Mendelssohn

CD: KLASSIK: Radikale Romantik (I)

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Mi, 28. August 2019

Klassik

Wer wissen will, wo das frühe 19. Jahrhundert herkommt und wo es hingeht, muss der Musik Felix Mendelssohn Bartholdys lauschen. Und ihren Interpretationen durch das Freiburger Barockorchester (FBO). Die aktuelle CD akzentuiert die Radikalität der ersten Sinfonie c-Moll des 15-Jährigen jungen Wilden. Der finale Satz Allegro von fuoco ist wie ein klanglicher Flächenbrand, erfüllt von großartigen Kontrasten. Natürlich klingt das angesichts des weitgehenden Verzichts auf Vibrato bei den Streichern und eines fokussierten, historischen Bläserklangs auch schroff. Aber transparenter kann man den fugierten Teil der Durchführung nicht mehr spielen. Faszinierend. So wie Kristian Bezuidenhouts Interpretation des Klavierkonzerts Nr. 2: Hier perlen die Läufe auf dem Erard-Flügel von 1837 in quasi-barockem Duktus, bis der Künstlerische Leiter des FBO mit rubatierten Akkordfolgen das Werk klar in der Moderne – sprich der jungen Romantik verortet. Da ist auch die "Schöne Melusine"-Ouvertüre zu Hause mit ihren herrlichen Akkordbrechungen gerade im Klarinettensolo. Dirigent Pablo Heras-Casado und das FBO zaubern auch hier das Bild einer Romantik, nahe noch am Sturm und Drang.

Mendelssohn: Bezuidenhout, Heras-Casado. Freiburger Barockorchester ((HMM)