Sensibilisierung

Kinderschutz-Netzwerk will Bewusstsein für Kindesmissbrauch schärfen

Dominik Heißler

Von Dominik Heißler

Sa, 11. Januar 2020 um 18:07 Uhr

Freiburg

Das Kinderschutz-Netzwerk Ecpat möchte das Bewusstsein von Reisenden für Kindesmissbrauch schärfen. Auch drei Freiburger Reiseunternehmen machen beim Projekt mit.

Das Kinderschutz-Netzwerk Ecpat arbeitet mit Reiseunternehmen zusammen, um ein Bewusstsein für Kindesmissbrauch zu schaffen. Seit kurzem ist auch der Freiburger Reiseveranstalter "Green Tiger Travel" dabei.

Im Urlaub. Ein Mann sitzt mit einem Mädchen am Nebentisch. Er sieht europäisch aus. Sie ist leicht bekleidet und vermutlich aus dem Urlaubsland. Ist es seine Tochter oder ein Kind, dem Missbrauch droht? Sollte es nach Letzterem aussehen, sei es wichtig, das nicht unter "seltsames Urlaubserlebnis" abzuspeichern. Sondern Leute zu informieren, die sich mit sexuellem Missbrauch auskennen, so Mechtild Maurer, Geschäftsführerin und Pressesprecherin des Vereins Ecpat Deutschland: "Das ist im Urlaub nicht anders als zu Hause."

Ecpat ist eine internationale Arbeitsgemeinschaft zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung, der deutsche Hauptsitz ist in Freiburg. "In Deutschland geht man bei Missbrauch von einem Dunkelfeld von 10 bis 20 Prozent aus, in den Fernreisedestinationen von 60 bis 100 Prozent", so Maurer. Die Täter nutzten die touristische Infrastruktur, um an die Kinder ranzukommen. Ecpat hat einen Button entworfen, damit Reisende auffällige Situationen melden können – direkt an das Bundeskriminalamt oder an Ecpat. "Nur melden. Ich muss nicht als Reisender den Ermittler spielen", sagt Maurer

Das Kinderschutz-Netzwerk arbeitet mit Reiseunternehmen und -verbänden im ganzen Land zusammen. Unterschreiben diese den Kinderschutzkodex, verpflichten sie sich damit zu Null-Toleranz gegenüber sexueller Ausbeutung, was auch heißen kann, auf die Zusammenarbeit mit einem Hotel zu verzichten, in dem Kinder ein- und ausgehen.

Mehr als Charity für die Unternehmen

Außerdem wird diese Null-Toleranz im Unternehmensbild sichtbar gemacht, werden die Mitarbeitenden geschult und Berichte geschrieben. "Die Unternehmen spenden nicht einfach Geld, sondern sie verändern ihr Kerngeschäft", sagt Maurer.

Ende vergangenen Jahres hat auch der Freiburger Reiseveranstalter Green Tiger Travel den Kodex unterschrieben. Fabian Herzog ist dort Gesellschafter. "Alle unsere Mitarbeiter haben die Online-Schulungen von Ecpat gemacht", sagt er. Das gebe Sicherheit, mit Verdachtsfällen besonnen umzugehen. Außerdem legen sie den Kundenunterlagen einen Text mit Ansprechpartnern bei.

"Wir haben auch mit unseren Mitarbeitern vor Ort gesprochen", ergänzt Geschäftsführerin Christina Bauer. Die meisten hätten den Code schon selbst unterschrieben. Das liege auch daran, dass sich Green Tiger Travel als nachhaltiger Reiseveranstalter versteht. Ihre Partner kennen und besuchen sie persönlich. Die Reisen sind individuell organisiert. Bislang sei bei ihnen nichts vorgefallen. Tatsächlich ändert sich mit dem Code auch nicht viel für Green Tiger Travel. "Der Kinderschutz ist schon die ganze Zeit in unserem Fundament vertreten", sagt Bauer.

Dass sie nun den Kodex unterzeichnet haben, liegt auch daran, dass sie inzwischen neun Mitarbeiter und damit die Luft haben, sich um die entsprechende Bürokratie zu kümmern. Der Mitgliedsbeitrag richtet sich nach der Größe des Unternehmens, den genauen Betrag wissen sie nicht.

"Umso größer ein Unternehmen ist, desto langsamer sickert es von oben an die Mitarbeiter durch", sagt Mechtild Maurer von Ecpat. Bei Green Tiger gehe das schneller. Der dortige Azubi besucht nun bald ein Seminar. Vielleicht erzählt er darüber in der Schule. "Am Ende ist es ein Streuen", sagt Christina Bauer.