Seit 5 Jahren geschlossen

Das Hotel in Wieden soll eine Chance bekommen

Paul Berger & Dirk Sattelberger

Von Paul Berger & Dirk Sattelberger

Mi, 15. Juli 2020 um 18:33 Uhr

Wieden

Die Gemeinde Wieden sucht einen Investor für das Hotel Hirschen. Das seit fünf Jahren geschlossen ist. Zusätzlich sollen neue Wohnungen in der Ortsmitte entstehen.

Die Dorfmitte von Wieden soll erneuert werden. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Gasthof Hirschen gegenüber von Rathaus und Gemeindehalle. Er ist seit fünf Jahren geschlossen. Die Gemeinde würde ihn gerne wiederbeleben. Dazu wurde jetzt ein erster planungsrechtlicher Schritt unternommen.

Die Dorfmitte der Feriengemeinde soll neu gestaltet werden. Ein Wunsch, mit dem sich sowohl die Verwaltung als auch der Gemeinderat seit geraumer Zeit beschäftigen. So wurden in der Vergangenheit mehrere Entwicklungsmöglichkeiten entworfen und erörtert. Obwohl derzeit noch etliche Fragen offen sind, will man nun, wie die Diskussion in der Gemeinderatssitzung zeigte, in dieser Sache Nägel mit Köpfen machen. Als einen wichtigen Schritt bezeichnete Bürgermeisterin Annette Franz daher den Aufstellungsbeschluss für einen nachfolgenden Bebauungsplan. Der Gemeinderat billigte ihn einstimmig nach längerer Debatte.

Untersuchungen zu Lärm, Geologie und Hydrogeologie

Wie von Jürgen Schill vom Stadtplanungsbüro fsp aus Freiburg am Montagabend zu erfahren war, ist für den Beschluss ein vereinfachtes Verfahren vorgesehen, was bedeute, dass auf die sonst übliche Umweltprüfung verzichtet werden könne. Das soll die Umsetzung beschleunigen. Untersuchungen indes stehen nach Auskunft von Jürgen Schill beim Thema Lärm, beim Artenschutz und der Waldabstandsprüfung (mindestens 30 Meter) an. Erforderlich sind auch geologische und hydrogeologische Gutachten.

Eine wesentliche Rolle bei der künftigen Gestaltung, aber auch für die Zukunft der Belchengemeinde Wieden spielt das zentral gelegene und seit Jahren leerstehende Gasthaus Hirschen. Aus Sicht von Bürgermeisterin Annette Franz und des Gemeinderats sollte es in der Dorfmitte auch in Zukunft ein Gasthaus geben. Ob das bestehende Hotel abgerissen oder im derzeit typischen Schwarzwald-Stil als Gebäude erhalten bleibt, steht allerdings noch in den Sternen. Ausschlaggebend wird sein, ob sich ein Betreiber hierfür finden lässt. Dankbar zeigte sich Annette Franz darüber, dass sich Bürger unter anderem um den Blumenschmuck rund um das verlassene Gebäude kümmern.

Wohnbebauung erwünscht

Was die Gesamtgestaltung der Dorfmitte Wieden angeht, präsentierte Jürgen Schill bisher angedachte Varianten, die im Wesentlichen eine Wohnbebauung unter Einbeziehung einer gastronomischen Einrichtung in der Dorfmitte vorsehen. "Was wir auf keinen Fall wollen, sind sogenannte Rollladen-Siedlungen", betonte er. Gemeinderat Thomas Walleser befürchtet indes zusätzliche Kosten, die die Kommune belasten könnten, insbesondere was das Anwesen Hirschen angeht: Die Gemeinde habe weder für einen Abriss noch für einen Neubau die nötigen finanziellen Mittel. Thomas Walleser forderte zudem die Berichtigung einer Passage in der vorliegenden Vereinbarung, in der die Übernahme des Gasthaus-Areals durch die Gemeinde vorgesehen war. Planer Schill stellte klar, dass zum jetzigen Zeitpunkt nur die Frage "Wollen wir einen Bebauungsplan?" im Raum stehe. Beschlossen wurde nur der erforderliche Aufstellungsbeschluss. Eine ganze Reihe von Detailfragen sollen in Verhandlungen zwischen der Gemeinde und dem möglichen Investor geklärt werden.
Geschichte des Hirschen

Die Gastwirtschaft wurde im Jahr 1806 mit Bäckerei und Mühle gegründet. 1848 machten die Revolutionäre um Georg Herwegh hier Station. 1911 übernahm die Familie Stiefvater den Hirschen. Im zweiten Weltkrieg war er Quartier für ausgebombte Städter. In den 70er-Jahren investierten die Stiefvaters in ein Gästehaus, Hallenbad und Kegelbahnen. 2015 wurde der Betrieb eingestellt. Ein Gast schrieb dazu im Internet: "Es war ein alteingesessenes Hotel, das durchaus seine Blütezeit gekannt hat und eine Bereicherung für den Ort darstellte."