Baru: "Bella Ciao"

COMIC: Die Geschichte eines Liedes

Jürgen Schickinger

Von Jürgen Schickinger

Mi, 21. April 2021

Literatur & Vorträge

"Eines Tages werden wir alle in Freiheit arbeiten", lautet der Schlusssatz einer Textversion des berühmten Lieds "Bella Ciao". Es tönt durch den gleichnamigen Comic des vielfach ausgezeichneten Franzosen Hervé Barulea alias Baru. Der Sohn einer Bretonin und eines italienischen Einwanderers verwebt darin Zeit-, Musik- und seine Familienhistorie. Er beginnt 1893. Mit Mistgabeln, Keulen und Gewehren bewaffnet, töten Bewohner eines südfranzösischen Dorfs zehn Italiener, die in den umliegende Salinen schuften: "Die stehlen uns unsere Arbeit." Keiner der Mörder wird aber verurteilt. Was die zwei geplanten Folgebände bringen werden, bleibt unabsehbar. Zu oft wechseln Themen, Zeiten und Erzählton im interessanten Band eins. Zwischen Fremdenfeindlichkeit, Spanischem Bürgerkrieg und Pastarezepten wird dabei klar: Nicht nur das Lied "Bella Ciao" hat eine lange, gewundene Geschichte hinter sich.

Baru: Bella Ciao. Aus dem Französischen von Uwe Löhmann. Edition 52, Wuppertal 2021. 130 Seiten, 20 Euro.