Volleyball

Das Goldstück vom VC Offenburg: Rebekka Schneider

Wolfram Köhli

Von Wolfram Köhli

Mo, 25. März 2019 um 09:33 Uhr

Volleyball

Noch zwei Siege sollen folgen und die Meistersaison des Zweitligisten krönen. Im Team aus Offenburg spielt eine junge Frau im Hintergrund eine beachtliche Rolle: Rebekka Schneider.

Einen nicht zu unterschätzenden Part im Offenburger Team spielt Rebekka Schneider, über die ihr Chef Florian Völker sagt: "Fleißig, zuverlässig und wichtig."

"Als ich kam, war sie eigentlich schon irgendwie da", sagt Tanja Scheuer, "dann ist sie unter Chris groß geworden und jetzt hat sie noch ganz viel dazu gelernt." Kurz und knapp fasst die ehemalige Trainerin und aktuelle sportliche Leiterin der Frauen im VCO zusammen, was sie mit einer jungen Frau verbindet, "die eine ganz große Rolle bei uns spielt." Im Team hinter dem Team steht Rebekka Schneider ganz vorne. Scout, Co-Trainerin, Jugendwartin weiblich und nicht zu vergessen Libera des Landesligateams, sind die Funktionen, welche die 21 Jahre alte junge Frau beim VC Offenburg ausfüllt. Unscheinbar, zurückhaltend ist ihr Wesen. Sie steht nie vornedran, oft nur dabei. Vielleicht sind genau das die Wesenszüge, die Rebekka Schneider zu einem zentralen Verbindungsglied zwischen den jungen Spielerinnen, dem Trainer und dem Verein werden ließ.

Von der Schülermentorin zur Co-Trainerin

Volleyball ohne den VC Offenburg kann sie sich nicht vorstellen. Ihre Mutter brachte ihr die Sportart nahe. Die Entscheidung, ins Kloster zu gehen, wurde vom Angebot einer Volleyball Sport AG beeinflusst. So kam sie zum Verein, wo die Studentin der Mathematik und Geschichte eigentlich nicht mehr wegzudenken ist. Als Schülermentorin begann sie, kam mit dem ehemaligen hauptamtlichen Jugendtrainer Christopher Röder in Kontakt und wurde vom Volleyballvirus ganz und gar infiziert. Anfangs war sie einmal im Monat dabei, dann einmal die Woche und aktuell ist sie täglich am Ball. "Ich war nie der superlaute Typ", urteilt sie über sich selbst, die nie ein Problem damit hatte, nicht vornedran zu stehen. Im direkten Gespräch sprudelt es gerade so aus ihr heraus. Sie hat viel zu sagen. Sie ist in den sieben Jahren beim Verein persönlich gewachsen, so ihre Selbsteinschätzung.

Der Laptop ist steter Begleiter

Das öffentliche Bild von Rebekka Schneider ist eine junge Frau, die still auf einem Stuhl am Rande des Spielfeldes sitzt und permanent einen Laptop mit Daten füttert. Spielbeobachtung, Spielanalyse sind ihre Stärke. Sie fasziniert die Macht der Zahlen, was sie über das Spiel sagen. Ob sie den Eindruck über das Spiel bestätigen oder einen ganz neuen vermitteln. "Ich habe den Zwang, alles analytisch zu zerdenken", sagt sie.

Am Samstag blieb ihr Platz erst einmal leer. Nach ihrem Landesligaeinsatz in Freiburg hetzte Rebekka Schneider in die Nordwesthalle. Dort hatte sie ab dem zweiten Satz viel Arbeit. Es lief ja nicht so rund auf dem Feld. So kam es auch zu folgender Szene: Anna Schupritt hatte eine starke Phase im Angriff. Bei einer Auszeit kam Rebekka Schneider zu ihr. Ein Stupser mit der Schulter, ein Augenkontakt und ein Lächeln zeigte die Bindung zwischen der Nachwuchsspielerin und der Trainerin.

"Es ist wichtig, dass sie ihre Gedanken mit einbringt."
Florian Völker
"Ich habe es geschafft, zu allen Spielerinnen einen guten Draht zu entwickeln, und bin für die jungen Spielerinnen sicher eine Art Bindeglied zum Trainer." Mit der Einordnung liegt sie nicht falsch. Ihre Qualität für die Gruppe unterstreicht die Kapitänin Richarda Zorn am Tag vor ihrem 32. Geburtstag. "Sie ist ein Goldstück. Sie unterstützt uns mega, ist sehr loyal und wir können uns bei ihr auch mal auskotzen."

Mindestens genauso bedeutend für den Erfolg des Ganzen ist ihr Draht zu Cheftrainer Florian Völker. Schneider: "Ich habe sein Verständnis des Spiels verstanden – und er weiß, wann er auf mich hören soll." Mithilfe bei der Videovorbereitung und beim Training waren die ersten Schritte. Das ist 18 Monate her. Inzwischen ist ihre Meinung gefragt beim 27-Jährigen.

"Sie ist mir eine Vertraute geworden", urteilt er über eine sportfachliche Beziehung, die eigentlich einem Zufall entsprang. Das fehlende Geld spielte dabei eine Rolle. Der Verein konnte sich keinen externen Co-Trainer leisten. Da brachte Christopher Röder sie ins Gespräch. "Flö und ich wussten schnell, was wir aneinander haben", blickt Rebekka Schneider zurück. Mit dem Vertrauen wuchsen über die Zeit der Zusammenarbeit die Aufgaben, die sie übernahm. Jetzt leitet sie Teile des Trainings eigenständig. "Es ist wichtig, dass sie ihre Gedanken mit einbringt", sagt Florian Völker, "auch wenn ich im Endeffekt entscheide."