"Kirchenälteste bedeutet nicht alt zu sein"

Stefan Limberger-Andris

Von Stefan Limberger-Andris

Do, 14. November 2019

Bonndorf

BZ-INTERVIEW mit Pfarrerin Ina Geib und Pfarrer Mathias Geib von der Kirchengemeinde Bonndorf-Wutach.

BONNDORF (BZ). Es stehen Wahlen zum Kirchenältestenrat der evangelischen Gemeinde Bonndorf-Wutach an. Stefan Limberger-Andris unterhielt sich mit Pfarrerin Ina Geib und Pfarrer Mathias Geib über die Bedeutung dieses Amtes und ob es schwierig ist, Menschen hierfür zu begeistern.

BZ: Wie gut sind Gemeindeversammlungen allgemein in Bonndorf besucht? Wie viel davon gibt es in einem Jahr?
Ina Geib: Pro Jahr gibt es eine Gemeindeversammlung. Hier wird über die Arbeit des Kirchengemeinderats informiert, über die Finanzen der Kirchengemeinde. Jedes Gemeindeglied über 14 Jahre hat das Recht, Fragen zu stellen oder Anregungen zu geben. Die Gemeindeversammlung ist ein beratendes Gremium für den Kirchengemeinderat. Leider sind diese Treffen nicht sehr gut besucht.

BZ: Nehmen mehr Frauen oder Männer, mehr junge oder alte Menschen an den Gemeindeversammlungen teil?
Mathias Geib: Wir machen die Gemeindeversammlungen im Anschluss an einen Gottesdienst. Daher ist die Beteiligung so bunt wie der Gottesdienstbesuch.

BZ: Ermuntern Sie die Kirchenmitglieder zur Teilnahme?
Mathias Geib: Natürlich ermuntern wir sämtliche Gemeindeglieder, schließlich ist dieses demokratische Element ein wichtiges Anliegen unserer evangelischen Kirche.
BZ: Was sind Kirchenälteste eigentlich? Welche Aufgabe haben Sie? Müssen diese ein bestimmtes Alter haben?
Ina Geib: Kirchenälteste bilden bei uns den "Kirchengemeinderat". Dieser ist für die gesamte rechtliche und geistliche Leitung der Gemeinde verantwortlich. Er wählt Pfarrerin beziehungsweise Pfarrer, stellt Mitarbeiter ein und spricht bei Fragen rund um den Gottesdienst mit. Er bestimmt über Finanzen und Auftragsvergaben. Pfarrer haben wie jedes Gemeinderatsmitglied Stimme im Kirchengemeinderat. Bei Stellenteilungen, wie derzeit bei uns, ist nur einer stimmberechtigt.

Da der Kirchengemeinderat die Gemeinde rechtlich vertritt, beträgt das Mindestalter für Älteste 18 Jahre. Ab dieser Wahl können aber auch bis zu zwei Jugendliche über 16 Jahre in den KGR gewählt werden, brauchen dazu aber die Zustimmung der Eltern. Daran merkt man aber, dass Älteste nicht "alt" sein müssen. Es ist ein Amt, keine Altersangabe.

BZ: Wie schwierig oder einfach war es, Kandidaten zur Wahl der Kirchenältesten zu finden?
Ina Geib: Es ist immer wieder spannend, ob sich genügend Kandidierende finden. Diesmal verlässt ein großer Teil des "alten" Kirchengemeinderats das Gremium, darunter ganz erfahrene Mitglieder, die die Gemeinde schon über zwei Vakanzen (pfarrerlose Zeit) getragen haben. Wir freuen uns, dass sich neue Interessierte gefunden haben.

BZ: Wie gehen Sie bei der Suche nach Kandidaten vor?
Ina Geib: Am besten ist es, Personen direkt anzusprechen, die ein amtierender Ältester für geeignet hält. Wir freuen uns natürlich auch über Vorschläge aus der Gemeinde. Man kann sich auch selbst bewerben, muss dann aber zehn Unterstützer sammeln. Wir versuchen, verschiedene Altersstufen, Berufe und Ortsteile zu berücksichtigen. Das ist gar nicht so einfach, wenn es wie bei unserer Gemeindegröße nur sechs Plätze gibt. Aber wir dürfen als KGR dann bis zu drei weitere Personen hinzuwählen.

BZ: Welche Altersspanne haben Sie bei den anstehenden Wahlen am 1. Dezember?
Ina Geib: Wahlberechtigt sind alle Gemeindeglieder ab 14 Jahren, das heißt, auch ein Großteil unserer Konfirmanden darf in diesem Jahr das erste Mal wählen. Es gibt eine allgemeine Briefwahl. Die Wahlbriefe müssen uns bis zum 1. Dezember um 11.30 Uhr erreichen, dann wird ausgezählt.