18 Jahre nach Euro-Einführung

D-Mark im Milliardenwert noch nicht umgetauscht

Friederike Marx

Von Friederike Marx (dpa)

Do, 23. Januar 2020 um 20:30 Uhr

Wirtschaft

Die Trennung von der D-Mark scheint schwer zu fallen. 18 Jahre nach der Euro-Bargeldeinführung schlummern noch Noten und Münzen im Milliardenwert irgendwo – manche in skurrilen Verstecken.

Dass jemals alle D-Mark umgetauscht werden, ist wenig wahrscheinlich. "Vor allem die größeren Scheine, die eine Wertaufbewahrungsfunktion haben, sind noch nicht zurückgegeben", sagt Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann. Die Trennung von 100-Mark-Scheinen, 200ern, 500ern und 1000ern scheint besonders schwer zufallen. Allein von ihnen sind noch Banknoten im Wert von 3,55 Milliarden Mark im Umlauf. Insgesamt waren Ende November 2019 nach Angaben der Deutschen Bundesbank Mark und Pfennig im Gesamtwert von 12,46 Milliarden Mark (6,37 Milliarden Euro) noch nicht umgetauscht.

Manche alten Schätze tauchen nur durch Zufall auf

Davon entfielen 5,83 Milliarden Mark auf Banknoten und 6,63 Milliarden Mark auf Münzen. Dies entspricht 165 Millionen Scheinen und mehr als 23 Milliarden Münzen. Oft tauchen die alten Schätze nur durch Zufall auf. So fanden Erben eines Hauses 2018 versteckt im Keller der Immobilie 300 000 Mark. Sie brachten das Geld zur Bundesbank. Es war bislang die höchste bei der Notenbank eingegangene Einzelsumme. "150 000 bis 200 000 Mark kommen dagegen häufiger vor, meist handelt es sich um Erbfälle", berichtet Sven Bertelmann, der Leiter des Nationalen Analysezentrums der Bundesbank für Falschgeld und beschädigtes Bargeld. Manchmal gelingt die Rettung der alten Schätze in letzter Sekunde: So hatte beispielsweise ein Mann 450 Mark in 50-Mark-Scheinen in einem alten Buch versteckt. Seine Frau, die davon nichts wusste, warf das Buch in den Ofen, um das Feuer anzuheizen. Nur durch einen Zufall konnte der Mann seinen Schatz gerade noch rechtzeitig vor dem Verbrennen bewahren.

Die Bundesbank rechnet nicht damit, dass jemals alle alten Scheine und Münzen zurückgegeben werden. "Einiges dürfte verloren gegangen sein, vor allem Münzen. Teilweise wissen die Menschen aber auch nicht, dass sie die D-Mark immer noch kostenlos bei der Bundesbank umtauschen können", berichtet Beermann. Auch in Freiburg gibt es eine Bundesbank-Filiale, bei der die alten Münzen und Geldscheine gebührenfrei in Euro eingetauscht werden können. Beim Umtausch der kleinsten Münze rundet die Notenbank sogar auf. "Für einen Pfennig bekommt man einen Cent", sagt Beermann.

Mann beißt betrunken in 1000-Mark-Schein

Ein erheblicher Teil der D-Mark-Bestände dürfte sich allerdings im Ausland befinden. "Die D-Mark war eine der wertstabilsten Währungen und hatte auch in anderen Ländern eine Wertaufbewahrungsfunktion", sagt Beermann. "Diese Funktion hat sich auch auf den Euro übertragen."

Der allergrößte Teil der Bestände wurde rund um die Einführung des Euro-Bargelds Anfang 2002 eingewechselt. Inzwischen werden pro Jahr D-Mark im Wert von 70 bis 90 Millionen Mark bei der Bundesbank eingereicht – Tendenz fallend. Die Marke von 100 Millionen Mark wurde erstmals im Jahr 2017 unterschritten.

Manche Menschen brauchen aber auch eine Weile für den Umtausch. So zögerte der Besitzer eines 1000-Mark-Scheins viele Jahre damit. Der Grund: Der Mann schämte sich, weil er betrunken die Banknote angebissen hatte, wie er in einem Brief an die Bundesbank schilderte.

Umtausch in Euro ist kostenlos

Auch aus dem Alltag der Bundesbürger sind die alten Scheine und Münzen noch nicht gänzlich verschwunden, auch wenn sie kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr sind. Zum Beispiel nehmen manche Händler Mark und Pfennig im Rahmen befristeter Aktionen an. Bei der Modekette C & A können Kunden seit Herbst 2018 grundsätzlich wieder ihren Einkauf mit der alten Währung begleichen, das Rückgeld wird in Euro ausgezahlt. "Das ist ein Service für unsere Kunden. Genauso wie sie mit bekannten ausländischen Währungen bezahlen können, zum Beispiel mit Yen oder US-Dollar", erläutert ein Firmensprecher die Idee hinter dem Angebot.

Bundesbank-Vorstand Beermann sieht solche D-Mark-Aktionen des Einzelhandels positiv: "Sie bringen den Menschen ins Bewusstsein, dass die Mark noch etwas wert ist, auch wenn sie kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr ist", meint er.