Bildsprache, die ohne Farbe auskommt

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Mo, 22. Juni 2020

Lahr

Hans-Jörg Krämer, früherer Sulzer Arzt, zeigt seine Arbeiten als Fotograf in Galerie L’art pour Lahr.

. Das mit der Schwarz-Weiß-Fotografie nimmt Hans-Jörg Krämer wörtlich. Die Bilder, die er derzeit in der Galerie des Kunstvereins L’art pour Lahr in der Obertorstraße ausstellt, haben keine Graustufen. Dass dennoch Graustufen entstehen können, liegt an der Verteilung der Farbpunkte.

Hinter all dem steckt Einiges an digitalem Aufwand und eine jahrelange Beschäftigung mit den grafischen Strukturen von Landschaft, Natur und Architektur. Richtig Zeit für sein Hobby Fotografie hat Hans-Jörg Krämer allerdings erst, seit er 2013 als Sulzer Hausarzt in den Ruhestand gegangen ist. Doch die – inzwischen digitalisierte – Diasammlung beweist, dass er sich von Jugend an mit dem Fotografieren befasst hat. 2010 befand er, dass die Digitalfotografie ein technisches Niveau erreicht hat, das ihm ermöglicht, seine Faszination für die Intensität des maximalen Kontrasts und der Reduktion in Bilder umzusetzen. Zu sehen sind Mohnblüten, Tulpen und Wilde Möhren im Gegenlicht, Blicke auf Baumreihen und Buhnen, auf Hausfassaden und aus Zugfenstern heraus. Ob auf dem Langenhard oder auf Rügen, in Portugal, Ägypten oder Frankreich, im Centre Pompidou oder bei der Landesgartenschau in Lahr – überall findet Krämer Motive, die sich zur Bearbeitung geradezu anbieten.

Geschlossenheit und Strenge in der Ausstellung

Zusammen mit dem stets klug gewählten Bildausschnitt entwickeln die schwarz-weißen Fotografien eine künstlerische Bildsprache, die sie in Farbe wohl nicht hätten. Genau diesen Effekt hatte Krämer schon als Jugendlicher auf einem Plattencover der Chanson-Sängerin Marie Laforêt entdeckt. Zusammen mit der Beschränkung auf wenige Formate ergibt sich in der Ausstellung eine gewisse Strenge und Geschlossenheit, die aber durch die zuweilen geradezu federleichten Motive aufgelockert wird.

Die Ausstellung wurde ohne Vernissage eröffnet, doch schon am ersten Tag kamen zahlreiche Kunst-Interessierte vorbei. Da Hans-Jörg Krämer die Aufsicht zu den Öffnungszeiten der Galerie jeweils selbst führen wird, haben Besucher viel Gelegenheit, sich mit ihm über seine Kunst auszutauschen.

Info: Hans-Jörg Krämer: Schwarz-Weiß-Fotografie. Galerie L’art pour Lahr, Obertorstraße 4. Geöffnet bis 17. Juli: donnerstags 17 bis 19 und samstags 11 bis 15 Uhr.