Teurer Schlaf

Corona-Krise treibt Matratzen-Preis schlagartig in die Höhe

Nina Witwicki

Von Nina Witwicki

Sa, 20. Februar 2021 um 11:27 Uhr

Wirtschaft

Während der Corona-Pandemie ist der heimische Schlafplatz noch mehr zum Ort der Entspannung geworden. Seitdem ist die Nachfrage für Matratzen deutlich angestiegen – und damit auch der Preis.

Hart wie eine Pritsche, weich wie eine Wolke. Mit der Corona-Pandemie kam der Rückzug in die eigenen vier Wände und die Erkenntnis: Es muss eine neue Matratze her, um zumindest im Schlaf zu entspannen. Während die Matratzenindustrie einen leichten Umsatzrückgang bilanziert, spricht der Handel von einem erfolgreichen Jahr. Derzeit kämpft die Branche aber mit Problemen: Die Grundstoffe für die Matratzenproduktion sind knapp, deren Preise hoch. Kunden müssen tiefer in die Tasche greifen und sich auf lange Lieferzeiten einstellen.

Die Nachfrage an qualitativ hochwertigen Matratzen sei spürbar gestiegen, erklärt der Fachverband Matratzenindustrie auf Nachfrage, in dem 25 Unternehmen organisiert sind. Er bildet somit eigenen Angaben nach rund 65 Prozent der Unternehmen der Matrazenindustrie ab. Die Verluste aus der Phase des ersten Shutdowns hätten in einigen Bereichen kompensiert werden können, sagt die Sprecherin des Verbandes. Daher hielten sich die Verluste in Grenzen. Lag der Jahresumsatz der Branche 2019 noch bei 590 Millionen Euro, rechnet der Fachverband für 2020 mit einem leichten Umsatzrückgang im unteren einstelligen Bereich.

Hohe Nachfrage und Verknappung des Grundstoffes als Grund für Preissteigerung

Derzeit treiben Matratzenindustrie und -handel allerdings andere Sorgen um. Die Vorprodukte für die Herstellung von Matratzen wie Weichschäume und Taschenfederkerne sind seit vergangenem Herbst um bis zu 60 Prozent teurer geworden. Die Situation für die Hersteller sei gerade sehr schwierig, erklärt die Sprecherin des Verbandes. Diese Preissteigerung sei durch einen Mix aus hoher Nachfrage nach Matratzen und der Verknappung beispielsweise des Grundstoffes TDI (Toluylendiisocyanat) entstanden. TDI wird für die Herstellung von klassischen Weichschaumstoffen in Polstern für Möbel und Matratzen, aber auch für die Autoindustrie benötigt.

Seit September herrscht auf dem Markt Mangel an TDI, da die Unternehmen BASF und Covestro, zwei der insgesamt drei europäischen Hersteller, aufgrund von technischen Problemen ihre TDI-Anlagen herunterfuhren und ihre Liefermengen einschränkten. Eine Verkettung von allzu vielen Zufällen, meinen Matratzenhändler und unterstellen, dass die Hersteller den TDI-Preis absichtlich in die Höhe treiben. Erst im November konnte beispielsweise die BASF Ludwigshafen ihre TDI-Herstellung wieder in Betrieb nehmen, wie das Unternehmen auf BZ-Nachfrage mitteilt. Anfang Februar habe es erneut technische Schwierigkeiten gegeben, doch die Anlage laufe inzwischen wieder vollständig, erklärt eine Sprecherin der BASF. Dass die technischen Probleme benutzt worden seien, um die TDI-Preise zu erhöhen, weist der Chemiekonzern von sich.

"Das ist eine historische Steigerung, sowas habe ich in 20 Jahren in dieser Branche noch nicht erlebt." Martin Süß
Die hohe Nachfrage sowie die knappen und teuren Grundstoffe für die Herstellung von Matratzen führen nun zu deutlichen Preissteigerungen und Lieferschwierigkeiten bei hochwertigen Matratzen, darin sind sich der Fachverband Matratzenindustrie und die Handelsgenossenschaft Bettenring, ein Zusammenschluss von 220 Bettenfachgeschäften, einig. Martin Süß, Geschäftsführer von Bettenring, rechnet demnächst mit einer Preiserhöhung von bis zu zehn Prozent für den Kunden. "Das ist eine historische Steigerung, sowas habe ich in 20 Jahren in dieser Branche noch nicht erlebt", sagt Süß. Die Lieferschwierigkeiten und auch die Preissteigerungen seien bereits jetzt im Handel spürbar. 2020 hingegen sei kein schlechtes Jahr gewesen, sagt Süß. Viele Mitglieder des Bettenrings hätten ein leichtes bis starkes Jahresumsatzplus im Gegensatz zu 2019 erzielt. Doch er mache sich aufgrund der Ereignisse Sorgen für dieses Jahr.

"Das Finanzloch durch den ersten Lockdown hat sich bei uns nicht nur aufgelöst, wir haben sogar ein leichtes Plus gemacht." Hans Hamer
Auch regionale Bettenfachgeschäfte sprechen von einer guten Auftragslage im vergangenen Jahr. "Das Finanzloch durch den ersten Lockdown hat sich bei uns nicht nur aufgelöst, wir haben sogar ein leichtes Plus gemacht", sagt Hans Hamer, Inhaber des Bettenhauses Striebel in Freiburg. 2020 sei ein sehr gutes Jahr gewesen. "Motorbetriebene Bettenrahmen haben uns gerettet", sagt Hamer.

Mit einem Geschäftsjahr von "plus/minus null" rechnet hingegen Julio Muñoz Gerteis für sein kleines Bettengeschäft Gerteis Betten in Laufenburg. Ob er die Verluste durch den anhaltenden Lockdown in diesem Jahr ausgleichen kann, hält Gerteis für schwer einschätzbar. Doch der Inhaber zeigt sich für die Zukunft optimistisch und betont, dass seine Branche immer wichtiger werde. Da erkennbar sei, dass guter Schlaf unerlässlich sei.