Blick ins Ungewisse

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 15. März 2020

Handball 2. Bundesliga

Der Spielbetrieb ruht: Zu Besuch bei den Zweitliga-Handballerinnen der HSG Freiburg.

Die Corona-Krise legt auch den Spielbetrieb in der zweiten Handball-Liga der Frauen lahm. Wie geht’s überhaupt weiter? Zu Besuch bei den abstiegsbedrohten Handballerinnen der HSG Freiburg.

Wie bewertet man eine Saison, deren Ausgang man nicht kennt? "Es ist schon eine verrückte Situation", sagt HSG-Trainer Ralf Wiggenhauser. Acht Spieltage vor Schluss ist für die Red Sparrows der HSG Freiburg noch vieles im Fluss und ungeklärt. Zum Wochenschluss hatte der Handball-Ligaverbund angekündigt, dass der aktuelle Spieltag ausgesetzt wird. Offiziell hätten die Freiburger Wurfkünstlerinnen noch acht Spieltage zu absolvieren. Ob die Runde aber zu Ende gespielt wird, bleibt fraglich. "Es ist natürlich schade", sagt die stellvertretende HSG-Vorsitzende Julia Söhne, "wir würden gerne noch zeigen, was wir können." Die Red Sparrows stecken im Abstiegskampf. Durch ein jahresübergreifendes Leistungstief seit vergangenen November haben sie sich in eine missliche Lage manövriert. "Wenn man aus 15 Spielen nur zwei Siege holt, dann wird es eben eng", sagt Wiggenhauser.

Gerade in den engen Spielen gegen die Konkurrenz kam die HSG zuletzt zu selten zu Zählbarem. 26:28 gegen den 13. Wuppertal, 20:24 gegen den 14. Bremen, 21:24 gegen den 12. Kirchhof und 23:35 gegen Schlusslicht Solingen – die Freiburgerinnen haben alle Big-Point-Spiele verloren. Das Ergebnis: Die Handballerinnen sind auf den zweitletzten, den 15. Platz, abgerutscht. Die Konkurrentinnen aus Bremen und Wuppertal sind auf drei Punkte enteilt. Vor allem weil die Red Sparrows die direkten Duelle verloren haben.

"Wir müssen schon auch gestehen, dass wir an unsere Grenzen gekommen sind", findet Wiggenhauser. Die aktuelle Situation ist für den langjährigen HSG-Cheftrainer so etwas wie eine verspätete Erkenntnis: "Wir sind jetzt da, wo wir uns vor der Saison erwartet hatten." Zuvor aber hatte der langjährige Drittligist in seiner Premierensaison den Klassenunterschied vergessen gemacht. Die Breisgauerinnen starteten furios und standen lange souverän über dem Strich – weit entfernt von der Abstiegszone. Dabei trotzten die Spielerinnen und Verantwortlichen mit einer gehörigen Portion Einfallsreichtum den strukturellen Nachteilen gegenüber den betuchten Konkurrenten. "Teilweise haben wir nur 20 Prozent von deren Etats", sagt Wiggenhauser.

Beispiel gefällig? Zum Auswärtswochenende in Ostdeutschland fuhren die Wurfkünstlerinnen mit Neunsitzern und übernachteten in der leerstehenden Wohnung der Großeltern von Torfrau Lena Fischer. Berlin und die dänische Grenze erreichten sie mit dem ICE. Anstatt ins Hotel ging’s im Anschluss in die Jugendherberge. Not macht erfinderisch.

Verletzungspech und Unerfahrenheit

Eine Mischung aus Verletzungspech und Unerfahrenheit aber hat den Lauf des Aufsteigers durchbrochen und in die aktuelle Bredouille manövriert. Zwischenzeitlich fehlten dem Zweitligisten in Rebecca Dürr, Angelika Makelko, Maja Zeides, Lena Fischer, Christiane Baum und Denise Schwaiger gleich sieben Spielerinnen. "Irgendwann lässt da dann auch die Qualität im Training nach", sagt der Trainer. "Die Konkurrenz im Abstiegskampf hat auf so etwas mit Nachverpflichtungen und Trainerwechseln reagiert.

Das konnten wir nicht", sagt Söhne. Und ihr Coach ergänzt: "Da sieht man dann, dass unsere Gegnerinnen in engen Situationen Spielerinnen auf dem Feld haben, die den Laden zusammenhalten." Für die kommenden acht Spiele hatten sie sich in Freiburg deshalb viel vorgenommen. Julia Söhne hat zuletzt verbesserte Elemente ausgemacht:

"Da haben wir in den vergangenen Wochen ein wenig die Kurve bekommen."

Ob die Saison nun vorzeitig beendet wird und wie mit etwaigen Auf- und Abstiegen umgegangen wird, ist offen. Schlimm ist das für die HSG indes nicht. "Wir sind auf beide Ligen vorbereitet", sagt Wiggenhauser, der vor einer Vertragsverlängerung für die kommende Spielzeit steht.

Erstmals seit langem wird das Team der HSG in großen Teilen zusammenbleiben. "Egal ob zweite oder dritte Liga – aus diesem Jahr werden wir viel gelernt haben", findet der Trainer. Mehr Zuversicht geht kaum. Gerade in Zeiten von Spielabsagen und Saisonabbrüchen.