Care-Pakete für die Familien der Schulkinder

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Mi, 01. Juli 2020

Kirchzarten

Der Kirchzartener Verein Watoyo Tanzania stellt wegen der Corona-Pandemie seine Hilfeleistungen um / Essen statt Schule.

. Vor zwei Jahren gründete die Berufsschullehrerin Carla Waldvogel den gemeinnützigen Verein Watoyo Tanzania in Kirchzarten. Er wuchs schnell auf mehr als 30 Mitglieder und unterstützt seitdem die Vorschule der Mwanga Childrens Foundation in Arusha in Tansania bei der schulischen Bildungsarbeit und der damit einhergehenden Gesundheitsförderung für Kinder. Die Corona-Pandemie erfordert nun, den Vereinszweck zumindest temporär zu verändern.

Das Ganze begann vor drei Jahren. Carla Waldvogel hatte während ihres Lehramtsstudiums für ihr Praktikum in einer sozialpädagogischen Einrichtung ein Waisenhaus in Arusha in Tansania ausgesucht. Dort lernte sie die Mwanga Childrens Foundation kennen. In deren Vorschule arbeitete auch Sarah Pfeifer im Freiwilligendienst. Es mangelte an allem, und so organisierten die beiden Frauen Spenden für Gegenstände des täglichen Bedarfs sowie für die Übernahme der Schulgebühren für bedürftige Familien.

Nach Deutschland zurückgekehrt war die Vereinsgründung nur logische Konsequenz. Watoyo ist eine Wortschöpfung aus den afrikanischen Worten Watoto für Kinder und Moyo für Herz. Programmatisch orientiert sich der Verein an dem Satz von Nelson Mandela: "Bildung ist die mächtigste Waffe, um die Welt zu verändern." Deshalb werden die gesammelten Spendenbeträge vorrangig für die Unterstützung von hilfsbedürftigen Kindern aus bildungsfernen Gegenden verwendet, um ihnen einen Zugang zu Bildungsmöglichkeiten zu verschaffen.

In der Vorschule in Arusha, in einer der ärmsten Gegenden Tansanias, geht schulische Bildung einher mit Gesundheitsförderung und gesicherter Ernährung. So konnte der Verein bisher die Gehälter der Lehr- und Betreuungskräfte finanzieren, aber auch wöchentliche Obstrationen für die Kinder. Doch dann kam Corona – und die Vorschule wurde wie alle schulischen Einrichtungen überall in Tansania geschlossen.

Die Familien dort leben am Existenzminimum, es gibt für sie keinerlei staatliche Hilfspakete zum Abmildern der Pandemie-Folgen. Die Kinder verlieren durch die Schulschließung nicht nur ihre Spiel- und Bildungsmöglichkeiten, sondern auch zwei tägliche Mahlzeiten, die bei ihren Familien zu Hause keineswegs gesichert sind.

Die Pandemie zwang und zwingt nun den Verein, die eigentlichen Ziele – schulische und gesundheitliche Förderung der Kinder als Hilfe zur Selbsthilfe – vorübergehend in den Hintergrund treten zu lassen. "In Absprache mit dem Projektverantwortlichen vor Ort haben wir beschlossen, zunächst alle Spenden für Lebensmittelpakete einzusetzen. Die Familien der Vorschule waren sehr dankbar, dass wir ihnen zumindest einen Teil des monatlichen Bedarfs spenden konnten. Ich war selbst bis Ende März noch in Tansania und hatte bemerkt, dass eine große Unsicherheit besteht, wie das Leben weitergehen soll", sagt Carla Waldvogel.

Deshalb spendet der Verein aktuell monatlich 2000 Euro für Care-Pakete, die an die Familien der Kinder aus dem Projekt der Mwanga Childrens Foundation verteilt werden. So bekommt jede der 107 Familien monatlich 15 Kilogramm Reis und zehn Kilogramm Bohnen sowie einen Vorrat an Seife. Weiterhin wird Aufklärungsarbeit über hygienische Standards, wie das Benutzen von Seife, das Tragen von Masken und das Abstandhalten ermöglicht.

Durch den Umfang der notwendigen Hilfeleistungen sind die aktuellen Spenden und Rücklagen des Vereins nahezu aufgebraucht, so dass zusätzliche Spenden dringend gebraucht werden. Schon mit geringen Beträgen kann geholfen werden. So können mit zehn Euro alle Kinder der Vorschule eine Woche lang mit frischem Obst versorgt werden.

Unter http://www.watoyo-tanzania.de sind die Spendemöglichkeiten beschrieben, Bescheinigungen gibt es bei Bedarf.