Charismatische Entdeckungsreise in die Rockgeschichte

Hans-Peter Müller

Von Hans-Peter Müller

Mo, 14. Oktober 2019

Staufen

Räumen bei der 30. Staufener Kulturwoche im begeisterten Spiegelzelt ab: Die Band "Poems on the Rocks" mit Rezitator Jo Jung.

STAUFEN. Sie sind die Entdeckung der Jubiläumsausgabe der Staufener Kulturwoche. Bei deren 30. Ausgabe räumten "Poems on the Rocks" heftig ab und versetzten die rund 300 Besucher im ausverkauften Spiegelzelt in helle Begeisterung.

Das Konzept, Rockklassiker und deren ins Deutsche übersetzte Texte zu kombinieren, gibt es mittlerweile öfters. Doch die Formation aus Esslingen startete damit bereits im Jahr 2003, gehört also zu den Vorreitern des Genres und hat es im Lauf der Jahre zu einer Perfektion gebracht, die dem Sextett in der Fauststadt stehende Ovationen einbrachte und es zu zwei Zugaben nötigte.

Dass versierte Rockmusiker mit heutigen technischen Mitteln die großen Hits und Hymnen von einst technisch perfekt darbieten können, beweisen zahlreiche – oft wirklich sehr gute – Cover-Bands quer durch die Republik. Doch damit geben sich Christoph Berner (Gitarre), Edgar Müller (Keyboards), Andy Kemmer (Bass) und Helmut Kipp (Schlagzeug) nicht zufrieden. Sie haben in Jörg Krauss einen Sänger, dem man in jedem Song anmerkt, dass Rockmusik für ihn etwas Existentielles ist. Und als "Poems on the Rocks" haben sie den Schauspieler Jo Jung.

Der hat nicht nur Übertragungen der englischen Texte geschaffen, die literarische Größe besitzen, sondern versteht es, die exquisit ausgewählten Songs in kleine Dramen und große Kunst zu verwandeln. Wunderbar, wie seine Sprachsentenzen in den musikalischen Flow eingebaut werden und doch die Stimmung, die gerade im mitklatschenden und mitsingenden Publikum aufkommt, nicht abreißen lassen. Man merkt, dass die sechs gestandenen Männer schon länger zusammenspielen, sich blind verstehen und Jo Jungs Text-Performance perfekt unterstützen.

Seine im schwarzen Gehrock dargebotenen Rezitationen haben etwas pastoral-charismatisches und geben der Darbietung des im Original schon so oft, manchmal im Radio bis zum Überdruss gehörten genau jenen Kick, der den Songs neue Frische verleiht und sie auf ganz andere Art und Weise kennenlernen lässt.

Die Liste der Songs, die im aktuellen Programm derart dargeboten werden, ist vom Feinsten: "Money for nothing" (Dire Straits), "Into the great wide open"(Tom Petty), "Do it again" (Steely Dan), "Superstition" (Stevie Wonder), "Sound of Silence" (als wunderbare Mischung als dem folkigen Original von Simon & Garfunkel und der Metal-Version von Disturbed), "Locomotive breath" (Jethro Tull), "Wish you were here" (Pink Floyd), "Road to Hell" (Chris Rea), "Time" (Pink Floyd), "N’oubliez jamais" (Joe Cocker), "Biko" (Peter Gabriel), "People are people" (Depeche Mode), "Fragile" (Sting), "My Generation" und "Won’t get fooled again" (The Who), "Uprising (They will not control us)" (The Muse), "Heroes" (David Bowie). Erste Zugabe: "Beds are burning" (Midnight Oil), "Lucky man" (Emerson, Lake & Palmer). Zweite Zugabe: "Sympathy for the devil" (Rolling Stones).

Fazit: Großes Kino. Große Empfehlung. "Poems on the Rocks" dürfen jederzeit wiederkommen.

Viele weitere Fotos von allen Auftritten der 30. Staufener Kulturwoche unter: mehr.bz/staufenkulturwoche19