Rettet die Biene

"Dann sind 1000 Jahre Spätburgunder passé"

Klaus Rütschlin

Von Klaus Rütschlin

Di, 10. September 2019 um 20:09 Uhr

Südwest

Landwirtschaftsminister Hauk kritisiert beim Badischen Weinbauverband das Volksbegehren zur Reduzierung von Pestiziden. Er sieht dadurch den Weinbau am Kaiserstuhl in Gefahr.

Heftige Kritik am Volksbegehren "Rettet die Biene" hat Landesagrarminister Peter Hauk (CDU) vorgebracht: Wenn dieses erfolgreich sei, werde es das Ende des Weinbaus am Kaiserstuhl bedeuten. "Dann sind 1000 Jahre Spätburgunder passé", sagte der Minister am Dienstag bei der Herbstkonferenz des Badischen Weinbauverbands in Ehrenstetten.

Die Intention des Begehrens sei unterstützenswert. Es schieße jedoch deutlich über das Ziel hinaus. Das Problem sei, dass es nur wörtlich in der bestehenden Vorlage vom Landtag angenommen oder abgelehnt werden könne. Da helfe es auch nicht weiter, wenn Mitinitiatoren inzwischen sagen, der eine oder andere Punkt sei "nicht so gemeint". Entscheidend sei, was im Text stehe, betonte Hauk. Nicht berücksichtigt seien etwa invasive Schädlinge, die in hiesigen Regionen auftauchten, so die Kirschessigfliege, für die heimische Pflanzen keine Resistenzen entwickelt haben und für die es keine natürlichen Feinde gebe.

Alternativ-Entwurf zur Volksabstimmung

Hauk kündigte an, der Landtag werde einen Alternativ-Entwurf zur Volksabstimmung vorlegen. Zu der wird es kommen, wenn dem Volksbegehren 770.000 Baden-Württemberger per Unterschrift beitreten und der Landtag das Gesetz dann ablehnt. Mit diesem soll eine Ausweitung der ökologischen Landwirtschaft bis 2035 auf 50 Prozent und eine Halbierung des Pestizideinsatzes bis 2025 vorgeschrieben werden.

In Schutzgebieten würden Pestizide ganz verboten werden. Der Kaiserstuhl wäre ein solches Gebiet.

Auch Verbände wie Bioland und Ecovin lehnen den Volksbegehren-Text als zu weitgehend ab. Verbandspräsident Kilian Schneider kündigte in Ehrenstetten nochmals an, der Badische Weinbauverband werde zusammen mit anderen landwirtschaftlichen Verbänden einen sogenannten Volksantrag beim Landtag einreichen, mit dem Ziel Bienen und Insekten besser zu schützen und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren. Hauk wies auf das Prognosesystem Vitimeteo hin, das einen zielgerichteteren Pflanzenschutz ermöglicht.

Zur demnächst beginnenden Weinlese sagte Verbandspräsident Peter Wohlfarth, in Baden werde eine Erntemenge von 1,3 Millionen Hektoliter erwartet. Das entspricht 85 Hektoliter pro Hektar Rebfläche, eine normale Ernte also. Und auch die Qualität stimme.
Der Bauernverband in Baden drängt Landtagsabgeordnete, sich zum Volksbegehren "Rettet die Bienen" zu positionieren. Die Landwirte befürchten negative Auswirkungen auf ihre Arbeit.