Helios-Prämie für Pflegekräfte

RHEINGEFLÜSTER: Die Politik hat versagt

Gerold Zink

Von Gerold Zink

Sa, 27. April 2019

Breisach

Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger, die in der Helios-Klinik in Breisach, in Müllheim oder in Titisee-Neustadt neu anfangen, können sich über eine saftige Prämie von 3000 Euro freuen. Und wer in den Kliniken bereits in der Pflege beschäftigt ist und einen Kollegen oder eine Kollegin anwirbt, erhält immerhin noch 1000 Euro. Dies ist ein nettes Zubrot für die ohnehin nicht gerade überbezahlten Pflegekräfte, die enorm viel und oft auch über ihre Kräfte hinaus leisten. Dass sich die Helios-Kliniken im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald allerdings zu solchen Lockangeboten veranlasst sehen, um freie Stellen zu besetzen, wirft ein düsteres Licht auf unser Gesundheitssystem und verdeutlicht einmal mehr das krasse Versagen der großen Politik in diesem Sektor. Viele Jahre, sogar mehrere Jahrzehnte, haben die Verantwortlichen in Bund und Land fast tatenlos zugesehen, wie Pflegekräfte ausgebeutet werden oder sich selbst ausbeuten, um anderen zu helfen. Schlimmer noch ist jedoch, dass die Politik diese Entwicklung gefördert hat. Sie hat nicht das Wohl der Patienten und der Klinikmitarbeiter in den Mittelpunkt ihres Handelns gestellt, sondern die wirtschaftliche Lage der Kliniken. Bis sich die dadurch ausgelöste Misere in den Krankenhäusern wieder gebessert hat, wird es viele Jahre dauern. Junge Leute überlegen sich heute sehr genau, ob sie den Beruf einer Krankenschwester oder eines Krankenpflegers mit hoher physischer und psychischer Belastung sowie Schicht- und Wochenenddiensten ergreifen. Es wird allerhöchste Zeit, dass die Politik gegensteuert. Schon heute fragen sich immer mehr Bürger: "Wer pflegt einmal mich?"