Blasmusiker stemmen sich gegen Vereinssterben

kna

Von kna

Fr, 08. März 2019

Staufen

BDB in Staufen gründet Online-Initiative / Spiel- und Orchestergemeinschaften verzerren die Statistik.

STAUFEN (epd). Der Bund Deutscher Blasmusikverbände (BDB) in Staufen hat eine Initiative gegen das Vereinssterben im ländlichen Raum gestartet. Da der Untergang von Vereinen auch die Blasmusik erfasst habe, soll jetzt über die Internetseite http://www.notruf-verein.de Hilfe vermittelt werden, teilte der BDB in Staufen mit. Allein im BDB hätten sich in den vergangenen Jahren 23 Vereine von rund 1100 Mitgliedsvereinen aufgelöst. Das sei jedoch "nur die Spitze des Eisberges". Denn bisher erfasse keine Statistik, dass viele Vereine nur noch formal eigenständig blieben. Sie gingen mit Nachbarvereinen Spiel- und Orchestergemeinschaften ein, um weiter spielfähig zu bleiben. Auf dem Papier ändere sich so die Anzahl der Vereine kaum, in der Realität schrumpfe aber die Zahl der Orchester.

Ursachen seien unter anderem ein gesellschaftlicher Wandel, Veränderungen in der Schullandschaft und im Freizeitverhalten. Verbandsverantwortliche hätten beispielsweise schon bei der Einführung des achtjährigen Gymnasiums gewarnt, was heute massiv in der Nachwuchsarbeit spürbar sei: der "G8-Knick". Gymnasiasten haben neben der Schule jetzt weniger Zeit für die Mitarbeit in Vereinen.

Der BDB lobte den baden-württembergischen Dialogprozess Kultur 2030, in dem es um die Rahmenbedingungen für Kulturvereine geht. Akut gefährdete Vereine bräuchten jedoch schnellere Hilfe, hieß es. Über die Vereinsnotruf-Homepage können Vereinsverantwortliche mitteilen, "wo der Schuh drückt". BDB-Verantwortliche werden dann gemeinsam mit ihnen Hilfskonzepte erarbeiten, verspricht der Verband. Der BDB hat derzeit nach eigenen Angaben rund 200 000 Mitglieder in rund 1100 Mitgliedsvereinen und 16 Mitgliedsverbänden in Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz.