Ruine

Burgeigentümer: Lichteneck soll nicht verkauft werden

Lena Marie Jörger

Von Lena Marie Jörger

Mi, 03. April 2019 um 16:00 Uhr

Kenzingen

Die Burgruine Lichteneck oberhalb von Hecklingen soll saniert werden. Verkaufen will Burgeigentümer Gerhard Flemming sie aber nicht, sagt er und dementiert damit ein im Ort kursierendes Gerücht.

Gerhard Flemming steht an dem großen Tor vor der Holzbrücke, die zur Burgruine führt. Seit 1985 ist er deren Eigentümer. "An dem Verkaufsgerücht ist nichts dran", betont er. Bis vor dem Gespräch hat er mit einem Helfer auf dem Areal gearbeitet. "Hier gibt es immer etwas zu tun", sagt der Rentner und schaut sich um. "Zum Beispiel müssen die Brombeerhecken gestutzt werden und die Brücke muss zwei Mal im Jahr gestrichen werden." Geleistet würden solche Arbeiten von den – aktuell 15 – Mitgliedern des Fördervereins zur Erhaltung der Burgruine Lichteneck. Dieser suche das ganze Jahr über freiwillige Helfer für solche Arbeiten, sagt Flemming. Er selbst ist nach eigenen Angaben in der Regel rund zehn Stunden pro Woche auf dem Gelände tätig. "Im Sommer", ergänzt er, "sind es locker 20 Stunden."

Früher war Flemming Apotheker in Endingen. Seit 1973 engagiert er sich ehrenamtlich in der Denkmalpflege. "Die Erhaltung, der Schutz und die moderate Nutzung dieses Denkmals sind meine Ziele", erklärt er beim Gang übers Gelände, warum er Eigentümer der Burgruine ist – und bleiben will, auch wenn deren Unterhaltung kostenintensiv ist: Pro Jahr fließen laut Flemming etwa 10 000 Euro in die Unterhaltung der Burgruine, zum Beispiel für Versicherungen und Handwerker. "Insgesamt wurden seit 1985 rund 570 000 Euro investiert", sagt Flemming.

Unter der Holzbrücke bleibt er stehen und zeigt auf den Brückenpfeiler. Dort soll im Zuge der Restaurierungsmaßnahme eine Schwachstelle ausgebessert werden. "Hier wollen wir", sagt er, "einen Toransatz zeigen, um zu demonstrieren, dass hier früher ein gewölbeartiges Tor den Burggraben verschloss." Die Schwachstelle sei durch Steinraub entstanden. "Nachdem die Burg 1675 zerstört worden war, wurden, so nimmt man an, brauchbare Steine der Burg verkauft", erklärt Flemming. "Die Leute haben sich geholt, was ihnen nützlich erschien, zum Beispiel große, behauene Sandsteine."

Gesamtkosten werden auf 28 000 Euro geschätzt

Weitere Maßnahmen: Der frühere Hocheingang von Norden her – aus dem 13. Jahrhundert – soll restauriert werden und auch an der südlichen Ringmauer sind Arbeiten nötig. "An einigen Stellen", erklärt Flemming und zeigt auf Teile der Mauer, "ist die Mauer stark ausgewaschen. Das muss wieder mit Spezialmörtel restauriert werden." Dafür benötige man hohe Gerüste, an einigen Stellen müsse außerdem mit einer Hebebühne gearbeitet werden.

Die Gesamtkosten für die geplanten Restaurierungsmaßnahmen schätzt Flemming auf 28 000 Euro. Beim Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart hat er einen Zuschussantrag gestellt. Der Antrag werde derzeit geprüft, teilt eine Sprecherin auf BZ-Anfrage mit. Grundsätzlich könnten in Baden-Württemberg die durch das Denkmal bedingten Mehraufwendungen bei Baumaßnahmen an Kulturdenkmalen im Privatbesitz mit bis zu 50 Prozent gefördert werden. Sobald dem Eigentümer der Zuschussbescheid vorliege, könne in der Regel mit der Maßnahme begonnen werden. Flemming rechnet damit, dass die Zusage im Juni kommt. Die Arbeiten könnten dann im September starten. Vor zwei Jahren war eine andere Maßnahme abgeschlossen worden: Die Basismauer der Südseite war auf einer Länge von mehr als 40 Metern restauriert worden.

Info: Zugänglich ist die Ruine nur bei Veranstaltungen wie den Burgführungen. Nächster Termin: Ostermontag, 22. April, 15 Uhr.