Offenburg

Das Haus des Jugendrechts legt los

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 21. Februar 2020 um 17:18 Uhr

Offenburg

Staatsanwaltschaft, Polizei und Kreis-Jugendamt arbeiten seit Montag in der Straßburger Straße 7 zusammen. Ziel ist eine schnellerer und passgenauerer Stopp junger krimineller Karrieren.

Mit dem "Haus des Jugendrechts" ist in Offenburg in dieser Woche ein Pilotprojekt gestartet, bei dem die Staatsanwaltschaft, das Polizeipräsidium, das Landratsamt und das Amtsgericht Offenburg zusammenarbeiten. Im Haus des Jugendrechts in der Straßburger Straße 7 arbeiten Staatsanwaltschaft, Polizei und Jugendamt unter einem Dach zusammen, um auf Straftaten von Jugendlichen wirkungsvoll und rasch reagieren zu können. Angedacht ist, dass mittelfristig weitere Häuser in Lahr und Kehl folgen.

Kurze Drähte und passgenaue

Lösungen für junge Straftäter
Der direkte Informationsaustausch ermöglicht es laut einer gemeinsamen Presseerklärung der Behörden, durch abgestimmte Maßnahmen zielgerichtet auf die jugendlichen Straftäter einzuwirken. Neben einer Anklage zum Jugendgericht kommen etwa auch Arbeitsstunden, die Teilnahme an Gesprächen der Drogenberatung, die Mitwirkung an einem Täter-Opfer-Ausgleich oder die Teilnahme an einem sozialen Trainingskurs in Betracht. Gemeinsame Fallkonferenzen und Hausbesprechungen sollen passgenaue Lösungen ermöglichen, durch die Jugendliche von der Begehung neuer Straftaten abgehalten werden.

Präventionsarbeit, Jugendschutzstreifen,

gebündeltes Fachwissen
Darüber hinaus will das Haus des Jugendrechts präventiv wirken, negative Entwicklungen frühzeitig erkennen und den Jugendlichen, aber auch den betroffenen Familien insgesamt, konkrete Hilfestellungen aufzeigen. Diese könnten sich etwa auf schulische und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten, auf den Umgang mit Alkohol und Drogen oder auf das Erlernen von sozialen Verhaltensweisen beziehen. Zudem sollen Infoveranstaltungen in Schulen sowie Jugendschutzstreifen, das Bewusstsein der Jugendlichen schärfen. Nicht zuletzt verstehe sich die Einrichtung als Plattform für den allgemeinen fachlichen Austausch im Jugendstrafrecht. "Durch das gebündelte Fachwissen können aktuelle rechtliche, aber auch soziologische Entwicklungen zuverlässig beobachtet und begleitet werden", heißt es in der gemeinsamen Erklärung.

Landgerichtspräsident

gab Anstoß für das Projekt

Die Planungen zum Haus des Jugendrechts gehen auf einen Vorschlag von Landgerichtspräsident Christoph Reichert zurück. Seit Ende 2017 wurde die Idee in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe vorangetrieben. Mit dem Bezug der renovierten Räume in der Straßburger Straße 7 nahe beim Bahnhof kann nun die Arbeit des Hauses des Jugendrechts beginnen. Übereinstimmend hoben die Kooperationspartner die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit untereinander hervor, konstruktiv begleitet durch den Landesbetrieb Vermögen und Bau sowie die Stadt Offenburg.

Offen für vielfältige

Kooperationen mit Jugendeinrichtungen

Die Staatsanwaltschaft Offenburg ist im Haus des Jugendrechts mit einer Staatsanwaltsstelle vertreten. Daneben ist eine Servicekraft für die Erledigung von Sekretariats- und Schreibarbeiten halbtäglich vor Ort. Das Polizeipräsidium Offenburg stellt in dauernder Präsenz 4,5 Vollzugsstellen. Das Landratsamt Ortenaukreis wird mit Mitarbeitern des Jugendamtes feste Präsenzzeiten im Haus des Jugendrechts abdecken. Das Amtsgericht bleibt mit Blick auf die richterliche Unabhängigkeit über regelmäßige Treffen eingebunden. Ziel sind zudem Kooperationen mit anderen Hilfs- und Beratungsstellen.

Zuständig für junge Straftäter

bis zum Alter von 18 Jahren
Zuständig ist das Haus des Jugendrechts für die wesentlichen Straftaten von Jugendlichen im Alter von bis zu 18 Jahren, die in Offenburg nebst Eingemeindungen und in Durbach begangen wurden. Zudem werden hier die Ermittlungsverfahren gegen jugendliche Intensivtäter für den gesamten Landgerichtsbezirk bearbeitet. Das Haus ist zunächst als Pilotprojekt konzipiert.

Bei einer erfolgreichen Entwicklung des Pilotprojekts ist aber bereits beabsichtigt, mittelfristig vor Ort auch in den Nachbarstädten Kehl und Lahr Häuser des Jugendrechts einzurichten.


Minister Wolf weiht das sechste

Haus im Land im Sommer ein
Justizminister Guido Wolf freut sich laut Presseerklärung, dass mit der Einrichtung in Offenburg nunmehr das sechste Haus des Jugendrechts im Land – neben Stuttgart-Bad Cannstatt (seit 199), Pforzheim, Mannheim, Heilbronn und Ulm – an den Start geht: "Das Konzept hat sich landes- und bundesweit als wesentlicher Baustein einer erfolgreichen Bekämpfung der Jugenddelinquenz bewährt." Baden-Württemberg sei bundesweit Vorreiter. Minister Wolf wird das Offenburger Haus im Sommer besuchen. Dann ist auch eine Feier zur offiziellen Einweihung geplant.