende Musiker studierte am Jazzcampus in Basel und als Stipendiat ein Jahr lang bei bekannten Saxophonisten an der New York University. Erst seit einem Jahr spielt er mit Arne Huber am Bass und Drummer Michael Heidepriem zusammen.

Die drei präsentieren ein ausgewogenes Programm, mal ruhiger, mal fetziger, immer bestens aufeinander abgestimmt. Die meisten Stücke sind selbst geschrieben, entweder von Fabian Willmann oder von Arne Huber. Arne Hubers "Wales" beginnt mit geerdeten Bassfiguren, steigert sich im Zusammenspiel und vermittelt musikalisch die Sanftheit und Kraft der größten Säugetiere der Erde. Gemeinsam weben die drei Musiker einen farbenfrohen Klangteppich, aus dem neben packenden Soli überraschend immer wieder gemeinsame Melodien ertönen.

Fabian Willmann beherrscht das Tenorsaxophon von der tiefsten Lage bis in die höchsten Altissimo-Register, hat alle modernen Spieltechniken im Repertoire und eine überbordende Phantasie. Charmant führt er durchs Programm, erzählt die Entstehungsgeschichten der Werke. Das Stück "Murmuration" beispielsweise, das während seines USA-Aufenthaltes entstand, wurde durch einen Vogelschwarm inspiriert. Bassist Arne Huber ist Lehrer am Jazzcampus Basel, unglaublich, was er aus seinem Instrument rausholt, manchmal klingt dieses wie eine menschliche Stimme. Drummer Michael Heidepriem, Enkel der Freiburger Jazz-Legende Waldi Heidepriem, überzeugt als hellwacher und hoch konzentrierter Schlagzeuger. Mit Stöcken und Besen erschafft er fein ziselierte und sensible Rhythmen und trägt entscheidend zum kammermusikalischen Gesamtklang bei. Selbst bei Jazzstandards wie "Airegin" von Sonny Rollins, den Fabian Willmann als sein großes Vorbild beschrieb, oder dem Blues-Klassiker "Blue Monk" von Thelonious Monk klingt das Trio frisch und unverbraucht und fernab von jeglichen Jazz-Klischees.

Ein feiner Jazzabend, zu dem auch die schöne Atmosphäre des Konzertraums in der Zunftscheuer und die Möglichkeit zum Austausch mit den Musikern und anderen Konzertbesuchern in der Bar im Erdgeschoss beiträgt.

Weitere Jazzkonzerte in der Zunftscheuer:

Samstag, 2. November, 20 Uhr, Animata, Duo, Jazz/Electronica, Sarah Buechi und Christoph Haberer

Samstag, 9. November, 20 Uhr, Tuyala, Quartett um die deutsch-kongolesische Sängerin Lisa Tuyala

Kartenvorverkauf bei Babayaga Spielzeug, Hauptstraße 45, Staufen