Gelungener Neustart

Syrische Familie aus Offenburg ist dankbar für ein Leben in Sicherheit

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

So, 08. August 2021 um 13:00 Uhr

Offenburg

Die syrische Familie Abou Asali lebt seit fünf Jahren in Zell-Weierbach und fühlt sich inzwischen in der Ortenau zuhause. Das hat sie insbesondere Gerhard Hund zu verdanken.

Die syrische Familie Abou Asali lebt seit fünf Jahren in Zell-Weierbach und fühlt sich inzwischen in der Ortenau zuhause. Das Heimischwerden hat sie insbesondere Gerhard Hund von der Flüchtlingshilfe Rebland zu verdanken. Der 70-jährige Apotheker kümmert sich bis heute um das Quintett.
Am Anfang war Youssof Abou Asali ganz auf sich allein gestellt. Als der Mediziner aus as-Suwaida im November 2015 als Flüchtling hier ankam, wurde er in der Sporthalle der Kaufmännischen Schulen untergebracht. Fast alles war fremd, Sprache, Essen, Gepflogenheiten.

Fast alles war am Anfang fremd

"I hate this place", schoss dem heute 53-Jährigen in jenen Tagen durch den Kopf. Doch dann lernte er per Zufall eine Frau kennen, die ihn an die Flüchtlingshilfe Rebland verwies. Bald schon war Gerhard Hund zur Stelle, dem soziales Engagement in die Wiege gelegt wurde. Arzt und Apotheker, das sollte passen. Und es passte.
Gerhard Hund kümmerte sich um eine ordentliche Wohnung, den Antrag auf Familienzusammenführung, Asylanerkennung und Aufenthaltstitel. Am 19. Juni 2016 landete Youssofs Frau Samar Fahed mit den drei Buben Alaa, Ayham und Zean auf dem Frankfurter Flughafen; in Zell-Weierbach stand eine geräumige Dachwohnung zum Einzug bereit.

Den Kindern fiel das Eingewöhnen am leichtesten

Am leichtesten fiel das Eingewöhnen den Kindern. Die Zwillinge konnten gleich die Integrationsklasse besuchen und gehen inzwischen auf die Erich-Kästner-Realschule. Ihr Deutsch ist fließend und akzentfrei: "Es geht uns gut", versichert Alaa, der sich vorstellen kann, wie sein Vater später Medizin zu studieren. Sein Bruder Ayham schwebt etwas mit Elektronik vor. Und Nesthäkchen Zean träumt von einer Karriere als Profifußballer. Bereits heute liefert er für den FV Zell-Weierbach Tore am Fließband.

Für die Erwachsenen gestaltet sich die Integration schwieriger. Die sprachlichen Hürden sind nicht so spielerisch zu nehmen. Hinzu kommen die beruflichen Barrieren.

Beruflicher Neubeginn für die Eltern

Samar Fahed war in Syrien zwar elf Jahre als Agraringenieurin tätig – in Deutschland heißt es neu zu beginnen. Die 41-Jährige lässt sich zur pharmazeutisch-technischen Assistentin ausbilden, den Praktikumsplatz in der Stadtapotheke hat sie unter Dach und Fach. Youssof war in seiner alten Heimat 16 Jahre als Facharzt für Geburtshilfe und Gynäkologie tätig – in Deutschland muss er hospitieren und wird wie ein Praktikant bezahlt.

Doch ausgestattet mit wertvollen "soft skills" wie Flexibilität und mentaler Belastbarkeit lässt er sich von all den Bestimmungen und Auflagen nicht zermürben. Zumal er unterm Strich dankbar ist. Dankbar für das Leben in Sicherheit, dankbar dafür, dass seine Jungs eine Perspektive haben und nicht zum Militär müssen. Wobei für ihn feststeht: Ohne die Flüchtlingshilfe, ohne Gerhard Hund, der zeitweise von seiner Frau Marion unterstützt wurde, wäre der Neustart eine Katastrophe geworden.

Wunsch nach einer unbefristeten Aufenthaltserlaubnis

Bleibt der Wunsch nach einer unbefristeten Aufenthaltserlaubnis. Die Kinder würden sich über neue Fahrräder freuen. Und Samar Fahed hofft, dass sie bald in einer Apotheke oder in der Pharmaindustrie einen Job finden wird.