Gutach-Bleibach / Simonswald

Coronakrise führt zu Jobverlusten bei südbadischem Wasserkraftwerk-Bauer

Bernd Kramer

Von Bernd Kramer

Mo, 12. Oktober 2020 um 18:46 Uhr

Wirtschaft

Die Wasserkraft-Volk AG baut in Gutach-Bleibach und Simonswald Turbinen und Generatoren für Wasserkraftwerke – und leidet unter einem Umsatzrückgang. Das kostet acht Menschen ihren Arbeitsplatz.

Die Wasserkraft-Volk AG (WKV-Volk), südbadische Spezialistin für kleine Wasserkraftwerke, reagiert auf die Corona-Krise mit einem Stellenabbau. Acht Mitarbeiter der 160-köpfigen Belegschaft würden betriebsbedingt gekündigt, sagte Finanzvorstand Reiner Blohorn der BZ auf Anfrage. Das entspricht einem Anteil von fünf Prozent.

Der Anlagenbauer wird von der Pandemie hart getroffen. Die Turbinen und Generatoren für Wasserkraftwerke, die Volk in Gutach-Bleibach und Simonswald entwickelt und baut, werden vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern eingesetzt, die Covid-19 noch stärker lähmt als die Industriestaaten. In der Bundesrepublik ist das Geschäft mit kleinen Wasserkraftwerken ohnehin fast zum Erliegen gekommen, da es hohe Hürden für den Bau solcher Kraftwerke gibt.

Wasserkraft gilt als klimafreundliche Energiequelle

Weil der Auftragseingang nicht den Erwartungen entspreche, habe sich das Unternehmen entschlossen, im geringen Umfang Stellen zu streichen, sagte Blohorn. Nach Einschätzung des Finanzvorstands sind die mittel- und langfristigen Aussichten für das Unternehmen aber gut: "Wasserkraft gilt als sehr klimafreundliche Energiequelle." Dies helfe der Nachfrage in Zeiten, in denen mehr Klimaschutz gefordert wird. Deshalb rechnet er mit wieder steigenden Aufträgen, sobald die Corona-Krise abgeebbt ist.

Blohorn sieht das Unternehmen finanziell gut gewappnet. Die Kapitalausstattung sei mehr als zufriedenstellend. So liege die Eigenkapitalquote bei im Branchenvergleich hohen 65 Prozent. Die Schulden seien deutlich zurückgefahren worden. Das Unternehmen verfüge über eine exzellente Bonitätsbewertung (Beurteilung der Kreditwürdigkeit), sagte Blohorn. Im Vergleich zu den Wettbewerbern, die verstärkt auch aus Billiglohnländern kommen, sei Volk technologisch und qualitativ gut aufgestellt. Am Bekenntnis zu den Standorten Gutach und Simonswald ändere sich deshalb nichts. Volk stellt die Turbinen, Generatoren und die Schalt- und Regeltechnik selbst her. Das sei ein Alleinstellungsmerkmal und werde vom Markt auch honoriert.

Der Kurs der Aktie ist gesunken

Für 2020 geht das Vorstandsmitglied von einem steigenden Umsatz im Vergleich zum Vorjahr aus. 2021 werde sich die Entwicklung wegen Corona aber wieder verschlechtern. Dies liege daran, dass in den vergangenen Monaten die hohen Auftragsbestände aus der Vergangenheit abgearbeitet wurden. Zwischen Bestellung und Auslieferung liegen bei Wasserkraftwerken mehrere Monate. Der Stellenabbau jetzt sei letztlich eine Reaktion auf das erwartete geringere Arbeitsvolumen. Auch werde kurz gearbeitet.

Den gravierenden Umsatzrückgang 2019 – der Umsatz sank von 26,28 Millionen Euro 2018 auf 16,02 Millionen Euro – bezeichnete der Finanzvorstand als Folge einer vorübergehenden Auftragsschwäche – nicht als Ausweis für strukturelle Probleme. 2019 verzeichnete das Unternehmen einen Jahresfehlbetrag von 1,86 Millionen Euro (siehe Grafik). Der Bilanzverlust lag bei 1,05 Millionen Euro.

Der Vorsitzende des Betriebsrats, Sven Sandmann, sagte der BZ, das Gremium sei wegen des Stellenabbaus ordnungsgemäß angehört worden. Zu gegebener Zeit werde sich der Betriebsrat noch ausführlicher zu den Kündigungen äußern.

Unternehmen wurde 1979 gegründet

Die Wasserkraft-Volk AG ist eine Aktiengesellschaft, deren Anteilsscheine jedoch nur im außerbörslichen Handel erworben und veräußert werden können. Es gibt sowohl stimmrechtslose Inhabervorzugsaktien als auch Stammaktien mit Stimmrecht. Der Kurs der Vorzugsaktie lag zuletzt bei 5,25 Euro. Kurz vor dem Jahreswechsel betrug der Kurs noch mehr als sechs Euro. Der Chef des Aufsichtsrats ist Gründer Manfred Volk, der 1979 mit der Entwicklung und dem Bau von Wasserkraftanlagen begann.

Mehr zur Situation der Wasserkraft in Südbaden finden Sie unter http://mehr.bz/turbine