Kein Büro, kein Personal

Schopfheims City-Verein soll in einer Corona-Notversion gegründet werden

Nicolai Ernesto Kapitz

Von Nicolai Ernesto Kapitz

Di, 06. Oktober 2020 um 18:00 Uhr

Schopfheim

Der Gemeinderat soll am Montag über die Gründung eines deutlich abgespeckten Schopfheimer City-Managements abstimmen. Hintergrund ist die Corona-Pandemie.

Vor Corona gab es umfangreiche Pläne, nun soll nur noch eine "Light-Version" des geplanten City-Vereins gegründet werden. Der Gemeinderat wird in seiner Sitzung am kommenden Montag darüber befinden, ob die Gründung eines abgespeckten Vereins ohne den geplanten Posten des City-Managers sinnvoll ist oder nicht. Wenn die Pandemie dereinst einmal vorüber sein sollte, könnte der Verein zu seiner eigentlich geplanten Größe heranwachsen.

Das ursprüngliche Konzept sah einen Manager vor

Angestoßen vom Gewerbeverein sollten sich die Stadt und ihr Handel mit einem City-Management für die Zukunft fit machen. Immer größere Konkurrenz durch den Online-Handel und aus der Nachbarschaft und obendrein ein zunehmend anderes Kaufverhalten der jüngeren Generation machen einen solchen Schritt notwendig, heißt es in der Begründung. Schopfheim dürfe "den Anschluss nicht verlieren". Um eine Strategie dafür nicht neu erfinden zu müssen, reiste eine Delegation im vergangenen Jahr nach Nagold, laut Verwaltung ein "beeindruckender und informativer" Besuch – sozusagen Nachhilfe für die Stadt Schopfheim. So sollte also nach dem Vorbild Nagolds auch ein ein – so der Arbeitstitel – City-Verein gegründet werden, in dem Mitglieder des Gewerbevereins und der Stadtverwaltung gemeinsam Ansätze und Ideen diskutieren und zur Umsetzung vorbereiten. "Mit dem City-Management wird das gesamte Potential unserer schönen Markgrafenstadt ausgeschöpft – die Vorzüge unserer Stadt gilt es besser und einheitlich zu vermarkten und somit die Marke Schopfheim zu stärken und weiter auszubauen", so die Ratsvorlage für die Sitzung am Montag.

Der Verein sollte ein eigenes Büro erhalten, außerdem sollte hier die Stelle des City-Managers angesiedelt werden. "Ein gemeinsamer Verein zwischen der Stadt und dem Gewerbeverein würde zu einer intensiveren und verbindlicheren Zusammenarbeit im Thema Vermarktung unserer Stadt führen", heißt es in der Vorlage. Die Kosten für den Manager, die Büromiete und weitere laufende Ausgaben wären bei dieser Variante bei rund 100.000 Euro pro Jahr gelegen. Gewerbeverein und Stadt wollten sich die Kosten gerecht teilen. So weit der Stand im Januar 2020. Doch dann kam Corona.

Der "City-Verein light" muss ohne Büro auskommen

Wie überall zerschlug Corona auch das ambitionierte Projekt City-Verein in seiner angedachten Form. Der Gewerbeverein will zwar "trotz oder gerade wegen der Corona-Pandemie" am gemeinsamen Verein mit der Stadt festhalten. "Die Verantwortlichen des Gewerbevereins sehen allerdings die durch die Pandemie ausgelöste äußerst schwierige finanzielle Lage ihrer Mitgliedsbetriebe und auch der Stadt Schopfheim", heißt es in einer Stellungnahme.

Deshalb soll es eine "Light-Version" des City-Vereins geben – ohne eigenes Büro und ohne eigenes Personal. "Administrative und projektbezogene Aufgaben sollen mit den vorhandenen personellen und sonstigen Ressourcen gemeinsam und partnerschaftlich von der Stadt Schopfheim und dem Gewerbeverein realisiert werden." Damit soll – trotz Verzicht auf einen City-Manager als Schnittstelle – die Zusammenarbeit zwischen Gewerbeverein und Stadt enger und besser werden. Aus Sicht des Gewerbevereins sei das "gerade in der jetzigen Situation von fundamentaler Wichtigkeit, um die Entwicklung der Stadt auch in schwierigen Zeiten voranzutreiben". Es sei "zielführend, gerade auch in dieser Situation nicht untätig zu sein", lässt auch die Verwaltung ihre Zustimmung erkennen. Für die Gründung und erste Aktionen soll der städtische Haushalt mit gerade einmal 5000 Euro belastet werden.
Info: Der Gemeinderat Schopfheim tagt am Montag, 12. Oktober, ab 18.30 Uhr öffentlich in der Stadthalle.