BLÜTENLESE: Das Mühsame

Victoria Langelott

Von Victoria Langelott

Sa, 02. Januar 2021

Efringen-Kirchen

Was hat das Jahr mit uns gemacht? Unbemerkt und doch wirkmächtig hat es unsere Wahrnehmung verändert. Fotos vom Winzerfest Efringen-Kirchen lassen heute schaudern. Meine Güte, wie nah wir da beieinander hockten, schunkelten, gar lauthals sangen. Die Frage ist: Kriegen wir dieses Schaudern je wieder los? Oder müssen wir fortan damit leben, in jedem Gegenüber ein Ansteckungsrisiko, uns selbst nur als Gefahr für andere zu sehen?

Das Verbotene

Ein Mann meldete der BZ-Redaktion in dieser Woche ein Gedränge an einem Schlittenhang oben in Malsburg-Marzell. Die Polizei hatte er schon angerufen, die fühle sich aber nicht zuständig. Der Mann hatte natürlich Recht, in Baden-Württemberg ist derzeit Sport und Bewegung auch in freier Natur "nur allein, mit Angehörigen des eigenen Haushalts oder nur mit einer weiteren, nicht im selben Haushalt lebenden Person erlaubt". Aber … das Verbot macht dennoch traurig.

Das Rettende

Wer kannte bisher den Dichter Friedrich Hölderlin (1770-1843)? Jetzt kennen viele immerhin einen Satz von ihm: "Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch." Wie wahr das ist, empfand ich zum Jahresende bei vielen Gesprächen, die ich mit Menschen aus dem Rebland oder aus dem Kandertal führte. Das seltsame Jahr hat uns bisherige Gewissheiten hinterfragen lassen, auf Wesentliches gestoßen und auch Kreativität und Kampfesgeist geweckt. Und so gibt es an der Schwelle zu 2021 zwar auch Bangen, aber mehr noch Hoffnung und Zuversicht.