Krimikömödie

Bühneli Theater in Lörrach inszeniert "Halbpension mit Leiche"

Barbara Ruda

Von Barbara Ruda

So, 10. November 2019 um 17:00 Uhr

Lörrach

Das Theater Bühneli inszeniert in "Halbpension mit Leiche" eine turbulente Krimikomödie. In der Überzeichnung eigenartiger Charaktere kann sich der eine oder andere aber wiederfinden.

Es sind vor allem die Typen, die die neue Bühneli-Inszenierung bewegen und aus "Halbpension mit Leiche" einen Riesenspaß machen. Gemeint sind in diesem Fall vor allem die acht Darsteller. Sie spielen die eigenartigen Charaktere des noch ziemlich druckfrischen Stücks in Gestik, Mimik und im Tonfall zum Vergnügen des Publikums so lebendig aus. Bei der Premiere am Samstagabend gibt es dafür viel Szenen- und kaum enden wollenden Schlussapplaus.

Die der Geschichte zugrunde liegende Ausgangssituation ist ziemlich schräg: Eine extravagante Bardame, ein penibler Putzteufel, ein tüdeliges Tantchen, eine der Esoterik frönende Naturliebhaberin und ein cholerischer Koch treffen sich wöchentlich in einer Therapiegruppe für Mörder. Schon bei der Vorstellung der Fünf im Publikum erzählen sie über die Schlüsselreize, die in ihnen Mordgelüste wecken. Die Fünf beschließen, gemeinsam eine Pension zu eröffnen. Erst dann geht der Vorhang zur Bühne auf und bietet einen Blick ins Foyer dieser Pension. Für das bis ins Detail liebevoll ausgestattete Bühnenbild gibt es spontanen Applaus. Auch das "Oooh", das im Publikum zu hören ist, drückt Bewunderung aus.

Brenzlige Situation triggert ehemaligen Mörder

Als erste Gäste trudeln die Psychologin der Therapiegruppe mitsamt ihrem Ehemann ein. Man muss nicht lange warten, bis es zu einer brenzligen Situation kommt, die einen der ehemaligen Mörder triggert. Bald passiert das zum zweiten und zum dritten Mal. Werden die ehemaligen Delinquenten standhaft bleiben, ganz nach der mantraartig aufgesagten Devise "Atmen und Lächeln"? Just zu dem Zeitpunkt, zu dem der angekündigte Hotelprüfer auftaucht, liegt dann aber doch eine Leiche auf dem Sofa. Die muss natürlich schnell verschwinden, das Chaos bricht aus. Ein typischer Plot für eine leichtfüßige Komödie ohne tieferen Sinn.

Das Bühneli Ensemble spielt diese wunderbar aus. Es gibt in "Halbpension mit Leiche" nicht eine Hauptrolle, die die turbulente Krimikomödie trägt, sondern acht gleichberechtigte Rollen, als ob jeder der Autorengruppe "Die Acht" eine Figur ausgearbeitet hätte. Und alle scheinen sie perfekt auf die Akteure zugeschnitten beziehungsweise vom Regisseur mit sicherem Blick ausgewählt. Im Spiel der engagierten Freizeitmimen, die bei der Premiere auf der Bühne stehen, bricht sich Lebendigkeit, Humor und Herz Bahn – und auch wohl dosierter Klamauk.

Akteure lassen in punkto Körpereinsatz nichts aus

Petra Glinke, Rainer Sautter, Ursel Golomb, Katja Schmuck-Bachmann, Peter Stölzer, Dorothea Seiter, Uwe Uhlemann und Joachim Geiser glänzen in kurzen Soli und Zweierszenen, in denen sie die Zuschauer mit ausgeprägter Mimik und Gestik in den Bann ziehen, zum Beispiel als Jayashree Hajo Zeisig die Chakren massiert. Auch in puncto Körpereinsatz lassen die Akteure nichts aus, sei es Pretty, die sich mit sichtlichem Vergnügen verführerisch bis aufreizendend durch das Stück schlängelt, oder der aus einem ganzen Arsenal an Utensilien schöpfende, immer herumwuselnde Putzmann.

Der ist es auch, der beim Intro im Zuschauerraum dem langjährigen Theaterleiter Günther Geiser liebevoll den vermeintlichen Staub von der Glatze wedelt. Zum zweiten Mal nach dessen Abschied führt der junge Felix Ebner beim Bühneli Regie, und er tut es mit Schwung und Elan, mit Haut und Haar. Ihm gelingt mit dem Ensemble eine an den Lachmuskeln kitzelnde Typenstudie, in deren Überzeichnung jede(r) im Publikum vielleicht auch Vertrautes entdeckte. Die vielen fleißigen Helfer hinter den Kulissen tragen ebenso dazu bei, dass man bestens unterhalten und gut gelaunt das kleine Theater an der Brombacher Straße verlässt.
Halbpension mit Leiche

Weitere Vorstellungen: 15., 16., 22., 23., 29. November, 6., 7., 13., 14., 20. Dezember, jeweils 20 Uhr; Vorverkauf: Donnerstag, 15 bis 17 Uhr, Freitag, 17 bis 19 Uhr, Samstag, 10 bis 12 und 17 bis 19 Uhr, Telefon: 07621/433 31