Job-Start-Börse

"Das Angebot ist nach wie vor groß"

Anita Fertl

Von Anita Fertl

Mo, 02. November 2020 um 11:05 Uhr

Beruf & Karriere

Simon Kaiser von der IHK im Interview mit BZ-Mitarbeiterin Anita Fertl: Die Corona-Krise hat den Ausbildungsmarkt fest im Griff. Das bewirkt bei Schulabgängern viele offene Fragen.

BZ: Warum sollte ein angehender Azubi auch die virtuelle Job-Start-Börse besuchen?
Kaiser: Die Job-Start-Börse ist die perfekte Möglichkeit für junge Leute, um sich einen Überblick über das aktuelle Ausbildungsangebot der Region zu verschaffen. Schnell und kompakt gibt es Informationen aus erster Hand. Und wer schon genau weiß, was er will, hat vielleicht schon seinen Lebenslauf zur Hand. Dann kann er oder sie auf der Job-Start-Börse sogar schon einem Termin für ein Vorstellungsgespräch oder Praktikum ausmachen.

BZ: Im aktuellen Ausbildungsjahr kamen weniger Ausbildungsverträge zustande. Haben die Betriebe weniger eingestellt oder gab es weniger Ausbildungswillige?
Kaiser: Insgesamt war das Angebot an Ausbildungsstellen etwas geringer als im Vorjahr. Das ist angesichts der Corona-Krise und der Tatsache, dass wir in der jüngsten Vergangenheit einen regelrechten Boom in manchen Ausbildungsberufen hatten, auch nicht überraschend.
Zur Person Simon Kaiser
Der 36-Jährige ist seit 2016 Leiter des Geschäftsbereichs Aus- und Weiterbildung bei der IHK Südlicher Oberrhein. Der studierte Politik- und Verwaltungswissenschaftler ist seit 2008 bei der IHK. Zu Beginn gehörte er zum Stab der Hauptgeschäftsführung.

BZ: Wie ist die Lage auf dem Ausbildungsmarkt, müssen sich auch künftige Schulabgänger Sorgen machen?
Kaiser: Nein, überhaupt nicht. Das Angebot an Ausbildungsplätzen ist nach wie vor sehr groß. Selbst in diesem Jahr mit seinen vielen wirtschaftlichen Widrigkeiten gab es mehr Ausbildungsangebote als Bewerber. Die Schere klaffte nur nicht ganz so dramatisch auseinander wie in den Jahren zuvor.

BZ: Kann die Industrie nach wie vor einen sicheren Ausbildungsplatz bieten?
Kaiser: Absolut. Wir sind in der glücklichen Lage, eine sehr breit aufgestellt Wirtschaft mit vielen kleinen und mittelständischen Ausbildungsbetrieben zu haben und sind nicht von wenigen Großbetrieben abhängig. Das macht den Ausbildungsmarkt bei uns robust.

BZ: Welche Auswirkung haben staatliche Förderungen wie die Ausbildungsprämie auf die Unternehmen?
Kaiser: Die Auswirkungen sind bisher gering. Das war zu erwarten, weil die Ausbildungsprämie leider viel zu spät spruchreif war. Dennoch haben wir viele Anfragen und unterstützen unsere Ausbildungsbetriebe bei der Beantragung der Fördermittel.

BZ: Was raten Sie den Jugendlichen?
Kaiser: Angehende Bewerberinnen und Bewerber sollten nicht allzu taktisch vorgehen und sich beispielsweise gegen einen Beruf entscheiden, nur weil die wirtschaftliche Lage in dieser Branche gerade schwierig ist. Wichtig ist, sich über die eigenen Interessen, Stärken und Schwächen klar zu werden. Als IHK unterstützen wir diesen Prozess mit unserem IHK-Profiling, das wir regelmäßig kostenlos anbieten. Es gibt den Teilnehmenden Hinweise, welche Berufe gut zu den eigenen Fähigkeiten und Interessen passen. Das ist dann eine gute Basis für den Berufswahlprozess, etwa in Form von Praktika in verschiedenen Betrieben.
Vom 2. bis 6. November findet von 10 bis 18 Uhr die virtuelle Job-Start-Börse statt.