Satter Verlust

Das Corona-Jahr brachte der Ortenau eine Mülllawine

Hubert Röderer

Von Hubert Röderer

Sa, 03. Juli 2021 um 20:00 Uhr

Offenburg

Die Abfallwirtschaft des Ortenaukreises fährt für 2020 einen satten Verlust ein: Müssen Müllgebühren erneut erhöht werden?

Das Coronajahr 2020 hat dem Ortenaukreis bei der Abfallbeseitigung einen großen Verlust beschert. Günter Arbogast, Geschäftsführer des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft, hat diesen vor dem zuständigen Kreistagsausschuss mit 7,2 Millionen Euro beziffert. Auffallend groß seien die Abfallmengen gewesen, bescheiden hingegen die Erlöse auf dem Altpapier- und Metallmarkt. Wie lange die Müllgebühr, erst zum Jahresbeginn erhöht, stabil bleiben kann, lasse sich im Moment nicht sagen.

Rückstellung aufgebraucht

Der Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs Abfallversorgung des Ortenaukreises für 2020 weist vor allem eines auf: viele rote Zahlen. Günter Arbogast begründete diese vor dem Ausschuss für Umwelt und Technik zu einem Großteil mit – coronabedingt – überdurchschnittlich hohen Mehraufwendungen bei der Verwertung von Sperrmüll, Altholz, Grünabfall, Altreifen oder Problemabfällen. Alleine diese "Mehrmengen" hätten zu einem Minus von zwei Millionen Euro geführt. Bei der Verwertung des Inhalts der Grünen Tonne, von Metallen und E-Schrott sei ein Minderertrag von einer Million Euro erzielt worden. 400 000 Euro seien der Rückstellung entnommen worden, die sei nun aufgebraucht. Das Defizit betrage gegenüber dem Wirtschaftsplan beim "Siedlungsabfall" somit satte 6,8 Millionen Euro. Ohne diese Entnahme läge es bei 7,2 Millionen Euro – fast doppelt so hoch wie 2019.

Altpapier

Altpapiersammlung per Grüner Tonne war Jahrzehnte lang für den Kreis eine lukrative Einnahmequelle. Noch 2017 hat er über die Verwertung von Altpapier, Pappe und Kartonagen einen satten Gewinn von zwei Millionen Euro erwirtschaftet. Dieser fiel dann innerhalb eines Jahres auf 800 000 Euro. 2019 wurde die Sammlung sogar zu einem Minusgeschäft: Der Verlust betrug 200 000 Euro. Er steigerte sich im Vorjahr auf 800 000 Euro. In der wirtschaftlich düstersten Phase, dem ersten Quartal 2020, erwirtschaftete der Kreis mit einer Tonne Altpapier nur noch 26,10 Euro – drei Jahre zuvor war es noch das Fünffache. Die Sorgenfalten wurden zuletzt etwas weniger: Der Preis lag im ersten Quartal 2021 bei immerhin 90,91 Euro.

Erdaushub

Das ständig steigende Erdaushubvolumen beschäftigt die Verantwortlichen seit Längerem. 2014 wurden noch 438 000 Kubikmeter zu den kreiseigenen Deponien gekarrt, 2015 folgte eine kleine Delle. Doch seither geht es steil bergauf: Im vergangenen Jahr wurden 656 000 Kubikmeter herangefahren. Günter Arbogast geht davon aus, dass nur noch für 3,8 Millionen Kubikmeter Erdaushub Platz sei, das Volumen also nur noch sechs bis sieben Jahre ausreiche. Bestehende Deponiestandorte müssten ausgeweitet und neue hinzugewonnen werden, vor allem in der südlichen Ortenau. Neubauten, etwa bei Weier, und Erweiterungen, etwa bei Altenheim, seien im Genehmigungsverfahren. Hilfe soll auch die Neuregelung zum "Erdmasseausgleich" bringen: Die Gemeinden seien angehalten, zunächst mal auf der eigenen Gemarkung nach Verfüllfläche zu suchen.

Die Fraktionen

Die Sprecher aller Fraktionen im Umwelt- und Technikausschuss des Kreistags lobten den Eigenbetrieb für sein übersichtliches Datenwerk. Stefan Hattenbach (CDU) stellte fest, dass man in der Abfallwirtschaft gut die Eigendynamik von Märkten sehe. Joachim Prinzbach (Freie Wähler) erwähnte besonders die ständigen Innovationen auf dem Kahlenberg, auch Dorothee Granderath (Grüne) tat dies: Damit werde die Pflicht zur Anschaffung einer Bio-Tonne vermieden. Man möge zudem mit Unternehmen wie Zalando in Sachen Müllvermeidung ins Gespräch kommen, schlug sie vor. Leider, so Karlheinz Debacher (SPD), sehe man ständig Kartonagehaufen neben der Grünen Tonne, mit einem Teppichmesser ließen sich die meisten sperrigen Kartons kleinschneiden. Carsten Erhardt (FDP) ärgerte die überall zu sehende Vermüllung der Landschaft. Es gebe zwar einen Bußgeldkatalog, warf Günter Arbogast ein, doch die Beweisführung sei schwierig.