Verbote und Schutzbrillen

Böller und Feuerwerk gehören nicht überall zu Silvester dazu

dpa

Von dpa

Mo, 30. Dezember 2019 um 18:14 Uhr

Südwest

Schutzbrillen, Verbote und öffentliche Lichtshows: Während in Deutschland die Debatte um ein böllerfreies Silvester voll im Gang ist, sind andere Länder schon einen Schritt weiter.

USA
Wer Silvester in New York feiern will, sollte seine Böller zuhause lassen: In der US-Ostküstenmetropole sind ausnahmslos alle Arten von privatem Feuerwerk verboten. Kracher genauso wie Raketen. Trotzdem müssen die New Yorker auf ein Feuerwerk nicht verzichten, denn es gibt mehrere offizielle in der Stadt. Zentrum der Silvesternacht ist natürlich wie jedes Jahr die Party am Times Square.

Frankreich
Die Franzosen haben zum Jahresende weniger Interesse an Böllerei – den größten Teil ihres Pulvers verschießen sie bereits am 14. Juli zum französischen Nationalfeiertag. In Frankreichs Hauptstadt Paris gilt an Silvester sogar ein absolutes Feuerwerk-Verbot für den Privatgebrauch. Dort treffen sich Pariser – und vor allem Touristen – auf der Prachtstraße Champs-Élysées, um mit einer Lichtershow und einem von der Stadt organisierten Feuerwerk am Arc de Triomphe in das neue Jahr zu feiern.

Südafrika
In Südafrika ist das Abbrennen von Feuerwerk auf öffentlichen Plätzen nur unter strengen Auflagen erlaubt. In der Touristenmetropole Kapstadt stehen deshalb eher Partys, Cocktails und Konzerte auf dem Programm. Die Stadtverwaltung reagierte mit ihrem Verbot nach eigenen Angaben auf Beschwerden von Anwohnern und Tierschützern und wies keine genehmigten Startplätze für Feuerwerk mehr aus.

Allerdings dürften die angedrohten Strafen mit 200 Rands (knapp 13 Euro) überschaubar in ihrer abschreckenden Wirkung sein.

Tschechien
Der zentrale Wenzelsplatz in der tschechischen Hauptstadt Prag verwandelt sich an Silvester jedes Jahr zu einem regelrechten Böller-Schlachtfeld. Das Zünden von privatem Feuerwerk ist dort am 31. Dezember und 1. Januar erlaubt. Tausende Feiernde werden erwartet. Die Einsatzkräfte richten sich mit Sanitätszelten auf die Party ein. Ein weiteres Spektakel fällt dieses Jahr allerdings flach: Das traditionelle Höhenfeuerwerk am Neujahrstag wird aus Kostengründen durch ein Videomapping, also eine Art Lichtshow, ersetzt.

Arabische Welt
Auch im arabischen Raum wird an Silvester gern mit Feuerwerk gezündelt, allerdings nicht immer legal. In Ägypten werden Böller und Raketen mit Sprengstoff gleichgesetzt – Herstellung, Besitz und Einfuhr ohne Lizenz sind verboten. Im Irak und in Jordanien ist Böllern im Privaten untersagt, im Libanon ist der Gebrauch dagegen im Umfeld des eigenen Hauses erlaubt. Das mit Abstand spektakulärste Feuerwerk in der Region steigt am höchsten Wolkenkratzer der Welt: dem 828 Meter hohen Burj Khalifa im Golfemirat Dubai.

Dänemark
Viele Dänen haben am Silvesterabend ein ungewöhnliches Utensil bei sich: eine Schutzbrille, wie sie Schüler aus dem Chemie-Unterricht kennen. Damit schützen sie sich vor Raketenüberresten, die vom Himmel fallen können. Selbst die zuständige Behörde Sikkerhedsstyrelsen rät: "Benutzt immer Schutzbrillen!" Feuerwerk darf vom 27. Dezember bis zum 1. Januar abgefeuert werden. Böller und Raketen aus dem Ausland sind für Privatleute tabu – auch aus Deutschland.

Norwegen
Der Neujahrsnacht blickt die Feuerwehr in Norwegen nervös entgegen. Dort sind viele Wohnhäuser aus Holz gebaut – wenn da eines in Brand gerät, springt das Feuer schnell über. Deshalb sind Raketen an langen Holzstäben in Norwegen verboten. In einigen Stadtteilen in Oslo, Bergen, Stavanger und Trondheim, in denen viele alte Holzhäuser stehen, ist Feuerwerk sogar generell untersagt.

Russland
Wer in Russland sein eigenes Feuerwerk zünden möchte, darf das an Silvester ausnahmsweise die ganze Nacht tun. Auch an allen anderen Tagen im Jahr darf geknallt werden – allerdings nur bis 23 Uhr. Das schreibt ein Gesetz vor, das Lärm in der Nacht verbietet. An Silvester gibt es in der Hauptstadt Moskau an vielen Orten ein öffentlich organisiertes Feuerwerk, zum Beispiel am Roten Platz.

Niederlande
Für die meisten Niederländer gehört Feuerwerk zu Silvester wie die Farbe Oranje zum Fußball. Doch auch bei unseren Nachbarn richten immer mehr Kommunen Feuerwerk-freie Zonen ein etwa rund um Altersheime oder Streichelzoos. Die Stadt Apeldoorn verhängte als erste Kommune des Landes sogar ein totales Feuerwerk-Verbot ab dem Jahreswechsel 2020-2021.

Österreich
Die fünftgrößte Stadt Österreichs Innsbruck verzichtet zum Jahreswechsel erstmals auf ein innerstädtisches Feuerwerk. Der Bürgermeister drängte den Handel zuletzt, auf den Verkauf von Feuerwerkskörpern zu Silvester zu verzichten. Stattdessen will die Stadt das neue Jahr mit einer Nebel-, Wasser- und Lichtshow begrüßen.