Freiburg, 1938

Ein Foto, ein Jurastudent und die Pogromnacht gegen die Juden

Markus Wolter

Von Markus Wolter

Sa, 24. Februar 2018 um 10:30 Uhr

Freiburg

BZ-Plus Wolf Middendorff hat in der Reichspogromnacht das einzige Foto der zerstörten Freiburger Synagoge aufgenommen – als Held, wie lange vermutet wurde. Doch Zeugnisse aus seiner Vergangenheit bringen das Bild ins Wanken.

Zwei kleine Infotafeln stehen seit November 2017 auf dem Platz der Alten Synagoge im Zentrum Freiburgs. Mit dieser späten Ergänzung wollten Gemeinderat und Stadtverwaltung die anhaltende "Planschdebatte" um die profane Nutzung des "Gedenkbrunnens" – am Ort und in den Umrissen der 1938 zerstörten Synagoge – beenden und die in die Kritik geratene Erinnerungskultur rehabilitieren. Der Vorwurf, Freiburg habe mit der Freigabe des Platzes im Sommer 2017 die Erinnerung an die Reichspogromnacht und den Holocaust den Interessen der urbanen Spaßgesellschaft geopfert, wog schwer.

Zwei Fotos illustrieren den knappen, auf wenige Grundinformationen reduzierten Tafeltext. Ein größeres von Julius Gutheim zeigt den erweiterten Synagogenbau nach Plänen des Freiburger Architekten Artur Levy im Jahr 1926. Auf dem anderen ist laut Aufschrift "die zerstörte Freiburger Synagoge am 10. November 1938" zu sehen. Bei dem sonst namenlosen Tafeltext, der sowohl die Täter ("Freiburger SS", "SA") wie auch die Opfer ("jüdische Mitmenschen") in Gruppenbezeichnungen aufgehen lässt, fällt hier die kleine, urheberrechtliche Namensnennung am Rand der Fotografie besonders auf: "Foto: Prof. Dr. Wolf Middendorff".

"Von einem Hörsaal der Universität aus gelang es mir dann aber, einige Aufnahmen zu machen." Wolf Middendorff Die Fotografie gilt heute als das einzig überlieferte Bilddokument der zerstörten Freiburger Synagoge. Der Mann, der sie aufnahm, stellte ihr Zustandekommen später so dar: "Als ich am Morgen des 10. November 1938 in Freiburg auf dem Wege zur Universität war, sah ich, dass die Synagoge halb zerstört war. Offensichtlich hatte sie gebrannt. Die ...

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