Kein Finale in St. Petersburg

dpa

Von dpa

Fr, 25. Februar 2022

Sportpolitik

Uefa wird Russland das Endspiel der Fußball-Champions-League entziehen / Formel-1-Pilot Vettel boykottiert Grand Prix in Sotschi.

Nach dem Schock über die Invasion Russlands in die Ukraine hat es am ersten Tag des militärischen Angriffs auch im Weltsport die ersten Konsequenzen gegeben. Die Europäische Fußball-Union (Uefa) wird Präsident Wladimir Putins Heimatstadt St. Petersburg das für den 28. Mai geplante Champions-League-Finale entziehen.

Der Beschluss zur Aberkennung der Gastgeberrolle soll auf der außerordentlichen Sitzung des Exekutivkomitees am Freitag beschlossen werden. Eine Entscheidung über einen Ersatzort wird jedoch noch nicht erwartet.

Als Folge von Russlands Angriff wird Fußball-Zweitligist FC Schalke 04 nicht mehr mit dem Schriftzug seines russischen Hauptsponsors Gazprom auflaufen. "Mit Blick auf die Ereignisse, Entwicklung und Zuspitzung der vergangenen Tage" habe sich der Club dazu entschieden, hieß es in der Mitteilung. Der Schritt erfolge nach Gesprächen mit Gazprom Germania. "Stattdessen wird Schalke 04 auf der Brust der Königsblauen stehen", teilte der Verein mit.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verurteilte derweil den Bruch des olympischen Friedens scharf. Das IOC sei "zutiefst besorgt" über die Sicherheit der olympischen Gemeinschaft in der Ukraine. Daher habe man eine Arbeitsgruppe zur Beobachtung der Lage einberufen, die auch humanitäre Hilfe für Athletinnen, Athleten und Sportfunktionäre koordinieren solle. IOC-Chef Thomas Bach bekräftigte zudem seinen Ruf nach Frieden, hieß es in der Mitteilung.

Auch viele Weltverbände müssen sich nun mit der Rolle Russlands und den ersten Boykott-Aufrufen auseinandersetzen. "Meine Meinung ist, dass ich dort nicht hin sollte und ich werde es auch nicht. Ich finde es falsch, in diesem Land zu fahren", sagte der viermalige Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel. Er werde den aktuell noch für Ende September geplanten Grand Prix von Russland boykottieren. "Meine Entscheidung steht schon fest", sagte der 34-Jährige deutlich.

Noch ist nicht klar, ob am Schwarzen Meer in Sotschi gefahren wird. Am Donnerstagabend waren erste Beratungen der Rennställe und des Motorsport-Weltverbands (FIA) vorgesehen. "Wir sollten nicht in einem Land fahren, das Krieg führt, aber das gesamte Fahrerlager sollte darüber entscheiden", sagte auch Weltmeister Max Verstappen (Niederlande).

Deutscher Ski-Verband holt Skicrosser aus Russland zurück

Den Einmarsch Russlands in die Ukraine bezeichnete Vettel als "schockierend". "Ich finde es grauenhaft zu sehen, was passiert ist", sagte der Hesse: "Es tut mir sehr leid für die Unschuldigen, die ihr Leben verlieren und aus dummen Gründen und wegen einer komischen und verrückten Führung getötet werden." Ausnahmslos alle deutschen Sport-Spitzenverbände verurteilten die Schritte Russlands.

In der Ukraine werden in diesem Jahr zwar keine internationalen Großveranstaltungen im Sport ausgetragen, Auswirkungen hat die Krise möglicherweise aber auf Wettbewerbe. Qualifikationsspiele der Basketball-WM der Männer und der Handball-EM der Frauen sind bereits verlegt worden. In Russland stehen deutlich mehr Veranstaltungen im Sportkalender. Highlights sind neben dem Champions-League-Finale und dem Formel-1-Lauf auch die Weltmeisterschaft der Volleyballer und die Kurzbahn-WM der Schwimmer.

Zum Schutz seiner Athletinnen und Athleten verzichtet der Deutsche Ski-Verband (DSV) bis auf Weiteres auf Wettbewerbe in Russland und der Ukraine. Die Entscheidung wurde gemeinsam mit dem Deutschen Olympischen Sportbund getroffen worden. Das Skicross-Nationalteam, das bereits zu einem Weltcup nach Russland gereist ist, "werden wir so schnell wie möglich nach Deutschland zurück holen", so DSV-Vorstandsmitglied Stefan Schwarzbach. Zu dem Team gehört auch die Schwarzwälderin Daniela Maier (SC Urach), die bei Olympia in Peking die Bronzemedaille gewann.